Fall Hildebrand
Die Bank Sarasin geniesst weiterhin Vertrauen

Der Fall Sarasin wirkt auf den Schweizer Finanzplatz, aber nicht spezifisch auf den Standort Basel. Das zumindest sagt Franz Saladin, der Direktor der Handelskammer beider Basel.

Daniel Haller
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Hauptsitz der Sarasin-Bank in Basel: Bleibt vom Namen bald nur noch das Logo übrig?

Hauptsitz der Sarasin-Bank in Basel: Bleibt vom Namen bald nur noch das Logo übrig?

Keystone

Die Basler Bank Sarasin gilt als «endgültige Totengräberin des Schweizer Diskretionsschutzes». Zumindest sieht dies die «HandelsZeitung» vom Donnerstag so und zieht den Schluss: «Durch die jüngsten Vorkommnisse hat der hiesige Finanzplatz definitiv seine Vertrauenswürdigkeit verloren.» Am gleichen Tag bezeichnet die «International Herald Tribune» aus New York Sarasin als «an institution in Basel».

Deshalb stellt sich die Frage, ob der Diebstahl von Kundendaten mittels simpler Screenshots durch einen IT-Supporter nicht nur für Sarasin, sondern für den ganzen Finanzplatz Basel ein Problem darstellt. Immerhin betont die Basler Bankenvereinigung: «Der Finanzsektor ist neben der Life Sciences Industrie einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region Nordwestschweiz.» Alleine für die Stadt Basel verzeichnet sie über 30 Banken.

Bankenplatz Basel nicht betroffen

«Bei einem solchen Ereignis erleidet der Schweizer Finanzplatz als Ganzes einen weiteren Vertrauensverlust, das schleckt keine Geiss weg», kommentiert Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel. Dies gelte auch für die Bank Sarasin als Hauptbetroffene, die bisher «ein gewisses Ansehen» genossen habe. Für den Bankenplatz Basel im Besonderen befürchtet Saladin jedoch keine negativen Auswirkungen.

Saladin verweist darauf, dass gegen «kriminelle Energie» auch die sorgfältigste Personalauswahl letztlich machtlos sei. Zudem habe der in den letzten Jahren verstärkte Druck aus dem Ausland auf das Schweizer Bankgeheimnis offenbar einzelne Bank-Mitarbeiter verunsichert. «Ihre Zweifel an der eigenen Arbeit und an ihren Arbeitgebern können bei einzelnen Mitarbeitern zu Whistleblower-Aktionen führen.» Saladin bedauert, dass dagegen auch eine Bank wie Sarasin nicht gefeit sei, die sich in der Vergangenheit rein halten wollte. In der Tat wirbt Sarasin mit Weissgeldstrategie sowie der «Verantwortung für Klima und Umwelt» und betont, «mit einem konsequenten Umweltmanagement wo immer möglich ihren Ressourcenverbrauch und die CO2-Emissionen» zu senken. Seit 2008 sei die Sarasin Gruppe CO2-neutral.

Neuer Besitzer als Auslöser?

Im vergangenen Jahr wurde Sarasin von der zur Weltbankgruppe gehörenden Internationalen Finanz-Corporation zur «Cross-Regional Sustainable Bank of the Year 2011» gekürt. Zweifel am Arbeitgeber, falls diese bei der Affäre Hildebrand eine Rolle gespielt haben sollten, könnten seit letztem Herbst trotzdem aufkommen: Da wurde Sarasin an die brasilianische Safra-Gruppe verkauft. Diese steht in der Kritik, der von ihr kontrollierte Cellulose-Konzern Aracruz habe sich unter der Militärdiktatur der 70er-Jahre Indianerland angeeignet und auch andere arme Bevölkerungsgruppen, wie die Nachkommen afrikanischer Sklaven, für seine Eukalyptus-Plantagen vertrieben.

Der brasilianische Staat dekretierte zwar bereits vor Jahren die Rückgabe des Landes, doch Aracruz weigere sich. Somit stünde der neue Besitzer in einem grundsätzlichen Widerspruch zur bisher von Sarasin proklamierten Nachhaltigkeits-Strategie. «Es ist nicht erstaunlich, wenn sich so ein Frustrationspotenzial bei einzelnen Mitarbeitern aufbaut, die am Ende mit dem System abrechnen», folgert die «HandelsZeitung» im Zusammenhang mit dem Verkauf an Safra. «Die Stimmung der Sarasin-Belegschaft befindet sich endgültig auf einem Tiefpunkt.»

Dem widerspricht Sarasin-Sprecherin Franziska Gumpfer: «Die Stimmung in der Belegschaft ist nicht schlecht. Safra unterstützt die Nachhaltigkeits-Strategie, welche dem Personal sehr wichtig ist.» Der Datendiebstahl sei durch eine Einzelperson erfolgt, deren Motivation, die Daten an die SVP weiterzuleiten, nun untersucht werde. «Dass eine Einzelaktion mit der Kultur der Bank und der Stimmung der Belegschaft zu tun haben soll, ist reine Spekulation.»

Dies sei offenbar auch der Eindruck der Kunden: Der «ausserordentlich bedauernswerte Einzelfall» habe bisher «keine negativen Kundenreaktionen ausgelöst», so die Sarasin-Sprecherin.