Weil am Rhein

Deutsche Stammgäste essen dem Wirt des «Schwanen» nicht genug

Für den Weiler «Schwanen»-Wirt sind Abende mit Stammgästen geschäftlich nicht vertretbar, Schweizer konsumieren mehr.

Für den Weiler «Schwanen»-Wirt sind Abende mit Stammgästen geschäftlich nicht vertretbar, Schweizer konsumieren mehr.

Der Wirt Hansi Ritter kündigt den Stammtisch in seinem Lokal in Weil am Rhein, um zahlungskräftigen Schweizern Platz zu machen.

Die Organisatorin des Stammtisches will nichts mehr dazu sagen; und der Wirt droht bei der Nachfrage der bz gar mit dem Anwalt, sollte die Geschichte erneut Thema werden. Nein, es war keine Trennung in gegenseitigem Einvernehmen, als Wirt Hansi Ritter vom «Schwanen» in Altweil vor einigen Monaten dem Stammtisch zu verstehen gab, dass er ihn nicht mehr bei sich beherbergen könne, wenn die Herren und Damen weiterhin so wenig konsumierten.

Besonders pikant an dieser skurrilen Geschichte: Der Stammtisch war nicht irgendein Kegelverein; es waren die Altstadträte und damit Weiler, die ein entsprechendes Netzwerk in der Stadt haben.

Bitterböse Schnitzelbängg

Entsprechend gross war die Aufregung; denn der Rausschmiss wurde schnell publik. «Mir höre scho dr Ritter Hansi sage:/ ‹Göhnt doch heim, ihr blöde Siechä,/ ’s Drämmli fahrt au bald uf Riechä./ Bringt mir Schwyzer in mi Lade,/ die esse nit nur Schwartemage», hiess es beispielsweise an der Fasnacht im Schnitzelbank der Mooswaldsiechä.

Und sie hatten auch gleich das Motiv des Wirts ausgemacht: «Schwyzer Gäscht, die find ich klasse,/ denn sie fülle mini Kasse./ Esset ihr kei Menü do,/ no chönnet ihr grad wieder go.»

Tatsächlich schreibt der Wirt in dem Schreiben an die Altstadträte, das der bz vorliegt: «Ich musste feststellen, dass die Abende für mich geschäftlich nicht mehr vertretbar sind. Im Restaurant musste ich Gäste wegschicken, wie so oft, um im Nebenzimmer halbe Sängersteaks und Wurstsalat zu verkaufen.»

Diese Speisen, schreibt Ritter weiter, ässe er auch sehr gerne, «aber nicht demonstrativ das ganze Jahr». Er habe für Stammtische eigens wechselnde Tagesmenüs zusammengestellt, dessen Preis von 18.80 Euro jedem Altstadtrat zuzumuten sei.

«Unverschämtes Schreiben»

Die gemeinsame Reaktion der Altstadträte befand dieses Schreiben als «unverschämt», wie die Weiler Lokalmedien berichteten. Seit Ende der Siebziger hatten sich die Politiker jeden Monat im «Schwanen» getroffen. Stammtisch-Organisatorin Christel Stauss wurde in der «Weiler Zeitung» zitiert: «Wir sind alle ältere Leute; wir essen abends keine Menüs.»

Auf der letzten Karte seien Gänsebraten und Schnitzel mit Pommes gestanden. Trotzdem lasse jeder Teilnehmer 20 bis 25 Euro pro Abend liegen, so Stauss.

Gegenüber der bz will sie die Vergangenheit ruhen lassen, bestätigt aber, dass der Stammtisch schnell eine neue Wirtschaft gefunden habe. Dort sei der Wirt auch mit einem Wurstsalat als Abendessen zufrieden. Mit Hansi Ritter habe sie nicht mehr gesprochen. Da er in seinem Schreiben klargestellt habe, dass die «Treffen wie gehabt» nicht mehr stattfinden könnten, habe sie keinen Sinn in einem weiteren Gespräch gesehen.

Wirt nimmt Stellung

Ritter selbst nahm zu dem Vorfall nie öffentlich Stellung; auch der bz gegenüber wollte er nicht mehr darüber reden. Lediglich bei der «Rotssuppe», der traditionellen Abschlussveranstaltung der Weiler Fasnacht, die als geschlossene Veranstaltung ironischerweise ebenfalls im «Schwanen» stattfindet, musste er reagieren. «Wer beriimt isch, chunnt zum Dank, ganz sicher uff e Schnitzelbank», zitierte ihn der SWR-Rundfunk.

«Rein betriebswirtschaftlich kann ein solcher Entscheid sinnvoll sein», sagt Maurus Ebneter, Sprecher des Basler Wirteverbands: «Sonst geht eventuell das Konzept nicht auf, das der Wirt für sein Unternehmen hat.»

Ebneter selbst kennt den Weiler Fall nach eigener Aussage nicht, versucht gegenüber der bz aber allgemein, mögliche Motive des Wirts zu erhellen. «Die Öffentlichkeit sieht darin vielleicht eine gewisse Überheblichkeit; das kann sehr schlecht rüberkommen», sagt er.

«Es chunnt dä Dag...»

Aber das Konzept des Gasthauses habe sich in den Jahrzehnten, in denen der Stammtisch dort war, vielleicht geändert: «Da kann es schon eine Rolle spielen, wenn man für einen Gast, der 20 Euro ausgibt, einen anderen wegschicken muss, der 100 Euro ausgegeben hätte.» So gebe es beispielsweise im Züribiet ein Restaurant, das mit einem Schild an der Tür Kinder für unwillkommen erklärt habe. «Das sollte man wohl etwas subtiler tun, zum Beispiel den Preis des Kindermenüs erhöhen oder gar keins mehr anbieten», erklärt Ebneter.

Im Endeffekt sei also alles eine Sache der Kommunikation. Und ein Gastronom müsse bedenken, dass der Umsatz zwar sehr wichtig sei: «Aber das Image ist genauso entscheidend und hat mittel- und langfristig Auswirkungen auf den Umsatz.»

So sehen es auch die Mooswaldsiechä:

«Es chunnt dä Dag/ do wär er froh, 
d’Stadtröt dääde wieder cho.»

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