Easyjet bedient ab Basel mittlerweile 48 Destinationen. Ist der Markt nicht langsam ausgereizt?

Thomas Haagensen: Wir sind in den vergangenen sechs Monaten in Basel um acht bis neun Prozent gewachsen, und wenn ich das nächste halbe Jahr anschaue, werden wir bei fast 15 Prozent liegen. Es ist ein Mix aus neuen Strecken wie etwa Krakau, Sevilla, Montpellier und so weiter. Das sind neue Märkte. Aber der grösste Verkehrszuwachs findet bei den bereits bestehenden Strecken statt. Hier wird die Kapazität ausgebaut.

Welche Destinationen sind das?

Vor allem grosse Städte wie London, Berlin, Hamburg und Amsterdam. Die Angebotssteigerung nehmen wir aufgrund der Passagiernachfrage vor. Das gibt mehr Flexibilität und mehr Möglichkeiten auf diesen Strecken. Gerade Geschäftsreisende schätzen das. Wir sehen weiteres Wachstumspotenzial.

Sind neue Destinationen auf dem Radar?

Wir haben schon viele Destinationen, aber wir haben auch eine schöne Liste von Destinationen, die für Basel sicher attraktiv wären. Das Portfolio wird sicher ergänzt.

Zum Beispiel?

(Lacht) Gute Frage. Da müssen Sie noch ein bisschen warten. Zurzeit gibt es nichts Spruchreifes. Wir befragen unsere Fans via Facebook, da gibt es immer wieder Ideen. Und dann untersuchen wir auch immer wieder, wie gross der Markt für eine bestimmte Strecke ist.

Neu fliegt Ryanair ab Basel. Inwiefern ist das eine Konkurrenz?

Es ist immer eine Konkurrenz, aber Ryanair fliegt nicht auf den gleichen Strecken. Wir sind seit zehn Jahren auf dem Euroairport, hier geht das Wachstum weiter.

Wie viel geht beim Easyjet-Wachstum auf Kosten der Konkurrenz, wie viel ist effektiver Neuverkehr?

Das ist schwer zu sagen. Es ist ein generelles Wachstum zu verzeichnen. Es ist nicht unsere Strategie, auf Kosten anderer zu wachsen. Auf den Strecken nach Island, Sevilla und Montpellier gibt es sonst niemanden. Wenn wir mehr Flüge nach grossen Städten anbieten, nehmen wir der Konkurrenz nichts weg, weil die Nachfrage insgesamt steigt. Es gibt ein Wachstumspotenzial in Basel.

Wie gross ist der Anteil an Geschäftsreisenden?

Er liegt bei 18 bis 20 Prozent. Deshalb auch der Ausbau. Es ist wichtig, dass Geschäftsleute täglich hin- und zurückfliegen können. Und die Firmen sind sehr kostenbewusst geworden und schätzen tiefe Preise.

Hat dieser Anteil zugenommen? Wohl eher nicht so stark.

Er nimmt zu. Anteilmässig vielleicht nicht so stark, aber der Geschäftsreiseverkehr ist ja auch kein Selbstzweck. Die neueren Destinationen sind effektiv eher Urlaubsziele.

Wurde die Ende 2012 eingeführte Sitzreservation, respektive Sitzzuteilung, von den Passagieren gut aufgenommen?

Ja, sehr gut. Die Kundenzufriedenheit ist gestiegen. Und es war auch profitabel. Der Umsatz pro Sitz stieg um 28 Pence, rund 34 Rappen.

Easyjet macht jeweils gute Gewinne. Den haben Sie den Passagieren zu verdanken. Man könnte sogar sagen: Sie verlangen von den Passagieren zu hohe Preise.

Die Gewinne tragen zu den Investitionen bei. Wir finanzieren damit das Wachstum, das kommt auch den Passagieren zugute. Die Erhöhung des Umsatzes pro Sitz ist auch die Folge längerer Flugstrecken. Und die Auslastung ist gestiegen, was für das finanzielle Resultat ebenfalls positiv ist.

Und Preissenkungen gibt es keine?

Die Preissituation ist relativ stabil. Angebot und Nachfrage sind sich in einem guten Gleichgewicht.

Wie hoch ist der Anteil an Einnahmen, die aus Nebengeschäften – also Catering, Hotelbuchungen, Mietwagen und Reiseversicherungen – stammen?

Es sind 92 Pence oder Fr. 1.12 pro Sitz.