Einsicht scheint keine vorhanden. Als die drei Angeschuldigten, BVB-Präsident Martin Gudenrath sowie Direktor Jürg Baumgartner und sein Vize Franz Brunner, den Bericht der Finanzkontrolle erhielten, um zu den Vorwürfen Stellung nehmen zu können, engagierten sie gemeinsam die Winterthurer Anwaltskanzlei Baur Hürlimann zur Wahrung ihrer Interessen.

Und die Anwälte entwarfen in einem 25-seitigen Gutachten mit zahlreichen Beilagen eine ganz eigene Sicht auf die Vorwürfe. Ihr Dossier ist dicker als jenes, das die Finanzkontrolle zusammengetragen hat.

Dreiste Entgegnungen

Auf den Vorwurf, dem Direktor habe keine Dienstwohnung zugestanden, da das Spesenreglement, das zur Anwendung kam, nicht gültig ist, meinen die Anwälte: Das Reglement sei sehr wohl auch ohne Zustimmung der Personalkommission gültig, die Kritik der Finanzkontrolle deshalb falsch.

Dass sich das Kader keine Überstunden auszahlen lassen dürfe, habe man nicht wissen können; der BVB-Vertreter Franz Brunner habe an den Sitzungen, an denen Mitte 2012 eine Änderung der Arbeitszeitverordnung beschlossen wurde, wegen Überlastung nicht teilnehmen können.

Den Vorwurf, ohne Ausschreibungen Aufträge vergeben zu haben, kontern die Anwälte schliesslich damit, zuvor habe noch weit grösserer Submissions-Wildwuchs geherrscht.

Unwissen und «Versehen»

Die Betroffenen haben in der Darstellung ihrer Anwälte fast alles richtig gemacht. Und wenn doch nicht, dann habe man es nicht besser wissen können oder es handelte sich um ein «Versehen». Etwa bei der Tatsache, dass normale Verpflegungen mit der geschäftlichen Kreditkarte beglichen wurden.

Als Versehen wird auch bezeichnet, dass M. D., ein Bekannter des Direktors, für ein IT-Projekt mit der Lohnklasse 20 eingestellt wurde und dabei vergessen ging, diese Anstellung ordnungsgemäss dem Zentralen Personaldienst zu melden. Dieser hätte merken können, dass für die Arbeit wohl eher Lohnklasse 17 oder 18 angemessen wäre.

Und er hätte vielleicht auch hinterfragt, ob es angemessen ist, dass der Mann auf BVB-Kosten eine IT-Ausrüstung für 16 000 Franken bei sich privat installierte, um von dort für die BVB zu arbeiten.

Erleichtert wurden die personalrechtlichen Versehen damit, dass der alte Personalchef von der neuen Crew zum Ausstieg gedrängt wurde und sich ein Vakuum aufbaute. Im Mandatsverhältnis wurde dieses zunächst von der externen Personalvermittlerin S. D. ausgeführt, die mit dem Betrieb allerdings vertraut war: Sie hatte das Assessment mit Baumgartner geführt, das ihm attestierte, geeigneter BVB-Direktor zu sein.

Auf Mitte 2013 wurde S. D. als Personalchefin angestellt, vergab jedoch weiterhin Personalsuchaufträge an die Headhunter-Firma, für die sie gearbeitet hatte. Diese Zusammenarbeit sei dann im Oktober aufgelöst worden, erklärt Paul Blumenthal, der neue BVB-Verwaltungsratspräsident, auf Nachfrage.

Personalrechtliche Fragen werden bei den BVB wohl Thema bleiben: Ein juristisches Nachspiel zur Entlassung des Direktors ist zu erwarten. Die Anwälte stehen jedenfalls bereit.