Art Basel
Die Art Unlimited ist nicht so limitiert wie befürchtet

Ist es ein Aufstieg oder Abstieg? Die Befürchtungen, dass sich Art Unlimited im ersten Stock nicht entfalten könnte, haben sich in Luft aufgelöst.

Naomi Gregoris und Marc Krebs
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Willkommen an der Unlimited 2018.
15 Bilder
Art Unlimited: Bunt und hübsch und allenfalls ein bisschen politisch wie Nedko Solakov.
Lara Favaretto (Italien, Jg. 1978) hat zehn Würfel dem Schicksal überlassen.
Egg – Carol Bove
Neon Forms – Cerith Wyn Evans
Bothers on Ogygia – Paul Chan
Non-Orientable Nkansa II – Ibrahim Mahama
Old Man Yu Gong Is Still Moving away Mountains – Yu Hong
TLDR – Candice Breitz
Ivory Granite Line – Richard Long
Blue Skies – Katherine Bernhardt
Antoine's Organ – Rashid Johnson
Fleurs – Arman
Tiger, Tiger, Tiger – Ai Weiwei
Tumba Abierta III – Jose Yaque

Willkommen an der Unlimited 2018.

GEORGIOS KEFALAS

Vernissage-Besucher hatten in Basel die Qual der Wahl: Regenschirm oder Risiko? Und vor allem: Liste, Volta14, Swiss Art Awards, Art Unlimited – eine oder alle?

Die Kunstmesse-Woche ist voll lanciert. Und, wir sind ehrlich: Am meisten gespannt waren wir am Montag auf die Art Unlimited. Aus einfachem Grund: Die Präsentation grossformatiger Kunst, die man sich nicht an die Wohnzimmer-Wand hängen kann, ist aufgestiegen. In den ersten Stock der Halle 1. Und das wiederum klang nach einem Abstieg. Nach einer Degradierung, ist dieser Aufstieg doch nicht freiwillig geschehen.

Art Basel 2018 (Blog)
35 Bilder
Business meets pleasure.
Red Girl – Ida Tursic and Wilfried Mille
Gute Frage ... How Much is Enough – Lawrence Weiner
Alte Bekannte: Eva und Adele aus Berlin
Neutrinity – Thomas Zipp
Martin Kippenbergers namenloses Werk.
Reuni – Bernard Frize
Von Lawrence Weiner
Daumen hoch für die Art.
Eine Performanceaktion sorgte heute für einen Polizeieinsatz. Die Messe Schweiz duldete die Spontan-Einlage nicht.
An der Art lässt frau es sich gut gehen.
Trend an der diesjährigen Art Basel: Körperteile. Gesehen am Parcours, im Pavillon des Haus zum Kirschgarten.
Alain Berset fotografiert «Tumba Abierta III» (2018) des kubanischen Künstlers Jose Yaque an der Unlimited
40'000 Pistolenkugeln hat Robert Longo für seine beeindruckende Arbeit «Death Star II» verwendet.
Räppli-Berge nach der Fasnacht? Nein: «Birdman or The Unexpected Virtue of Ognorance» (2018) der italienischen Künstlerin Lara Favaretto an der Unlimited.
An seinem Stand wollen die Reichen die ersten sein: Larry Gagosian
Der Bagger rollt an. Die spanische Künstlerin Lara Almarcegui läst täglich 250 Tonnen Kies vom Bagger drapieren.
«Tiger, Tiger, Tiger» (2015)des chinesischen Künstlers Ai Weiwei. Gesehen an der Unlimited.
Art Unlimited: Bunt und hübsch und allenfalls ein bisschen politisch wie Nedko Solakov.
Der Kaskadenkondensator geniesst als fester Mieter im Warteck Gastrecht an der Liste. Dieses Jahr wurde Panch, das Performance Art Network Schweiz, geladen. Rund 80 Künstlerinnen und Künstler steuern eine Fotografie einer Performance bei.
Das ist die Kunstsprache, die jeder in Basel versteht: Räppli. Lara Favaretto (Italien, Jg. 1978) hat zehn Würfel dem Schicksal überlassen an der Art Unlimited.
Die Unlimited ist bereit für das VIP Preview.
Grosser Andrang an der Preview zur diesjährigen Liste.
Der Künstler Theaster Gates im Kunstmuseum Basel...
...hier zusammen mit Museumsdirektor Josef Helfenstein.
Aufbau der Art Basel 2018
Aufbau der Art Basel 2018
Aufbau der Art Basel 2018
Aufbau der Art Basel 2018
Aufbau der Art Basel 2018
Aufbau der Art Basel 2018
Aufbau der Art Basel 2018
Aufbau der Art Basel 2018
Aufbau der Art Basel 2018

Art Basel 2018 (Blog)

Marc Krebs

Denn die Messe Schweiz steht unter Druck. Das mit Diamanten bestückte Flaggschiff, die Baselworld, musste 2018 stark redimensioniert werden, die Aussteller waren so unzufrieden mit dem Preis-Leistungsverhältnis, dass das Flaggschiff zu kentern drohte. Um den Untergang zu vermeiden, ist die Messe den grössten Ausstellern der Uhren- und Schmuckmesse entgegengekommen. Sie dürfen ihre grossen, kostspieligen Pavillons (die exklusivsten sollen angeblich eine Million Franken kosten) das ganze Jahr über in der Halle 1 stehen lassen. Damit will die Messe die wichtigsten Marken bei der Stange halten.

