Jubiläum
Die alte «Dante Schuggi» rumpelt, quietscht und begeistert seit 100 Jahren

Seit hundert Jahren kurvt Basels ältestes Tram, die «Dante Schuggi», über die Schienen. Die Faszination um das Tram ist auch heute noch mindestens so gross wie vor hundert Jahren, als es noch auf der Linie 11 zwischen Aeschenplatz und Aesch fuhr.

Sarah Serafini
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Die «Dante Schuggi» auf dem Claraplatz.

Die «Dante Schuggi» auf dem Claraplatz.

Kenneth Nars

Als er mit 18 Jahren vom Gymnasium kam, begann Urs Weber, Vizepräsident des Tramclubs Basel, als Billeteur bei den BVB zu arbeiten. Sein erster Arbeitstag mit der «Dante Schuggi», dem legendären Oldtimer-Tram, ist ihm noch gut in Erinnerung: «Ich verkaufte die Billette und wollte vor dem Losfahren noch einen Blick aus dem Tram werfen. In dem Moment machte der Wagenführer die Türe zu. Ich konnte gerade noch rechtzeitig den Kopf einziehen, aber meine Schaffnermütze wurde zwischen den Türen eingeklemmt.»

Das sei der Anfang einer langen Beziehung mit der «Dante Schuggi» gewesen, sagt Weber und lacht. Schon als Bub faszinierten ihn Eisenbahnen und Drämmli. Mit seinen Grosseltern fuhr er am Wochenende manchmal nach Aesch und hoffte, die «Dante Schuggi» für eine Fahrt zu erwischen.

Damals verkehrte das Tram noch auf der 11er-Linie zwischen dem Aeschenplatz und Aesch. Kam es angefahren, hatte es die Aufmerksamkeit der Passanten auf der Strasse. Diese Faszination für das Tram ist bis heute geblieben. Manch ein Smartphone wird gezückt, wenn das schwere Gefährt über die Schienen von Basel rumpelt. Am Samstag feierte die «Dante Schuggi» ihren 100. Geburtstag.

Nicht einfach zu fahren

Mitten im Ersten Weltkrieg, am 29. April 1915, wird die «Dante Schuggi» in Betrieb genommen. Sie ist der erste vierachsige Motorwagen der BVB und bleibt es 34 Jahre lang. «Sie war eine Einzelgängerin und gerade darum so besonders», sagt Weber. Als er die «Dante Schuggi» als Billeteur erlebte, war es schnell um ihn geschehen. Weber liess sich zum Wagenführer ausbilden.

«Ich hatte das Glück, dass ich für meine Lehrzeit einem erfahrenen Wagenführer der ‹Dante Schuggi› zugeteilt wurde. Er kannte das Tram sehr gut und lehrte mich, das nötige Fahrgespür zu entwickeln.»

Da das alte Tram sehr schwer ist, sei es nicht einfach zu fahren. Wahrscheinlich sei auch der Name auf das Gewicht des Gefährts zurückzuführen. Genau wisse er es nicht, sagt Weber. Aber er vermute, dass das Personal das Tram schon seit Beginn die «Dante Schuggi» genannt habe. Der Name wurde stadtbekannt und heute kennt ihn in Basel jedes Kind.

Nach Webers Ausbildung erzählte ihm der Lehrmeister von dem schlimmen Unfall 1941. Es war nicht der erste, aber wohl einer der schlimmsten in der Geschichte der «Dante Schuggi». Am 19. März 1941 stiess das Tram wegen einer falsch gestellten Weiche beim Wolfgottesacker mit einem Zug der Birseckbahn zusammen.

Es gab einen Toten und mehrere Verletzte. Webers Lehrmeister war es, der damals tragischerweise in der Führerkabine stand. Weber blieb in seiner Karriere von derartigen Unfällen verschont. Abgesehen von ein paar Vollbremsungen, sei die «Dante Schuggi» bei ihm immer brav gewesen, sagt er.

Heute ein Restaurant

Ende Oktober 1972 wird der Oldtimer nach 67 Jahren und 3 469 735 gefahrenen Kilometern vom Netz genommen und dem Tramclub Basel abgegeben. Ein paar Jahre später, im September 1985, nimmt die «Dante Schuggi» ihren Betrieb auf den Schienen der BVB wieder auf - als fahrendes Restaurant. Für Weber, inzwischen pensioniert, war klar: Braucht es einen Tramführer, stellt er sich gerne wieder zur Verfügung.

Auch nach ihrem 100-Jahr-Jubiläum ist und bleibt die «Dante Schuggi» eine fahrende Legende oder «das Flaggschiff unserer Oldtimer-Flotte», wie Weber sie nennt. Jeden Freitagabend werden Stadtrundfahrten mit Speis und Trank angeboten.

Unter der Woche kann man das Tram für private Anlässe mieten. Ist die «Dante Schuggi» einmal nicht in Gebrauch, kann sie bald im neuen Tram-Museum, zusammen mit den anderen Oldtimer-Trams bestaunt werden (siehe Kasten unten).