In den vergangenen Tagen musste die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) Kritik einstecken. Sie hat die Plakatkampagne der Jungen Grünen vergessen und diese im Eiltempo erst am Mittwoch ausgehängt — statt wie gebucht zwei Wochen vor den Wahlen. Am Mittwoch haben sich dann noch die Jungfreisinnigen gemeldet, weil ihr Ständeratskandidat Julian Eicke nur zwei statt vier Wochen von den Plakatwänden lächelte. Die Vorwürfe der Jungfreisinnigen hat die APG jedoch zurückgewiesen. Die Jungfreisinnigen hätten für den Auftrag nötige Angaben nicht rechtzeitig mitgeteilt, weshalb der Auftrag nicht erfasst werden konnte. Die APG hatte indes versäumt, entsprechend nachzufragen.

Gerade für Jungparteien, deren Kandidaten und Parolen weniger bekannt sind, sei es äusserst wichtig, dass die Plakate hängen, sagen die Jungfreisinnigen und Jungen Grünen unisono. Denn in Basel darf, im Gegensatz zum Baselbiet, nicht wild plakatiert werden. Die Parteien und Kandidierenden können ihre Plakate also nicht an Strassenlampen hängen oder auf Äcker stellen. Es sei denn, sie machen es wie der Basler FDP-Nationalratskandidat Christian Egeler, der sein Plakat just neben einem Grenzstein auf Baselbieter Boden platzierte.

Die APG entschuldigte sich bei den Jungen Grünen für ihren Fehler und beteuerte, es komme nur äusserst selten vor, dass Plakate verloren oder vergessen gehen. Das bestätigt der Schweizer Werbe-Auftraggeberverband, der seit Jahren Plakatkampagnen über die APG bucht: «Normalerweise hängen die Plakate sogar eher zu lang, weil die Plakatwände nicht von einem anderen Kunden gebucht wurden.»

Eidgenössische Wahlen sind für die APG eine logistische Herausforderung und mit zusätzlichem administrativem Aufwand verbunden. Je nach Ortschaft gelten andere Regeln. Grundsätzlich gilt: Parteien und Kandidierende können die verfügbaren Plakatflächen über den normalen Weg buchen. «Im Februar haben wir Reservationen und Buchungen für das zweite Halbjahr entgegengenommen», sagt Mediensprecherin Nadja Mühlemann.

Die politischen Budgets seien 2015 ungefähr gleich geblieben wie vor vier Jahren. Allerdings seien die nationalen Kampagnen leicht rückläufig. Im Gegensatz dazu habe es bei den regionalen Kampagnen und bei den Einzelkandidaten leichten Zuwachs gegeben.

Politplakate haben Priorität

In Basel kostet ein F12-Plakat je nach Standort zwischen 265 und 929 Franken für eine Woche — abzüglich 25 Prozent Politrabatt und 15 Prozent Beraterkommission. Bei den kleineren F4-Plakaten gibt es in Basel Einschränkungen: «Sie sind kontingentiert und gewährleisten so die Gleichbehandlung unter den Parteien», sagt Mühlemann. Die APG verteilt sie gleichberechtigt auf die verfügbaren Flächen. In Basel-Stadt geniessen politische Plakate in den vier Wochen vor den Wahlen Platzpriorität. Eine zweiwöchige Plakatierung auf 50 fixen Werbeflächen kostet 3500 Franken. Zusätzlich können flexible Werbeständer gebucht werden, die nach den Wahlen demontiert werden.

Trotz zusätzlichem Aufwand ist der Wahlkampf für die APG lukrativ: «Wir profitieren umsatzmässig von Politwerbung im Allgemeinen und in einem Wahljahr speziell», sagt Mühlemann. In Basel kommt an der APG fast keine Partei vorbei: Sie bewirtschaftet in der Schweiz über 60 000 Werbeflächen.