«Die Baselworld richtet sich neu aus.» Unter diesem harmlosen Titel wollte das Basler Messeunternehmen in einem Newsletter diskret die Botschaft verbreiten. Doch die Bombe platzte am Abend zuvor: Gemäss Recherchen des «Regionaljournal» melden sich bisherige Aussteller gleich scharenweise von der nächsten Uhren- und Schmuckmesse ab. Sank ihre Zahl bereits auf die Ausgabe 2017 um 200 auf 1300 ausstellende Firmen, werden es an der Baselworld 2018 vom kommenden März nur gerade noch 600 bis 700 sein.

Baselworld: Die Zahl der Aussteller

Die Baselworld war bei der MCH Group, so der offizielle Name des Messeunternehmens, nicht nur ein Diamant, weil die Messe dem glitzernden Luxus in Uhren- und Schmuckform frönt. Sie war auch das Schmuckstück in der Geschäftsbilanz: Nach einer Untersuchung, die von der MCH Group selbst in Auftrag gegeben worden ist, wurde gut ein Drittel der gesamten Wertschöpfung der Firma an den bisher acht Messetagen gewonnen. Dabei stehen einige Hallen das ganze Jahr über leer und werden ausschliesslich für die Baselworld genutzt.

Grossexpansion in die USA

Dass die Uhren- und Schmuckmesse ihren Glanz verliert, weiss die Firmenleitung schon lange – und sie hat Gegensteuer gegeben. Den grössten Schritt wagte sie in diesem Mai, als sie den US-Eventveranstalter MC2 zu einem unbekannten Preis übernahm. Sobald dieser Zukauf in der konsolidierten Rechnung auftaucht, wird er mehr als ein Drittel zum Umsatz beisteuern. Nachdem die Messe bereits in den letzten Jahren durch den Zukauf von Standbauern und Eventveranstaltern ihre Wertschöpfungskette verlängert hat, wird der Umsatzanteil weiter sinken, der durch das eigentliche Messegeschäft erwirtschaftet wird.

Die «Flucht aus der Messefalle», wie die «bz Basel» die MC2-Akquisition bezeichnet hat, kann der MCH Group vielleicht eine Rentabilität auf tieferem Niveau sichern. Doch die Messe baute bisher auf einem doppelten Geschäftsmodell: Zur Unternehmensstrategie, sich breiter aufzustellen, gesellte sich auch eine spezielle Eignerstrategie. So ist die MCH Group einerseits ein börsenkotiertes Unternehmen, das auf Gewinnstreben und Kurspflege verpflichtet ist. Andererseits gehören die Aktien zu 49 Prozent der öffentlichen Hand und damit hat die MCH Group einen Service-public-Auftrag.

Eindrücke von der Baselworld

Die Legitimation bröckelt

Basel-Stadt ist mit 33,5 Prozent grösster Einzelaktionär. Gern wird der Kanton deshalb auch zur Kasse gebeten, wenn es darum geht, die Infrastruktur zu erneuern. Die Argumente, mit aktualisierten Zahlen unterfüttert, blieben über Jahrzehnte unverändert: Alle Messen würden staatlich unterstützt. Schliesslich profitierten die Region und ihre Hotellerie in hohem Mass von Messebesuchern. Mit einem Zuschuss von 90 Millionen Franken à fonds perdu, vergünstigten Darlehen sowie zusätzlichem Aktienkapital subventionierten die beiden Basel zuletzt den Neubau des Messezentrums. Ohne diesen Zuschuss – so die drohende Botschaft der MCH Group – werde die Baselworld in «ernsthafte Bedrängnis» kommen.

Nach fünf Jahren scheint die Uhrenmesse die Herzog-de-Meuron-designte Messehülle nicht mehr ansatzweise füllen zu können. Es lahmt jedoch nicht nur die Baselworld, auch die Muba bleibt trotz anhaltenden Reanimierungsbemühungen lethargisch. Dies stellt die Legitimität der staatlichen Beteiligung zunehmend infrage. Die parlamentarische Frage von Grossrat Christophe Haller (FDP), ob sich nicht ein Verkauf der Aktien aufdränge, stellte die Basler Regierung vor Monatsfrist noch in Abrede. Damals war allerdings auch noch nicht diskret kommuniziert, wie schlecht es um die Baselworld tatsächlich steht.