Zugfahren hat so seine Vorteile. Kommt die Mini-Bar vorbei, locken Kaffee, Schinken-Sandwiches oder Zweifel Chips. Führt der Zug gar einen Speisewagen, darf es auch mal etwas Warmes auf einem richtigen Teller sein – irgendwo zwischen Liestal-Zürich, Laufen-Biel oder Basel-Bern.

Nun kann es aber passieren, dass einem schon der Blick auf die Speisekarte den Appetit verdirbt. Dann, wenn das Restaurant auf Schienen von der Deutschen Bahn (DB) betrieben wird, was auf dem Schweizer Netz ja doch ziemlich oft vorkommt. Denn auf der Speisekarte der ICE-Bord-Restaurants berechnet die DB einen gesalzenen Wechselkurs, der den Wert der Europäischen Gemeinschaftswährung – gelinde gesagt – ziemlich optimistisch wiedergibt: 1 Franken und 35 Rappen kostet der Euro an Bord – das berichtete gestern die Sendung «Espresso» von Radio SRF. Das heisst: Wer in Franken bezahlt, den kosten Königsberger Kloppse oder Nürnberger Rostbratwürstchen rund ein Drittel mehr als mit Euro.

Bahn geht zehn Rappen runter

Ein ziemlich hoher Kurs, besteht doch seit der Aufhebung des Mindestkurses schon seit Wochen praktisch Parität. Nun hat die DB reagiert. Auf Anfrage teilt sie mit, dass der Kurs seit Mittwoch bei 1 Euro zu 1.25 Franken liege. Auf der Karte prangen aber noch immer die alten, höheren Frankenbeträge. «Die Speisekarten und die Systeme müssen noch angepasst werden», sagt eine Sprecherin der DB-Zentrale in Berlin. «Das geht leider nicht so schnell.» Ab März sollten dann die neuen Speisekarten aufliegen. Oder auf Devisendeutsch übersetzt: Bald herrscht auch bei der Bahn Parität zwischen den Angaben auf der Karte und den tatsächlichen Preisen der Realwirtschaft.

Bleibt die Frage, weshalb auch der neue Kurs noch immer bei stolzen 1 zu 1.25 liegt. Laut der Sprecherin sei das so, weil sich der Franken zur Zeit äusserst volatil zeige und dies «dem Unternehmen Mehraufwand bereitet». Die nächste Anpassung folge im Mai.

Konsumenten sollten nicht so lange warten – und stattdessen mit Euro bezahlen. Das gilt auch für die Speisewagen anderer ausländischer Gesellschaften, obwohl bei diesen der Kurs etwas besser ausfällt. Etwa im TGV, der zwischen Basel und Zürich verkehrt. Hier verwendet die französische SNCF aktuell den Kurs 1:1.20, ab März 1:1.10. Die Österreichischen Bundesbahnen liegen näher bei ihren Deutschen Kollegen: 1:1.33. Doch auch die ÖBB versprechen, den Kurs anzupassen.

Die SBB war schneller. Schon kurz, nachdem die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar die Euro-Franken-Untergrenze aufhob, sei der Kurs auf 1:1 korrigiert worden, sagt eine Mediensprecherin zur bz. Weil sich der Euro etwas erholt habe, würde man den Kurs ab März zumindest bei internationalen Zügen im Ausland bei 1 zu 1.10 festlegen, für Heissgetränke bei 1:1.20.

Nicht möglich ist es, die hohen Frankenpreise mit der Kreditkarte zu umgehen. Laut DB verrechnen die Kreditkartenfirmen Transaktionen immer in der jeweiligen Währung des Landes, in welcher diese stattgefunden haben.

Es bleibt also beim Tipp, das gute alte Bargeld zu verwenden. Denn das akzeptieren alle erwähnten Bahngesellschaften. In Franken – und in Euro.