Basel
Die Basler CVP verteilt im Wahlkampf gratis-Hamburger

Auf der Grossbasler Seite der Mittleren Brücke missionieren eine Scientology-Gruppierung und Tierversuchsgegner. Auf der Kleinbasler Seite missioniert die Christlichdemokratische Volkspartei Basel-Stadt.

Andreas Maurer
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Gestern Samstag tauschte Lukas Engelberger (Mitte) Anzug und Krawatte für einen Tag mit Lacoste-Poloshirt und Kochschürze.

Gestern Samstag tauschte Lukas Engelberger (Mitte) Anzug und Krawatte für einen Tag mit Lacoste-Poloshirt und Kochschürze.

Juri Junkov

Am CVP-Stand verteilt Regierungskandidat Lukas Engelberger keine Heilsversprechen, sondern Hamburger. Politik steht in den Gesprächen nicht im Zentrum. Nur am Rand geht es um CVP, GLP oder SVP. Engelberger fragt: «Ketchup oder Senf? Und vielleicht noch ein Gürkli, ein Tomätli und ein Salatblatt?»

Den meisten Leuten schmeckt der Hamburger. Kauend gesteht eine ältere Frau: «Ich habe keine Ahnung, wer das ist.» Den jungen Burgerbrutzler kenne sie nicht. Sie schaut sich um und entdeckt das Wahlplakat. «Ah doch», sagt sie, «das ist doch derselbe wie auf dem Plakat». Den habe sie auch schon im Fernsehen gesehen. Ob sie ihn wähle, wisse sie nicht. Politik interessiere sie nicht, sagt sie. Ein Jugendlicher hat andere Sorgen. «Sind die Burger wirklich gratis?», will er wissen.

180 Rindfleisch- und 20 Vegiplätzli hat Engelberger für jeden seiner vier Auftritte bei einer Allschwiler Metzgerei bestellt. Pro Standaktion rechne er mit Kosten von knapp tausend Franken. Der Start auf dem Neuweilerplatz war zäh. Ein Teil des Fleisches blieb liegen. In Riehen und nun im Kleinbasel hingegen bildet sich zwischenzeitlich eine Schlange vor dem Grill. Einzig die Vegiplätzli finden keine Abnehmer. Sie liegen ohnehin nur aus Imagegründen auf.

Engelbergers Wahlkampfgag hat seinen Ursprung in einer Anti-Vegi-Aktion. Im Herbst 2012 verkaufte die Junge CVP 900 Würste vor dem Kollegienhaus der Universität Basel. Sie protestierte damit gegen die Anhänger einer vegetarischen Mensa. Patrick Huber, der Präsident der Jungen CVP, leitet nun Engelbergers Wahlkampf. «Im Grillieren haben wir Erfahrung», sagte er sich und lancierte die Grillidee.

Neben Passanten, Strassenmusikern und Touristen, die sich nur für die Zwischenverpflegung interessieren, kommen auch politisch interessierte Basler vorbei. Es sind Engelbergers Freunde. Geschichtsprofessor Georg Kreis verspeist einen Burger, weil Engelberger den Förderverein seines Europainstituts präsidiert. «Er ist ein engagierter Europäer», lobt Kreis. Dass Engelberger kein EU-Befürworter sei, mache nichts. «Mittlerweile ist es schon viel, wenn man Europa nicht schlecht redet», meint Kreis. Von der Burgeraktion ist er nicht begeistert. Als Wahlkampfhelfer findet er trotzdem positive Worte: «Lieber ein Burger als eine Zahnbürste.» Auch Engelbergers künftiger FDP-Regierungskollege Baschi Dürr kommt vorbei. Er selber empfahl sich damals mit der Aktion «auf ein Bier mit Baschi» für den Job. Dürr erinnert sich: «Bei mir am Biertisch hatte es weniger Leute als hier. Aber das Bier war bei mir auch nicht gratis.» Entscheidend sei jedoch einzig, dass im Wahlkampf immer ein «Grundrauschen» vorhanden sei, sagt der ehemalige PR-Berater.

Das Fett der Engelburger zischt und hüllt Engelberger in eine Dampfwolke. Mit einem Dauerlachen huscht er von Mensch zu Mensch. Hinter der aufgestellten Fassade verbirgt er seine Angespanntheit. Nein, Wahlkampf am Grill empfinde er nicht als mühsam. Anstrengend sei «das Mentale». Der Wahlkampf sei wie eine mehrmonatige Prüfung, sagt er. Er sei kein Entertainer. Und doch muss er sich auch in dieser Disziplin bewähren.