Verkehr

Die Autobahn für Velos kommt – das Baselbiet überholt damit Basel-Stadt

Die Binninger Amerikanerstrasse ist eine stark befahrene Veloroute durchs Quartier – hier kam es bereits zu Klagen über E-Bikes.

Was Basel-Stadt bislang nicht geschafft hat, realisiert nun Baselland: Baudirektor Isaac Reber plant Expressrouten. Die erste soll möglichst schnell gebaut werden und die Agglo entlasten. Die BLT zeigt sich von der Idee begeistert.

Es ist der Traum der urbanen Velo-Lobby – und er kann demnächst in Erfüllung gehen. Eine breite Spur oder sogar eine eigene Strasse, exklusiv für Velos gebaut, mit wenig Kurven und ausgelegt für sportliche Geschwindigkeiten, wie sie heute von jedem E-Bike erreicht werden können. Das sind die sogenannten Expressrouten, die den klimafreundlichen Zweiradverkehr fördern sollen.

Solche Expressrouten werden in der Agglomeration Basel bald Realität. Zumindest eine, die testweise geplant und als Pilotprojekt ausgelegt ist. Eine solche ist bereits im Baselbieter Investitionsprogramm enthalten. In anderen Worten: Das Baselbiet plant fest damit, diese Route einzurichten. Diese soll laut dem neuen Baselbieter Baudirektor Isaac Reber (Grüne) «aller Voraussicht nach am Übergang von der Agglomeration ins Zentrum liegen». Hier bestünden die grössten Verkehrsprobleme, damit sei auch der grösste Handlungsbedarf gegeben, sagt Reber auf Anfrage. Das sah am Donnerstag auch der Landrat so: Er hat einstimmig zwei Vorstösse von Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr überwiesen, die einen Masterplan für ein Velo-Schnellroutennetz verlangen. Selbst die bürgerlichen Landräte stellten sich hinter das Begehren.

Reber will sich nicht auf einzelne Strecken festlegen

Der genaue Routenverlauf ist derweil noch offen. Als Beispiele angeführt werden zurzeit die Achsen Arlesheim oder Reinach bis St. Jakob oder Augst bis Birsfelden. Entsprechend wird über einen möglichen Masterplan spekuliert, der eine Erschliessung des Leimentals von Therwil bis Basel, des Birstals von Aesch bis Basel sowie entlang der Achse nach Liestal vorsehen könnte. Dies ginge just in die Richtung jener Velo-Offensive, wie sie der Baselbieter Grünen-Präsident Bálint Csontos bereits vor einem Jahr in einem Interview mit dieser Zeitung gefordert hatte.

«Es gibt noch nichts räumlich konkret Festgelegtes», sagt Reber allerdings auf Anfrage der bz. «Angekündet ist lediglich, dass möglichst zeitnah eine Pilotstrecke für eine solche Veloschnellroute realisiert werden soll.» Wolle der Kanton die heutigen Verkehrsprobleme lösen, dürfe nicht nur auf ein Verkehrsmittel gesetzt werden: «Es braucht alle. Und sie müssen richtig eingesetzt werden.»

Reber geht zudem davon aus, dass das E-Bike das Velo als Verkehrsmittel nicht mehr nur für Innerortsstrecken, sondern auch auf mittleren und namentlich im Agglomerationsverkehr massentauglich machen wird. Im Unterbaselbiet stossen Rebers Pläne auf Unterstützung. «Solche Express-Velorouten würden aus unserer Sicht absolut Sinn ergeben», sagt Andreas Büttiker, Direktor der Baselland Transport AG (BLT), dem grössten öV-Anbieter im Baselbiet.

Hohes Verkehrsaufkommen auf den Velowegen der Agglo

Das sei keineswegs eine Konkurrenz für den öffentlichen Verkehr, vielmehr eine Ergänzung, sagt Büttiker, dessen BLT massgeblich am E-Bike-Verleih «Pick-e-Bike» beteiligt ist. Die Mobilität der Zukunft sei vernetzt und werde aus einem Mix verschiedener qualifizierter Fortbewegungsmittel bestehen. Dies erfordere zwangsläufig auch die notwendige Infrastruktur.

Der Veloverkehr vom Leimental nach Basel und retour ist besonders wochentags dicht. So zählt allein der Velozähler des Kantons entlang der Veloroute in der Binninger Amerikanerstrasse täglich rund 2000 Velos. Zum Vergleich: Die BLT transportiert am Knoten Dorenbach täglich rund 17 000 Passagiere, rund 11 000 entfallen auf die Stosszeiten morgens und abends.

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