Gemessen in Ehejahren würden sie nun ihre Goldene Hochzeit feiern: Das Wesley- und das Gustav Benz-Haus werden beide 50, und «Zämme 100». Unter diesem Motto steht ihr gemeinsames Jubiläum, das den Anlass gibt für ein Wochenende voller Festivitäten und Geselligkeit. Aber auch für einen Rückblick auf 50 Jahre Basler Sozialgeschichte.

Einen regelrechten Bevölkerungsboom hat das Kleinbasel in der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebt. Aus allen Winkeln der Schweiz strömten Leute hierhin, in der Hoffnung eine Heimat und Arbeit zu finden. Schnell war das Kleinbasel übervölkert, und nicht nur die Infrastruktur war überlastet - ein Zeitzeuge sprach gar von einem «geistigen Chaos».

In diesem geistigen Wirrwarr war geistliche Hilfe vonnöten. So wurden vor allem die Basler Kirchen im Kampf gegen die Missstände und die Armut aktiv: «Sie nahmen sich nicht der Leute an, die durch das soziale Netz fielen», präzisiert Jürg Matter, Direktor der Bethesda Stiftung, «denn ein soziales Netz gab es überhaupt noch nicht».

Zwei Häuser, eine Vision

100 Jahre später gab es dieses Netz zwar, die diakonische Arbeit der Kirchen war aber noch lange nicht getan. Nachdem Pfarrer wie Gustav Benz ihr Leben in den Dienst des Sozialen gestellt hatten, lag das Engagement nun in den Händen der neuen Generation. 1964 entschloss sich die reformierte Kirche, auf ihrem Grundstück an der Klingentalstrasse das «Gustav Benz Haus», ein Heim für Betagte aus allen Gesellschaftsschichten einzurichten.

In unmittelbarer Nachbarschaft realisierte die «Methodistenkirche Klein-Basel» ein ähnliches Vorhaben. Im gleichen Jahr rissen sie ihre Kapelle an der Hammerstrasse ab, um an ihrer Stelle das Alterszentrum «Wesley-Haus», benannt nach dem Gründervater der Methodisten, dem englischen Prediger John Wesley, zu errichten.

Heute ist das Wesley-Haus Teil der Bethesda-Stiftung und umfasst eine Alterssiedlung und ein Pflegeheim mit Fachbereich Psychogeriatrie. Das Gustav-Benz-Haus hat sich, neben einem eigenen Pflegeheim, auf betreutes Wohnen spezialisiert. Trotz ihrer Nähe und gemeinsamer Ziele für die Zukunft, verstehen sich die beiden Zentren nicht als Konkurrenten, sondern als sich ergänzende Angebote.

Aus diesem Verständnis ist auch die Idee gewachsen, den runden Geburtstag, der den Häusern bevorsteht, gemeinsam zu feiern. «Von einer Fusion kann aber nicht die Rede sein», stellt Heike Schulz, Leiterin des Wesley-Hauses klar. «Von einer guten Freundschaft schon», schickt sie sogleich hinterher und Ruth Häberli, die Leiterin des Gustav Benz Hauses, stimmt lachend zu.

Planung im Endspurt

Im Garten des Wesley-Hauses, wo es prächtig blüht, geniessen die beiden in der Junisonne eine der zurzeit seltenen ruhigen Minuten. Seit Monaten sind die Vorbereitungen am Laufen, jetzt ist es bald soweit. Schon am kommenden Freitagabend werden die Feierlichkeiten beginnen. Das grosse Jubiläumsprogramm ist über den ganzen Samstag verteilt und findet in den beiden Häusern und auf der Claramatte statt.

Noch feilen Betreuer und Heimbewohner an den Details ihrer selbst inszenierten «Geistershow», die Requisiten für eine Zeitreise in die 1960er-Jahre stehen schon bereit. Neben einer klassischen Tombola und einem Marionettentheater werden manche der Attraktionen sogar die Organisatoren selbst überraschen, gesteht Häberli.

Musikalisch bietet die Feier alles vom Kinderchor bis zum 60er-Jahre-Sound. Parallel zu den Festivitäten rund um die Claramatte wird im Kult.Kino Camera das Filmfestival «Golden Age?» laufen. Das Fragezeichen deshalb, weil «das Alter eben manchmal golden ist, und manchmal weniger», sagt Ursula Bück Vischer, Organisatorin des Festivals. Durch berührende Dramen wie «Amour», aber auch Komödien wie «Die Herbstzeitlosen» sollen die facettenreichen Schicksale von der Kinoleinwand ihren Weg in die Besucherherzen finden.

Getragen werden die Jubiläumsfeierlichkeiten sowohl von den Häusern selbst, als auch von verschiedenen Stiftungen. «Neben dem Geld steckt aber auch viel Herzblut darin», freut sich Häberli über die Unterstützung: «Jetzt fehlen nur noch die Besucher.»