Politkampf
Die Basler Democrats bereiten sich schon jetzt auf die nächsten Wahlen vor

Trump wird am Freitag US-Präsident. Das motiviert die Basler Democrats motiviert umso mehr. Von hier aus wollen sie die Politik in ihrem Heimatland beeinflussen, und auch andere Landsleute dazu animieren.

Peter Schenk
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Kristen Jafflin (links) Kathryn Edson von den «Democrats Abroad Basel».

Kristen Jafflin (links) Kathryn Edson von den «Democrats Abroad Basel».

Kenneth Nars

Vielleicht ist das die US-amerikanische Lebenshaltung: Anstatt nach der Wahl von Donald Trump in Trübsal zu verfallen, sind seine politischen Gegenspieler in der Region Basel, die «Democrats Abroad Switzerland», extrem motiviert und aktiv. «Unsere Mitgliederzahlen sind seit Trumps Wahlsieg um 30 Prozent gestiegen. Viele Leute bedauern, dass sie nicht gewählt haben», erzählt Kathryn Edson.

Die Neurowissenschaftlerin lebt seit 27 Jahren in der Schweiz, hat früher in der Pharma gearbeitet und ist jetzt als selbstständige Beraterin tätig. Die Auslandorganisation «Democrats Abroad» ist 1964 gegründet worden und in 41 Ländern präsent. Den Basler Ableger der Schweizer Organisation gibt es seit 2007. «Wir haben 25 aktive Mitglieder in der Region Basel», sagt Edson, die absolute Zahl weiss sie nicht.

Ihre Hauptaufgabe ist es, amerikanische Expats zu motivieren, sich in die Wählerlisten eintragen zu lassen. Seit 1976 dürfen sie an nationalen Wahlen teilnehmen. «Viele wissen das gar nicht oder befürchten, dass sie dann in den USA Steuern zahlen müssen», erklärt Edson. Diese Gefahr aber besteht sei 1986 nicht mehr.

Bei jeder Wahl neu einschreiben

In der Regel muss man sich in dem Staat in die Wählerlisten einschreiben, in welchem man zuletzt gewohnt hat. Der Stimmzettel muss dann allerdings an eine andere Stelle geschickt werden, und es gibt von Staat zu Staat unterschiedliche Regelungen. Kurz: Die Prozedur ist nicht einfach und muss für jede Wahl wiederholt werden.

Vor den letzten Wahlen haben die «Democrats Abroad Basel» sogar Tische am Rhein aufgestellt, wo die Expats die Anträge ausfüllen konnten, und waren auch beim Basler Marathon präsent. Auch sonst waren sie aktiv: «Wir haben in manchen Wochen sieben Veranstaltungen organisiert, sogar drei pro Tag. Wir können uns wirklich nicht vorwerfen, nicht genügend gemacht zu haben», findet Edson. «Zu den TV-Partys mit Übertragungen von Fernsehduellen sind auch viele Schweizer gekommen», ergänzt Kristen Jafflin. Die Soziologin lebt seit 2013 in der Region und forscht an der Uni Basel.

Am Freitag übernimmt Trump die US-Präsidentschaft. Für die Basler Democrats ist das auch eine Herausforderung, genau zu beobachten, was geschieht, eventuell zu protestieren oder mit ihrem jeweiligen demokratischen Senator Kontakt aufzunehmen. «Donald Trump ist unvorhersehbar. Mit ihm ist der konservative Flügel der Republikaner an die Macht gekommen. Sie haben eine Agenda der Veränderung», analysiert Edson. «Wir müssen sehen, was wir machen können. Die in den USA kursierende Idee, nach Kanada auszuwandern, war eher ein Witz. Es gibt keinen Ort, an dem man dem amerikanischen Einfluss entkommt», erläutert Jafflin.

Der nächste wichtige politische Termin sind für sie die Wahlen von 2018, bei denen das Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatoren erneuert wird. «Die Republikaner haben mit 52 zu 48 eine knappe Mehrheit», fährt die Soziologin fort.

In der Schweiz leben 41 000 Amerikaner, die Doppelbürger sind hier nicht mitgezählt. Im Unterschied zu den Republikanern mit ihrer Auslandorganisation «Republicans Overseas» dürfen die Democats auch an den Vorwahlen teilnehmen. Die 69 Prozent für den linkeren Kandidaten Bernie Sanders gegenüber 31 Prozent für Hillary Clinton verdeutlichen, dass das Herz der Democrats in der Schweiz links schlägt.

Trump-Wähler sind Minderheit

Generell sind die Trump-Wähler bei den Expats in der Minderheit. Die «Republicans Overseas» waren nicht in der Lage, der bz im Raum Basel einen Trump-Anhänger zu nennen. Bei ihrem Engagement dafür, sich in die Wählerlisten eintragen zu lassen, fragen die Democrats selbstredend nicht nach, welche politische Position die jeweilige Person vertritt. Sinn macht die Wählerwerbung allemal. Generell ist es auch in den USA so, dass die Demokraten von hoher Wahlbeteiligung profitieren.