Billy Meyer hat einen Traum. Seine Vision: zehn umgebaute Vans, die unter der Woche durch die Region fahren und vor Flüchtlingsunterkünften, Wohnheimen, Kirchen, Firmen und anderen Plätzen haltmachen. 30 freiwillige Mitarbeiter, die den Flüchtlingen in den Fahrzeugen Deutsch beibringen. Eine App, auf der zu sehen ist, wo sich das Sprachmobil gerade befindet und wie viele Unterrichtsplätze frei sind. Meyer will, dass Flüchtlinge gut integriert sind und sich von den Schweizern ernst genommen fühlen. Keine Sprachbarrieren mehr.

Eine Vision. Zuerst möchte Meyer das Projekt mit einem Van und zwei bis drei Freiwilligen anlaufen lassen. Seit zwei Jahren kämpft er dafür. Die Idee für den mobilen Deutschunterricht kam ihm im «DaSein». Das ist ein Programm der offenen Kirche Elisabethen, das Flüchtlingen Unterstützung bietet. Dort arbeitet er freiwillig. Das Engagement liegt ihm am Herzen: «Ich finde es besonders wichtig, dass wir die Flüchtlinge willkommen heissen und ernst nehmen.» Einige Teilnehmer können das «DaSein» nicht regelmässig besuchen. «Ein Mann bedankte sich bei mir für den Unterricht. Er wohnt im Aargau und kann deshalb aber nicht so oft kommen.»

Das Problem: Der Weg ist für viele zu teuer. Also setzte er sich die Idee in den Kopf, den Unterricht zu den Geflüchteten zu bringen – also dorthin, wo sie arbeiten, wohnen und ihre Freizeit verbringen. Im Frühjahr 2017 gründete Meyer den Verein sprachmobil.ch. Heute hat der Verein sieben Mitglieder. Er selber sei das «Zugpferd». Mit zwei Therapeutinnen, die bereits Erfahrungen mit Flüchtlingen haben und einer freiwilligen Fachfrau ist er auf der Suche nach weiteren Freiwilligen. Für diese stelle er einen Katalog mit Anforderungen zusammen.

Offenherzig müssen sie sein. Sich gut in der deutschen Sprache zurechtfinden können und eine gefestigte Persönlichkeit haben. Meyer ist es wichtig, dass seine Mitarbeiter ihr Engagement vom Privatleben trennen können. Es müssen Personen sein, die sich von schlimmen Schicksalen und psychischen Wunden distanzieren können.

Geld zurück

Einmal rief Meyer bereits zu Spenden auf der Plattform «we make it» auf. Sein Spendenziel erreichte er dort nicht. Das Geld musste er den Spendern zurückgeben. Viele Leute überwiesen es jedoch privat auf ein Projekt-Konto. Sie stehen hinter der Idee. Nun versucht Meyer sein Glück erneut. Auf der Crowdfunding-Plattform «Lokalhelden» der Raiffeisen-Bank startete er eine Aktion. Bis jetzt sind dort rund 3900 Franken zusammenkommen. Bei Freunden und Bekannten macht er Werbung für seinen Traum. Täglich fragt er Stiftungen an und schliesst Verträge ab. Insgesamt konnte er für das Projekt bereits 18'300 Franken reinholen. Das erste Spendenziel liegt bei 32'000 Franken. Ende Februar wird Meyer mit seinem Team entscheiden, ob er weiter für das Projekt sammeln und kämpfen will. Bei einem Nein muss er Beträge über 100 Franken zurückzahlen und die kleineren Spenden an ein ähnliches Projekt weitergeben.

Wie Meyer betont soll das Sprachmobil eine Ergänzung sein. Im Kanton Basel-Stadt gibt es bereits ein breites Unterrichtsangebot für Flüchtlinge. Da ist der Verein Offener Hörsaal der Uni Basel, wo die Flüchtlinge am Hörprogramm teilnehmen können. Die Freiplatzaktion, die Unterricht für Fortgeschrittene anbietet und viele weitere.

Meyer ist sich sicher, dass das Sprachmobil das Angebot ideal ergänzt. Und: «Das Sprachmobil ist auch ein politisches Statement. Wir sind sichtbar, bewegen uns in der Öffentlichkeit und zeigen, dass Flüchtlinge hier sind, und wir sie ernst nehmen.»