Das Pflegeheim scheint nicht beliebt zu sein. Die am Freitag vorgestellte Umfrage «55plus» des statistischen Amts Basel-Stadt hat ergeben, dass die meisten Senioren zu Hause bleiben wollen: Über 60 Prozent der über 55 Jährigen können sich gut vorstellen, im Alter mit Unterstützung zu Hause zu bleiben. Weniger als 10 Prozent der über 75-Jährigen können sich gut vorstellen, in ein Pflegeheim einzuziehen. Für fast 50 Prozent ist dieses Szenario eher nicht oder gar nicht vorstellbar.

Weshalb schneidet das Pflegeheim so schlecht ab? Vielleicht weil die Anlaufstellen des Kantons Basel-Stadt laut Umfrage zu wenig bekannt sind, und eine wichtige Rolle spielen, was Übermittlung und Beratung angeht. Aber vielleicht auch weil dem Heim sein Ruf vorauseilt: Das Pflegeheim sei für viele die letzte Raststätte im Leben, sagt Anne Tschudin, Mediensprecherin der Gesundheitsdepartements. Wer sich entscheidet, ins Pflegeheim zu ziehen, der gebe endgültig seine Selbstständigkeit auf. Dann sei es fertig, der Tod warte bloss noch. Dieser Eindruck prägt womöglich die Atmosphäre in den Heimen. Graue Böden, wenig Leben in den Gängen und alles Menschen, die eben auf den Tod warten. Die Uhr tickt förmlich.

Dieses Szenario muss aber nicht der Wirklichkeit entsprechen, viele Pflegeheime würden renoviert, auch bei den geplanten 200 zusätzlichen Zimmern würde auf eine moderne Einrichtung geachtet, sagt Lukas Engelberger, Regierungsrat und Vorsteher des Gesundheitsdepartements. Mit diesen Massnahmen sollen die Qualität und die Nachfrage gesteigert werden. Dennoch stellt die Signalwirkung eines Entscheids, in das Pflegeheim zu ziehen, für viele Ältere eine Hemmschwelle dar. Der Fachkräftemangel verschärfe die schwierige Lage der Pflegeheime, da darunter die Qualität der Betreuung leidet. Ein Zimmer in einem Pflegeheim sei teurer als eine eigene Wohnung, auch mit Pflegeleistung, aber wenn der Betreuungsbedarf zu gross wird, werde diese teurer als ein Pflegeheim, sagt Engelberger. «Dann sollte ein Umzug mindestens in Erwägung gezogen werden.» Zwingen kann man niemanden, in ein Pflegeheim einzuziehen. Die Heime passen sich der Nachfrage an. So gibt es eine mediterrane Abteilung und ein Stockwerk, das speziell viele italienische Patienten aufnimmt. «Solche Veränderungen passieren laufend», sagt Madeleine Imhof, Leiterin des Statistischen Amts Basel-Stadt. Die Migration der 60er und 70er Jahre zeige nun auch in den Pflegeheimen ihre Wirkung.

Senioren-Wohnung als Übergang

Es gibt aber nicht nur die Qual der Wahl zwischen selbstständigem Leben und dem Zimmer im Pflegeheim. Als Übergang bieten verschiedene Private, darunter auch Pflegeheime, Wohnungen in Altersiedlungen an. Ein anderer Name für ein weiteres Pflegeheim? Nein. Die Wohnungen in den Wohnblöcken sehen genau gleich aus wie andere, die etwa von Studenten bezogen werden. Erst beim genaueren Hinschauen fällt auf: Alle Schwellen und Stufen wurden eliminiert, die Wohnungen sind also behindertenfreundlich. Hinzu kommt, dass in den Blöcken Siedlungsleitungen für die Bedürfnisse der Rentner sorgen. Diese können gemäss Öffnungszeiten besucht werden.

Alle Wohnungen in diesen Siedlungen werden von Senioren bezogen. Das Siedlungsbüro veranstaltet Treffen für diese, zudem steht ihnen die Möglichkeit offen, in einem Pflegeheim, mit anderen Senioren, zu essen. Andere kostenpflichtige Serviceleistungen reichen vom Wäschewaschen bis zum 24-Stundenservice, der den Notfalldienst auch nachts sicherstellen. Für wohlhabendere Senioren gibt es teurere Residenzen. Diese Angebote scheinen aber den Senioren nicht bekannt zu sein.