Am Montag geben die Regierungen beider Basel bekannt, mit welchem Geldbetrag sie die Universität in den kommenden vier Jahren ausstatten wollen. Knapp vor den Sommerferien können die beiden Kantone damit ihr Versprechen einlösen, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Dies nach der einseitigen Ankündigung des Baselbiets, bei der Uni jährlich 25 Millionen Franken sparen zu wollen.

Der Konflikt ist damit aber längst nicht beigelegt, sondern bloss verlagert: So stösst nun die im Hintergrund laufende Neubesetzung der fünfköpfigen Baselbieter Delegation im elfköpfigen Universitätsrat auf Kritik. Denn die zuständige Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) fordert von den Bewerbern erstmals die Unterschrift unter einen Mandatsvertrag.

Dies bestätigt Petra Schmidt, stellvertretende Generalsekretärin von Gschwinds Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD). Die Vereinbarung verpflichtet die künftigen, vom Baselbiet gewählten Uniratsmitglieder, im strategisch obersten Gremium der Alma Mater die Interessen des Baselbiets zu vertreten.

Verpolitisierung des Unirates

Mandatsverträge sind gemäss den am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen Richtlinien zur Public-Corporate-Governance (PCG) des Kantons durchaus vorgesehen. Sie gelangen etwa auch für den Bankrat der Kantonalbank oder für den Verwaltungsrat des Kantonsspitals Baselland zur Anwendung.

Kritiker aus der Stadt befürchten allerdings, Gschwind dränge die Uniräte zu einer weitergehenden, kompromisslosen Sparstrategie im obersten Entscheidgremium der Uni. Sie stellen auch infrage, ob ein solcher Vertrag überhaupt konform sei mit den Kompetenzen, wie sie im gemeinsam unterzeichneten Staatsvertrag zur Universität festgehalten sind. Letztlich drohe eine Verpolitisierung des Unirats.

In der Vergangenheit stand die freisinnige Regierungsrätin aus Hölstein, die dem Unirat von Amtes wegen als quasi fünftes Baselbieter Mitglied angehört, bei mehreren Abstimmungen alleine auf weiter Flur. Ein offenes Geheimnis ist, dass Gschwind mit der bisherigen Baselbieter Delegation unzufrieden ist. Das kann sie nun ändern: Drei der vom Baselbiet bestellten Uniratsmitglieder dürfen wegen der Altersguillotine von 66 Jahren in den PCG-Richtlinien ohnehin nicht mehr zur Wahl antreten.

Es handelt sich um den Reinacher Unternehmer Klaus Endress, den Life-Sciences-Berater Dieter Scholer sowie um Paul Herrling, ehemaliger Leiter der weltweiten Forschung bei Novartis. Die vierte Bisherige, die in Binningen wohnhafte SBB-Kommunikationschefin Kathrin Amacker hat in der bz kürzlich bestätigt, dass sie sich auf die Ausschreibung bei der Baselbieter BKSD beworben habe.

Vor allem die Basler Life-Sciences-Industrie befürchtet, im Unirat an Einfluss zu verlieren. Novartis wisse nichts von einer Bewerbung aus dem Kreis der Mitarbeitenden, sagt Sprecherin Sileia Urech. Es wird deshalb wohl auch keine Bewerbung geben. Gemäss Novartis-internen Richtlinien sind die Mitarbeitenden nämlich verpflichtet, ihren Arbeitgeber über Mandate wie den Unirat zu informieren. Ein Kenner der Branche kommentiert: «Für hochrangige Firmenvertreter wird der Einsitz in einem Unirat unattraktiv, wenn sie dafür einen Mandatsvertrag unterschreiben müssen.» Ein solcher behindere, dass die Expertise, weswegen solche Personen gewählt werden, auch wirklich zum Tragen komme.

Zudem: Persönlichkeiten mit internationalem Renommee wie Herrling verfassen keine Bewerbungsschreiben. Sie werden in aller Regel hofiert, damit sie in einem solchen Gremium mitmachen.

Roche drin, Novartis nicht

Dass der Pharmariese Novartis künftig nicht mehr im Unirat vertreten sein könnte, sehen einige als strategisches Problem. Zum einen ist eine gute Verzahnung von Uni und Industrie für den Forschungsstandort zentral. Zum anderen wird eine Nicht-Nomination für Novartis zum Affront, da mit Gottlieb Keller der Roche-Konzern mit der ebenfalls fünfköpfigen Delegation des Kantons Basel-Stadt wohl weiterhin im Unirat vertreten sein wird.

Novartis verneint ein gestörtes Verhältnis zwischen dem Unternehmen und der Baselbieter Regierungsrätin Gschwind. Die Basler Wirtschaft macht sich dennoch Sorgen. Die «Schweiz am Wochenende» weiss: Der Vorstand der Handelskammer beider Basel diskutiert am kommenden Mittwoch darüber, wie eine angemessene Vertretung insbesondere der Life-Sciences-Branche im Unirat gewährleistet werden kann.

In Wirtschaftskreisen «geniesst« der Unirat heute allerdings den Ruf eines «Abnickergremiums». Kuno Sommer, Verwaltungsratspräsident des Baselbieter Vorzeigeunternehmens Bachem, stellte kürzlich auf einem Podium zur Uni-Finanzierung klar: Der Unirat müsse aktiver die Hochschule strategisch positionieren. Nur so lasse sich die Industrie auch bei der Finanzierung stärker einbinden.

Regierungsrätin Monica Gschwind möchte die Baselbieter Vertreter enger an die Kandare nehmen. Die Forderung des Unternehmers Sommer nach einem «aggressiveren» Unirat steht dazu in grösstmöglichen Widerspruch.