Weihnachtsmarkt

«Die Ansprüche der Kunden verändern sich»: Yves Born ist Standbetreiber der ersten Stunde

Seit 40 Jahren verkauft Yves Born am Weihnachtsmarkt seine Schals.

Seit 40 Jahren verkauft Yves Born am Weihnachtsmarkt seine Schals.

Seit 40 Jahren verkauft Yves Born auf dem Barfüsserplatz seine handgefertigten Schals. Der Standbetreiber erinnert sich an die Anfänge des Basler Weihnachtsmarktes und spricht über die veränderten Ansprüche der Kunden.

Der 40. Basler Weihnachtsmarkt verzaubert seit Donnerstagabend wieder die Stadt. Yves Born (65) ist als einziger Standbetreiber seit der ersten Ausgabe im Jahr 1978 dabei. Der Schalverkäufer auf dem Barfüsserplatz, der seine Ware in aufwendiger Handarbeit selber herstellt, erinnert sich gut an die Anfänge. Auch von veränderten Kundenansprüchen und langen Öffnungszeiten weiss er zu erzählen.

Herr Born, Sie sind zum 40. Mal am Weihnachtsmarkt dabei. Wie hat alles angefangen?

Yves Born: Das war 1978, der erste Weihnachtsmarkt in Basel, und damals stand er noch auf dem Claraplatz. Erst ein paar Jahre später kam er dann auf den Barfi. Ich hatte acht Jahre als Chemielaborant bei Sandoz und Ciba-Geigy gearbeitet. Und dann habe ich mir autodidaktisch das Weben beigebracht. Handarbeit war damals ein richtiger Boom. Alle haben gestrickt wie verrückt, auch die Männer. Ich bin dann ins Tessin nach Arosio gezogen, wo ich auch heute noch wohne, und habe meine eigene Schalproduktion angefangen. Nebst den Seidenschals, die ich selber mache, verkaufe ich auch Accessoires wie Pulswärmer, Handschuhe und Stirnbänder. Ganz wichtig: Ich verkaufe nur Schweizer Kunsthandwerk, und jedes Stück ist ein Unikat.

Verkaufen Sie nur am Basler Weihnachtsmarkt?

Früher habe ich noch an den Schweizer Heimatwerken verkauft, aber die mussten irgendwann umstrukturieren, und jetzt verkaufe ich nur noch direkt an der Herbstmesse und am Weihnachtsmarkt – das sind zwei Monate, die ich hier in Basel verbringe. Und von Januar an bin ich wieder im Tessin und webe meine Schals für den nächsten Herbst und Winter.

Mymap: Weihnachtsmärkte der Region Basel

Ist es nicht anstrengend, so lange am Stand zu stehen?

Ich stehe während 31 Tagen von morgens bis abends hier am Weihnachtsmarkt. Da ist es einfach wichtig, dass man auf seine Gesundheit achtet. Jeden Morgen, bevor ich herkomme, gehe ich zwei Stunden lang spazieren und mich bewegen. Ich esse auch immer gesund, habe meine Biosalate dabei, und ich kann hier im Stand auch Kaffee und Tee machen. Ich will nicht ständig Bratwurst essen und Glühwein trinken bei den anderen Ständen, das wäre nicht gut für mich.

Können Sie von Ihren Verkäufen leben?

Nein, ich habe mehrere Standbeine. Ich habe ja keine Angestellten, also muss ich auch nicht so genau kalkulieren. Durchs Jahr mache ich im Tessin Gartenunterhalt für Leute, die dort ein Ferienhaus haben. Also Rasenmähen, Hecken schneiden und so. Das ist für mich eine Sicherheit, denn man weiss ja nie, wie gut sich meine Sachen verkaufen. Und der Markt verändert sich auch mit all dem Überfluss, den wir haben. Das beobachte ich so über die Jahre. Internetverkäufe, immer und überall Aktionen und Prozente, Black Friday (lacht).

Spüren Sie diese Veränderungen?

In dem kleinen Rahmen, wie ich verkaufe, merke ich wenig. Aber früher hat der Weihnachtsmarkt zum Beispiel nur zwei Wochen gedauert und am Sonntag war er geschlossen. Heute wird erwartet, dass alles immer zu haben ist. Damit habe ich manchmal Mühe. Man merkt auch, dass die Ansprüche der Kunden sich verändern. Der Farbton muss plötzlich ganz genau stimmen. Und früher hat sich nie jemand beklagt, wenn ein Schal etwas kratzig war, denn Stricksachen waren in. Heute finden manche Leute sogar Kaschmir kratzig. Dadurch haben sich auch meine Produkte verändert und sind immer feiner geworden.

Eher neu sind wohl auch die Diskussionen um Terrorgefahr. Merken Sie davon etwas?

Letztes Jahr habe ich natürlich die Betonpfeiler bemerkt, die man aufgestellt hat. Und nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt waren wir alle geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass jemand an einem Weihnachtsmarkt so etwas macht. Das konnte man sich gar nicht vorstellen. Aber jetzt habe ich trotzdem keine Angst, selbst wenn mein Stand ganz vorne an der Strasse wäre. Es kann schliesslich jeden Tag und überall etwas passieren.

Was schätzt die Kundschaft an Ihrem Stand?

Ich mache halt spezielle Sachen, die man sonst nirgends findet, schon gar nicht im Internet. Das Tolle ist, dass ich der Kundschaft hier vertrauen kann. Das sind Leute, die auch wenig vom üblichen Kommerz halten. Manche Kunden erkennen einen wieder vom letzten Jahr und freuen sich über einen Austausch. Und ich merke: Die Leute schätzen, dass ich wirklich alles alleine mache. Ich kann sozusagen an vorderster Front stehen und erklären, wie etwas hergestellt wurde.

Sicher kennen Sie auch alle Standbetreiber hier nach so langer Zeit?

Also für mich ist der Platz hier dieses Jahr neu. Sonst war ich immer weiter oben neben der Barfüsserkirche. Wegen der Baustelle gibt es diesen Platz jetzt nicht mehr. Aber klar, da entstehen Freundschaften. Jedes Jahr trifft man wieder Leute, die man kennt. Von einigen weiss ich, dass sie schon seit Jahren dabei sind. Aber es gibt auch Wechsel. Das kann krankheitshalber sein oder jemand stirbt. Oder bestimmte Artikel verkaufen sich einfach nicht mehr, dann verschwinden auch die Stände. Man muss sich jedes Jahr neu anmelden, aber man bekommt den Platz eigentlich immer problemlos wieder. Der Weihnachtsmarkt ist ein toller Ort. Ich komme jedes Jahr gerne.

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