Art Basel
Die Art ist die wichtigste ihrer Art

Nächste Woche herrscht in Basel Ausnahmezustand: Tausende von Künstlern und Besuchern kommen, um die Kunstwerke, Gespräche, Filme und Führungen der Art Basel mitzuerleben.

Susanna Petrin
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Unlimited ist an der Art nicht nur die Unlimited (Bild: «Plastic Tree», Ausgabe 2014). Während der kommenden Kunstwoche wuchern die Kunstanlässe wie farbige Bäume in den Himmel.

Unlimited ist an der Art nicht nur die Unlimited (Bild: «Plastic Tree», Ausgabe 2014). Während der kommenden Kunstwoche wuchern die Kunstanlässe wie farbige Bäume in den Himmel.

KEYSTONE

Einmal klonen lassen reicht nicht. Als Kunstinteressierte müsste man sich während der kommenden Art-Woche mindestens versechsfachen, um alles zu sehen und zu erleben, was es rund um die wichtigste Kunstmesse der Welt zu sehen und zu erleben gibt. Die Art ist und bleibt die Grösste ihrer Art.

286 der weltweit renommiertesten Galerien mit Werken von über 4000 Künstlerinnen und Künstlern sind heuer vertreten. Hinzu kommen Gespräche, Filme, Führungen. Gegen 100'000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt werden erwartet - 2015 wurden 98'000 gezählt, 6000 mehr als 2014.

Neben- und Nebennebenevents

Und diese Zahlen betreffen allein die Art Basel, die Hauptmesse. Jedes Jahr mehr Nebenmessen drängen sich im Fahrwasser des Mutterschiffs. Die Liste gilt unter ihnen als die Wichtigste: In der Brauerei Warteck zeigt sie vor allem Positionen neuer, junger Künstlerinnen und Künstler. Und sie öffnet sich dem Publikum so ziemlich als erste: am Montag um 17 Uhr. In der Hackordnung kommt als nächstes die Messe Scope, die nach wechselnden Standorten heuer im Clarahuus das zehnjährige Jubiläum feiert. Das bedeutet: Baslerinnen und Basler bekommen bei Vorweisen der ID einen vergünstigten Eintritt. Nicht weniger interessant dünkt uns aber die Volta-Messe, die erneut in der Markthalle stattfindet.

Schönstes Werk, bester Moment - Machen Sie mit!

Liebe Leserinnen und Leser, wir würden gern die Freuden und Schrecken während der aussergewöhnlichen Basler Art-Woche mit ihnen Teilen. Wenn Sie ein besonders schönes, verrücktes oder verstörendes Kunstwerk sehen – machen Sie doch ein Foto und schicken Sie es uns – wenn möglich, mit einigen begründenden Zeilen zu. Oder vielleicht fällt ihnen etwas anderes auf: Ein besonderer Moment, ein exotisches Essen, eine tolle Bar, eine lustige, kleine Kunstaktion am Rande. Vielleicht treffen Sie sogar Brad Pitt und Angelina Jolie? Oder weniger berühmte aber genauso spezielle Menschen? Da müssten sie allerdings vor dem Fotografieren um eine Abdruckerlaubnis fragen. Wir nehmen alle Einsendungen dankend entgegen und werden die besten in der bz publizieren.

Bitte mailen Sie uns ihre Fotos und Gedanken bis kommenden Sonntag um 12 Uhr an: susanna.petrin@bzbasel.ch

Zum zweiten Mal findet ferner die neue Satellitenmesse Rhy Art Fair Basel im Saalbau Rhypark statt. Und auch die letztes Jahr premierende Fotomesse «Photo Basel» hat sich bewährt und kommt wieder – neu nicht mehr im Ackermannshof, sondern im Volkshaus, näher zur Hauptmesse. Und zu den Satelliten zählt eigentlich auch die wunderbare Messe für schön gestaltete Bücher, «I Never Read», in der Kaserne.

Schon am Messeplatz selber konkurrenzieren zwei Schwestern der Art die Art: Gleich gegenüber der Halle 2, dem Messe-Herzstück, stellt die Luxusmesse Design Miami Basel neben edlen Möbeln und Objekten heuer auch italienische Autos aus. Neben der Halle 2 überborden die Installationen der «Art Unlimited». Sie ist ein Kunst-Erlebnispark. Wenn man nur für etwas Zeit hat, sollte man sie sich für die hier gezeigten 88 Werke im XXL-Format nehmen.

Unlimited - das ist der Hauptcharakterzug der ganzen Art-Woche. Neben den Nebenmessen gibt es Dutzende von Nebenausstellungen, gibt es Vernissagen, Brunches, Lunches, Parties, Preisverleihungen und Happenings aller Art. Kein Kunstraum, der nicht etwas auf die Beine stellt. Kein Kunstinteressierter, der nicht mitmischt. Und sämtliche Basler Kunstmuseen achten darauf, während der Art einen Höhepunkt präsentieren zu können.

Dekadenz gehört dazu

Natürlich ist dieser ganze Kunstbetrieb auch dekadent und pervers: Mit seinen Millionensummen – die Umsatzhöhe bleibt geheim. Mit den Fahrzeugen und Flugzeugen, die all die Kunst herkarren. Mit den Hotelpreisen, die sich im Extremfall verfünffachen. Nicht zuletzt mit seiner Hackordnung, in der Leute je nach Macht und Geldbeutel gestaffelt vor dem gemeinen Volk die Hauptmesse besuchen dürfen. An der Art gibt es nämlich nicht nur VIPs, es gibt drei VIP-Stufen, zuoberst stehen die «First Choice VIPs». Aber Dekadenz und Perversion sind wiederum Teil der Faszination, die diese Messe ausmacht.

Ebenso die Promis. Gemäss Weltwoche werden am Montag die Enkelin der Queen, Princess Eugenie aus New York, sowie Kofi Annan auf dem Messegelände erwartet – anlässlich einer Unaids-Gala. Zu den regelmässigen Art-Besuchern gehören auch der Fussballspieler Michael Ballack und Schauspieler Brad Pitt. Pitt sei mal an ihm vorbeigelaufen und er habe ihn nicht erkannt, gesteht ein Kollege. Er habe so anders ausgesehen als im Kino, diplomatisch gesagt: unvorteilhafter.

Manchmal sickert durch, welches Werk für wieviel Millionen gekauft worden ist. Wir staunen. Und wir glotzen die vielen extravaganten, eleganten Leute an. Es ist nicht neu, aber immer wieder speziell: Basel ist eine Woche lang eine andere Stadt, eine Weltstadt.

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