Die Standbetreiber in der Messehalle 3 staunten an der Baselworld im März 2018 nicht schlecht: Es erschien ein alter Bekannter, den man bereits verdächtigte, dass er wenige Monate vorher in Hongkong die Firma bestohlen habe. Die herbeigerufene Polizei fand bei ihm einen synthetischen Korund, der wohl als günstiger Austauschstein für einen Trickdiebstahl herhalten sollte. Eindeutig nachweisen konnte man dem Mann allerdings nicht, dass er in Basel an der Messe tatsächlich einen teuren Stein stehlen wollte. Das Basler Strafgericht sprach ihn deshalb vor einem halben Jahr vom Vorwurf des versuchten Diebstahls frei.

Doch bei der Geschichte in Hongkong kamen die Richter zu einem anderen Schluss: Sie waren davon überzeugt, dass der heute 34-jährige Franzose im September 2017 an der Asia World-Expo in Hongkong unbemerkt einen Saphir im Wert von 149’580 Franken ausgetauscht hatte. Der Fall wurde in Basel verhandelt, weil eine Schweizer Firma vom Diebstahl betroffen war. Das Basler Strafgericht sprach den Franzosen im Juli 2018 wegen Diebstahls schuldig und verdonnerte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Der Verurteilte zog den Fall weiter, sodass sich diese Woche das Basler Appellationsgericht mit dem Fall auseinandersetzen musste.

Trickdiebstahl nicht versichert

Es war ein reiner Indizienprozess, auch hatte die Firma den Austausch-Diebstahl erst mehrere Tage danach bemerkt. Da Trickdiebstähle bei teuren Diamanten nicht versichert sind, blieb die Firma bislang auf dem Verlust sitzen.

Die drei Richter befragten am Mittwoch sowohl den Geschäftsführer wie auch den Standverkäufer der Schmuckfirma detailliert, auch eine thailändische Verkäuferin wurde nochmals vorgeladen. Der Verurteilte bestritt die Diebstähle, verhedderte sich aber sowohl vor Strafgericht wie auch diese Woche vor zweiter Instanz in Widersprüche und Ungereimtheiten. Der Mann ist ausgebildeter Gemmologe, konnte oder wollte aber nie so recht erklären, wovon er seinen Lebensunterhalt finanziert. Er ist schon mehrfach vorbestraft.

Am Donnerstagabend dann das Urteil: Auch das Appellationsgericht ist davon überzeugt, dass der Franzose in Hongkong den Stein gestohlen hat. Es bestätigte auch die Schadenersatzforderung der Schmuckfirma über rund 150’000 Franken. Dazu kommen Gerichtskosten von inzwischen knapp 20 000 Franken.

Der Mann sitzt seit März 2018 in Haft, wie in solchen Fällen üblich durfte er den vorzeitigen Strafvollzug antreten, um nicht mehr den äussert strengen Einschränkungen der Untersuchungshaft etwa punkto Telefon- und Briefverkehr zu unterstehen. Auch liess man ihn in der Küche arbeiten. Inzwischen sitzt er allerdings wieder in der Sicherheitshaft: Er hat den vorzeitigen Vollzug wieder verlassen, weil das seiner Meinung nach einem Schuldeingeständnis gleichkomme.

Der Schuldspruch des Appellationsgerichtes ist noch nicht rechtskräftig, der Mann kann noch Beschwerde beim Bundesgericht einlegen.