Wohnraum
Die Angst der Basler vor der dichter bebauten, fremden Stadt

Durch den Bevölkerungszuwachs und den sinkenden Leerbestand von Wohnungen, ist die Stadt gezwungen, mehr Wohnungen zu bauen und die Verkehrsanschlüsse zu verbessern. Der Basler Kantonsarchitekt warnt davor, die Stadt den Baslern fremd zu machen.

Muriel Mercier
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Aus dem Lagerhaus «Chillespitz» werden Loftwohnungen und Büros.

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bz

Die Bevölkerung wächst, der Platzbedarf für Wohnen und Verkehr wird immer grösser. Eine Rechnung die nicht aufgeht – und die es zu bekämpfen gilt. Das Rezept «verdichtet bauen» ist in aller Munde und bewegt die Schweiz.

So auch die Zuhörer, die gestern auf dem Schiff im Basler Hafen den Referaten von Fachexperten zu den Themen Baudichte und neues Raumplanungsgesetz zuhörten.

Die Immobiliengruppe Priora hatte den Basler Kantonsarchitekten Fritz Schumacher, Hans-Georg Bächtold, Geschäftsführer des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) sowie Dietmar Eberle von Baumschlager Eberle Architekten Zürich geladen.

Verdichtetes Bauen ruft Ängste hervor, Unsicherheiten und zum Teil gar Ablehnung. Kantonsarchitekt Schumacher betonte gestern, verdichtetes Bauen dürfe nicht heissen, den Leuten ihre Stadt fremd zu machen.

Zudem gelten Hochhäuser noch immer als Schreckgespenst, die Schatten werfen und Winkelprobleme hervorrufen. «Sie sind sowieso nicht die Lösung für jeden Ort, sondern nur an spezifisch städtebaulichen Gebieten wie zum Beispiel an Bahnlinien.»

Abneigung gegenüber Hochhäusern entsteht, weil diese häufig nicht in ihre Umgebung eingebettet seien. Zudem gibt es Leute, für die ein Hochhaus sogleich bedeutet, dass deren Bewohner aus sozial unteren Schichten stammen.

Höchster Verdichtungsgrad

Laut Schumacher gilt Basel in Sachen verdichtetes Bauen als Vorzeigestadt, denn Basel ist zusammen mit Genf schweizweit die Stadt mit dem höchsten Verdichtungsgrad. Was aber zu Vorsicht mahnt, wie er sogleich anfügt, denn «man muss sich fragen, wieweit man noch verdichten kann. Man muss Optionen zeigen.»

In Basel gehört das Erlenmatt-Areal zu einem der Schlüsselprojekte. Dort entstehen bis 2020 rund 1000 Wohnungen. Es werde dort nicht die ganze Fläche verbaut, sondern viel Freiraum erhalten bleiben.

Andererseits steht Basel in Sachen verdichtetes Bauen speziell unter Druck, weil der Kanton mit einem Leerwohnungsbestand von 0,3 Prozent kämpft. «Basel bietet derzeit nicht den entsprechenden Wohnraum für die Leute, die hier leben und arbeiten.»

Wer schuld an dem knappen Wohnraum ist, sind sich Schumacher, Bächtold und Eberle einig. «Wir bekämpfen die Fehlentwicklung unserer Generation», ist Letzterer überzeugt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe man angefangen, am Rande der Städte zu bauen. «Wir haben keine Städte mehr entwickelt, sondern Siedlungen.» Vorbild sollte eigentlich das Mittelalter sein, damals seien die städtebaulich dichtesten Gebiete entstanden.

Bächtold, der einst als Baselbieter Kantonsplaner tätig war, wirft einen weiteren Ansatz in die Runde, denn «heute benötigen die meisten Menschen die enorme Fläche von 50 Quadratmetern Wohnraum. Wir verursachen das Problem selber.»

Schumacher hat ein einfaches Gegenmittel: «Macht die grossen Flächen teurer! Denn solange die Leute diese bezahlen können, wird sich nichts ändern.» Verdichtetes Bauen soll nicht nur im hochpreisigen Segment geschehen. Der Anspruch sei: dicht, ökologisch und preisgünstig.

Erlenmatt, Volta und Dreispitz

In Basel gibt es derzeit an verschiedenen Orten in der Stadt Schlüsselprojekte, die das Konzept vom verdichteten Bauen umsetzen. Neben dem Areal Erlenmatt, ist auch die Fläche um Volta West und beim Bahnhof St. Johann im Umbruch.

Hinzu kommen das Dreispitzareal sowie die Entwicklung im Hafen. «Natürlich laufen eine Vielzahl an Kleinprojekten unter Aufsicht der Stadtbildkommission. Damit die Veränderungen in der Summe erträglich sind und eben nicht für Entfremdung bei den Baslern sorgen», fasst Kantonsarchitekt Schumacher zusammen.