Liveblog

Hier erfahren Sie alles rund um die Kunstmesse. In unserem Liveblog liefern wir Ihnen Infos, Tipps und Eindrücke von der Art und ihren Nebenmessen.

Aus diesem Grund also ist die Art Unlimited in den ersten Stock der 2013 fertig gestellten Halle 1 gezügelt worden. Das sei verkraftbar, liess Messe-Chef René Kamm im Vorfeld in der «NZZ» verlauten. Nur zwei von 65 geplanten Projekten für die «Unlimited» seien so gross, dass man sie im oberen Stockwerk nicht realisieren könne.

«Still fabulous!»

Tatsächlich haben sich die Befürchtungen, dass diese grosse Schau sich im ersten Stock nicht entfalten könnte, in Luft aufgelöst. «Still fabulous!» lautet der Konsens der Besucher. Viele erfreuen sich auch an der Tatsache, dass die Design Miami durch einen direkten Zugang mit der Unlimited verbunden ist. Das wird der Designmesse im Süden der Halle 1 sicherlich den einen oder anderen Besucher bescheren.

Nicht nur vor, auch in der Unlimited wird man positiv überrascht. Zwar wirkt es ein bisschen enger als sonst, aber das auch, weil bereits beim VIP Opening Hunderte von Besuchern durch die Halle streifen.

Was zunächst auffällt: Es ist kaum eine Installation in Bewegung, auch ist weniger performative Kunst vertreten. Dafür sichtet man viele dekorative Arbeiten, auffällig viele aus Stoff.

Manches wirkt auf den ersten Blick nur formschön, bei näherer Betrachtung erschliesst sich einem aber eine politische Komponente. Zum Beispiel «Death Star II» (2017/18) von Robert Longo: Er hat 40'000 Patronen zu einer Kugelskulptur formiert, sodass man auf Distanz gar nicht erkennt, um welches explosive Material es sich handelt. Mit diesem Werk reagiert der New Yorker Künstler auf die erschreckende Zunahme an Amokläufen in seiner Heimat. 20 Prozent des Verkaufserlöses wird er einer Organisation spenden, die sich für ein schärferes Waffengesetz starkmacht.

Düster ist die Stimmung auch bei Jenny Holzer. Die Künstlerin, die allgemein für ihre neonbunten Lichtinstallationen bekannt ist, zeigt mit «Such Words» (2017) Marmorbänke, in die sie Gedichte von Anna Swirszczynska eingravieren liess, einer Polin, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat.

Schwarze Sichtbarkeit

Die Unlimited gibt auch tiefe Einblicke in die Kunst eines Kontinents, der hier normalerweise untervertreten ist: Selten hat man eine so grosse Dichte an afrikanischen Künstlerinnen und Künstlern an der Messe erlebt. Allen voran Candice Breitz: Die Südafrikanerin hat eine Art Musical mit Sexarbeiterinnen aus Kapstadt gedreht. Die Arbeit ist auf zwei Räume aufgeteilt, im ersten sprechen die Frauen direkt in die Kamera über ihre Erlebnisse, im zweiten ist das bewegende Stück zu sehen.

Schwarze Sichtbarkeit lautet die Devise und sie durchzieht die ganze Unlimited. Aus einer mächtigen Skulptur des Afroamerikaners Rashid Johnson ist Live-Jazz zu hören und bei Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse taucht man in die Geschichte eines 54-stöckigen Wolkenkratzers ein, der – ursprünglich für reiche Weisse gebaut – heute als Symbol städtischen Zerfalls aus der Skyline Johannesburgs ragt. Die beiden Künstler haben sechs Jahre lang die Geschichte des Gebäudes zusammengetragen, mit jedem Bewohner Gespräche geführt und Fotos und Dokumente zusammengetragen, die sie als Archivarbeit an der Messe zeigen.

Die Unlimited ist trotz Umsiedlung weniger limitiert als befürchtet, im Gegenteil, sie räumt in diesem Jahr auch sichtbar mehr Platz für schwarze Stimmen ein. Eine erfreuliche Entwicklung.

Unlimited Halle 1, Messe Basel. 14. bis 17 Juni.

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