Kunstmesse

Die Art Basel in Hongkong ist vom Corona-Virus bedroht

Das HKCEC mit Helilandeplatz direkt am Meer. Hier findet die Art Basel Hongkong statt. (Archivbild)

Das HKCEC mit Helilandeplatz direkt am Meer. Hier findet die Art Basel Hongkong statt. (Archivbild)

Die MCH Group bangt um ihre asiatische Kunstmesse. Erinnerungen an das Sars-Desaster werden wach.

Die Kunstmesse Art Basel Hongkong stand auf Messers Schneide. Die politischen Unruhen in der chinesischen Sonderzone drohten das Kunstevent, das auf Mitte März terminiert ist, zu verhindern. In den vergangenen Wochen beruhigte sich aber die Lage. Die Proteste flauten ab, die Messe schien gesichert. Wuchtig brachten die Veranstalter die Werbetrommel in Schwung. Doch nun droht das Corona-Virus.

Art-Sprecherin Dorothee Dines sagt: «Wir nehmen die Situation bezüglich des neuen Corona-Virus sehr ernst und beobachten die Entwicklungen genau.» Es sei allerdings zu früh, um zu erörtern, wie sich der Ausbruch des neuen Virus auf die Messe auswirken werde.

Korrespondentenberichte zeigen Hongkong im Ausnahmezustand. Vor drei Tagen wurde der Notstand ausgerufen. Seit zwei Tagen sind die Verkehrsverbindungen zu China gekappt. Ferien- und Militärlager werden vorsorglich zu Quarantänezentren umgerüstet.

Tägliche Gesundheitscheck und Tragen einer Gesichtsmaske

Der Ausbruch des Corona-Virus erinnert an den Ausbruch der Sars-Krankheit im Jahr 2003. Dieser führte zur grössten isolierten Krise des Messekonzerns vor der Talfahrt der vergangenen Jahre.

Betroffen war damals nicht die Art Basel, sondern die Baselworld. Nach dem Ausbruch des Virus in Fernost hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zunächst eine komplette Beschäftigungssperre für Personen aus Hongkong, China, Singapur und Vietnam ausgesprochen. Nach Protest der Messe ruderte das BAG zurück, verlangte aber weiter einen täglichen Gesundheitscheck sowie das Tragen einer Gesichtsmaske für rund 5000 Personen. Unter Protest gegen die Massnahmen reisten die asiatischen Aussteller am Eröffnungstag der Uhren- und Schmuckmesse wieder ab.

Die Stände von knapp 400 Firmen blieben leer. Die Baselworld erlitt einen Besuchereinbruch um 22 Prozent. Das Hongkong Trade Development Council beklagte einen Umsatzausfall von 1,8 Milliarden Franken. Die MCH Group, die von einer Überreaktion der Gesundheitsbehörde sprach, machte einen Schaden von 50 Millionen Franken geltend. Die Branche boomte jedoch, und die Baselworld erholte sich. Die Situation ist heute eine andere, auch wenn die Eigenschaften des neuen Corona-Virus gemäss aktuellen Forschungserkenntnissen zu drei Vierteln mit dem Sars-Virus übereinstimmen.

Die Art Basel wird in den nächsten Tagen eine Standortbestimmung vornehmen. Ob die Messe in Hongkong durchgeführt werden kann, ist die eine Frage; eine andere ist, ob die begüterte internationale Kunstklientel dann bereits wieder dorthin reisen wird.

Autor

Christian Mensch

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