Übernahme

Die Basler «Brauerei» hat einen neuen Pächter – er ist kein Unbekannter

Alexandre Kaden von der «Safran Zunft» übernimmt das Restaurant. In der Region wächst ein neuer grosser Gastro-Player heran.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat er im Restaurant Brauerei an der Grenzacherstrasse gewirkt. Nun ist Schluss: Christian Nussbaumer hat die Pacht des Betriebs mit ansprechender gutbürgerlicher Küche, Catering und der Enothek, die von der Siebe Dupf Kellerei Liestal betrieben wird, abgegeben. Dies nicht an einen Newcomer, sondern an einen, der sich anschickt, ein Grosser in der Basler Gastroszene zu werden: Alexandre Kaden.

Laut Basler Handelsregister wurde die entsprechende Firma Weinloft GmbH neu an Kaden übertragen. Er amtet als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer. Der Deal gilt seit 1. Januar 2020, wie Kaden bestätigt. Er sei «schon länger» mit Nussbaumer im Gespräch gewesen, weil dieser ihm signalisiert habe, dass er bald aufhören wolle. «Bei einem Mittagessen haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.»

Mit diesem Wechsel kommt die «Brauerei» in gute Gesellschaft – in den Schoss eines erfahrenen Gastronomen, der in den vergangenen Jahren ziemlich aufs Tempo gedrückt hat: Kaden ist mit seiner Firma Rifonsa seit August 2016 Pächter der urchig-altehrwürdigen Safran Zunft in der Basler Innenstadt. Innert kurzer Zeit schaffte es der 49-Jährige, dem etwas angestaubten Lokal einen frischeren Anstrich zu verpassen – sowohl, was das Interieur als auch die Küche angeht. Und damit auch im Sommer die Kassen klingeln – bei der «Saffre» gibt es keine Möglichkeit, heraus zu stuhlen – übernahm Kaden im Frühling 2017 gleich noch das Restaurant MS Veronica beim Rheinbadhaus Breite von Hugo Buser und taufte es in «Rhin bleu» um. Damit nicht genug: Im November 2019 wurde bekannt, dass Kaden zukünftig das Bistro im Kunstmuseum führen wird. Und nun also das Restaurant Brauerei.

Nicht «wahnsinnig» wachsen

Kaden sagt, er werde prüfen, ob er die «Brauerei» in seine Rifonsa integrieren werde. Falls ja, könnte er den Firmennamen nun durchaus mit dem Zusatz «Gruppe» versehen. Will er den grossen Playern in Basel – etwa der Rhyschänzli oder der Wyniger-Gruppe – Konkurrenz machen? «Ich hege keine Ambitionen, wahnsinnig zu wachsen. Die Brauerei samt Enothek stellt eine wunderbare Chance dar. Das Restaurant passt zu unserem Konzept.» Wichtig sei, Herz und Seele der von ihm geführten Betriebe beizubehalten.

So ist es auch nicht die Idee, bei der «Brauerei» und der Enothek nebenan alles auf den Kopf zu stellen, sondern höchstens feine Anpassungen vorzunehmen, wie er gegenüber der bz weiter ausführt. «Mir ist bewusst, dass es sich beim Restaurant um einen gut laufenden Betrieb mit treuen Gästen handelt. Ein wahres Bijou.» Sowohl das ganze Küchen- als auch Servicepersonal hat Kaden von Nussbaumer übernommen. Die Speisekarte soll keine grundlegenden Änderungen erfahren. «Aber wir feilen derzeit mit dem Küchenteam an neuen Gerichten und Verbesserungsmöglichkeiten, sind eifrig am Probekochen. Schon bald wird das dann konkret», sagt er weiter.

Christian Nussbaumer würde das Team in den kommenden Monaten noch begleiten und beratend zur Seite stehen. Das Einzige, was von Grund auf neu wird: die Webseite der «Brauerei». Als neue Gastgeberin im Restaurant «Brauerei» sowie Leiterin des dazu gehörenden Caterings setzt Kaden Rosa Bosshert ein, die bis dato im «Rhin bleu» wirkte. Ihre Nachfolge im Rheinbadhaus sei noch offen, sagt der Gastronom.

Steht die Schwester in den Startlöchern?

Hinsichtlich Leitung des Caterings der «Brauerei» wäre indes eine familieninterne Lösung nahe gelegen. Nämlich, dass Kaden hier seine Schwester Nathalie einsetzt. Sie bringt viel Erfahrung in diesem Bereich mit; sie ist wie ihr Bruder keine Unbekannte in der Basler Gastroszene: Jahrelang führte sie mit Erfolg unter der Marke «So’up» diverse Suppenbars in der Stadt, bevor sie im 2018 überraschend Konkurs anmelden musste. Die Gründe, die dazu geführt haben, sind bis heute unklar.

Aktuell beliefert Nathalie Kaden – immer noch unter dem Namen «So’up» – verschiedene Cafés in Basel mit ihren Suppen und ist auch im Eventbereich aktiv. Wäre sie nicht die ideale Besetzung fürs Catering bei der «Brauerei» gewesen? «Das ist eine interessante Frage und wäre durchaus eine Überlegung wert gewesen.» Bis dato hätten Bruder und Schwester noch nie gemeinsame Sache gemacht. «Aber wer weiss, vielleicht klappt es ja bald mal.» Und falls es das tatsächlich wird, kann Alexandre Kaden nicht mehr negieren, dass unter seiner Fittiche etwas ziemlich Grosses heranwächst in der städtischen Gastroszene.

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