Berufsbildung
Die Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse ist eröffnet

Die vom Gewerbeverband organisierte Berufs- und Weiterbildungsmesse ist eröffnet. Projektleiter Reto Baumgartner weiss um ihre Bedeutung für das Gewerbe. Gewisse Berufsgattungen haben nämlich Nachwuchprobleme.

Tobias Gfeller
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Reto Baumgartner

Reto Baumgartner

Tobias Gfeller

Herr Baumgartner, Sie leiten beim Gewerbeverband die Abteilung Berufsbildung. Wie sehen Sie die Situation beim Gewerbe, wenn es darum geht, Nachwuchs zu finden?

Reto Baumgartner: In der Tat haben wir zurzeit in gewissen Berufsgattungen Probleme, alle Lehrstellen zu besetzen. Vor allem bei den schulisch anspruchsvollen Lehrstellen wie Elektroniker und Automatiker fehlt es an Nachwuchs. Es ist dort schwieriger, genügend qualifizierte Lernende zu finden. Jugendliche mit einem guten schulischen Rucksack entscheiden sich eher für das Gymnasium als für eine Lehre. Hingegen fehlt es bei Lehrstellen für tiefere Qualifikationen, den Attestlehren, an freien Plätzen.

Malama gründete die Messe

Bildungsdirektor Christoph Eymann hebt die Bedeutung der Berufs- und Weiterbildungsmesse für Basel hervor. «Am Anfang war sie ein Experiment, heute ist sie nicht mehr wegzudenken.» Er unterstreicht die Stellung der Messe als Schnittstelle zwischen Schule und Beruf. «Auch dank dem Gewerbeverband ist die gegenseitige Akzeptanz zwischen Schule und Gewerbe heute so gross.» Der kürzlich verstorbene Gewerbedirektor Peter Malama hat 2006 die Messe ins Leben gerufen und hätte sich gestern über den Ansturm der Jugendlichen nach Türöffnung wohl sehr gefreut. Es wäre für Malama, der gestern 52 Jahre alt geworden wäre, ein schönes Geburtstagsgeschenk gewesen. (tgf)

Ist das ein spezielles Basler Problem?

Vergleicht man Basel mit ähnlichen Städten in der Schweiz, so ist auch dort die Situation teilweise schwierig. Doch gerade hier in Basel sind die Möglichkeiten für eine schulische Ausbildung gross. Die Institutionen sind beinahe alle innerhalb von fast zehn Minuten erreichbar. So rückt die Lehre leider oftmals in den Hintergrund. In ländlichen Gebieten wie etwa dem Emmental sind die Wege zu den weiterführenden Schulen um ein Vielfaches länger. Da entscheidet sich ein Jugendlicher schneller einmal für eine Berufslehre.

Wie kann die Berufs- und Weiterbildungsmesse im Zeitalter des Internets da Abhilfe schaffen?

An der Messe findet sich für die Jugendlichen auf engem Raum eine grosse Anzahl an möglichen Ausbildungswegen. Das Internet kann diese Informationen bis zu einem gewissen Grad ebenfalls bieten, kann aber das direkte Gespräch mit den Menschen nicht ersetzen. Hier treffen zukünftige Lernende auf Jugendliche, die sich bereits in einer Lehre befinden. Dies stiftet Vertrauen und senkt die Barrieren, um ins Gespräch zu kommen. Es liegt nun an den Ausstellern, die Berufe möglichst gut zu verkaufen.

Was muss sich allgemein ändern, um die Lehre attraktiver zu machen?

In den Lehrplänen von Harmos ist bereits festgeschrieben, dass sich im achten Schuljahr im Niveau P jeweils eine Lektion pro Woche mit dem Thema Berufswahl auseinandersetzen muss. So wollen wir als Gewerbe einen Fuss in die Türe bekommen. Dann müssen wir die vorhandene Attraktivität der Lehrberufe an die Frau und den Mann bringen - die Wirtschaft muss da ihre Hausaufgaben machen. So wollen wir das duale Bildungssystem mit Schulbildung und Lehre positionieren und stärken.

An der Messe werden Genderberufe behandelt. Warum ist es so wichtig, dass Mädchen typische Männerberufe wählen und umgekehrt?

Ich denke, dies ist zukünftig ein Muss, um so noch mehr Nachwuchs zu generieren. Es gilt für die Aussteller, neue Zielgruppen anzusprechen. Die Jugendlichen sollen den Beruf wählen, der ihnen Spass bereitet und nicht etwas nicht machen, weil es für ihr Geschlecht untypisch ist. Hier kommen sie mit Lernenden in Kontakt, die Berufe ausführen, die eigentlich für ihr Geschlecht nicht typisch sind. Die interessierten Jugendlichen werden so ermutigt, diesen Weg zu gehen. Ich bin überzeugt, dass sich diese langfristige Investition lohnen wird.