Fussball
Die Basler dürfen sich im heissen Tel Aviv keinen Konzentrationsfehler leisten

Der Meister steht zwischen dem 1:1 in St.Gallen und dem Champions-League-Qualifikationsspiel bei Maccabi Tel Aviv. Die Basler müssen den 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel verteidigen, wenn sie dieses Jahr in der Königsklasse spielen wollen.

Markus Brütsch
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Angespannt: Yann Sommer beschwert sich im Hinspiel gegen Maccabi lautstark bei Arlind Ajeti.

Angespannt: Yann Sommer beschwert sich im Hinspiel gegen Maccabi lautstark bei Arlind Ajeti.

Keystone

Das Resultat ist dasselbe, die Höhe der Hürde nicht. Als sich der FC Basel in der ersten Augustwoche des letzten Jahres anschickte, den Sprung in die Playoffs der Champions-League-Qualifikation zu schaffen, tat er dies mit grösster Zuversicht. In Molde hatte er das Hinspiel der 3. Runde 1:0 gewonnen – was konnte da noch schiefgehen?

Die Geschichte ist bekannt: Hätte Yann Sommer im Rückspiel im St. Jakob-Park in der Nachspielzeit nicht einen Penalty abgewehrt und dem FCB das 1:1 gerettet, wäre er bereits zu jenem Zeitpunkt in die Europa League verwiesen worden. Und nicht erst nach den beiden Playoff-Niederlagen gegen Cluj.

Wenn der FC Basel nun heute Morgen ins Flugzeug steigt, um nach Israel zu fliegen und dort die Hoffnungen auf die Champions-League-Teilnahme zu wahren, so tut er dies mit exakt derselben Vorgabe wie vor Jahresfrist: Auch gegen Maccabi hat er das Hinspiel 1:0 gewonnen.

Der grosse Unterschied ist aber: Er muss diesen knappen Vorsprung im Bloomfield-Stadion des heissen Tel Aviv verteidigen und nicht in der heimischen Arena. Gegen ein Team wie Maccabi, das gewiss nicht schwächer einzustufen ist als Molde.

Toptrio wieder dabei

Auch wenn die Basler sich bewusst sind, was sie im Nahen Osten erwartet – Trainer Murat Yakin: «Das wird ein ganz heisser Tanz» – so reisen sie mit Zuversicht dorthin. Mit dem Selbstverständnis eines Europa-League-Halbfinalisten und Champions-League-Erprobten.

«Es steht unglaublich viel auf dem Spiel», sagt Georg Heitz, «aber wir haben Vertrauen in unsere Mannschaft.» Genährt durch den ansprechenden Saisonstart. «Zwei Unentschieden in zwei schwierigen Auswärtsspielen und dazu zwei Heimsiege – diese Bilanz ist zwar nicht brillant, aber okay», sagt der Basler Sportdirektor.

Und gestärkt auch durch das Wissen, dass im Gegensatz zur Super-League-Partie am Samstag in St. Gallen die drei Topkräfte Marco Streller (Schlag auf den Fuss), Valentin Stocker (gesperrt) und Philipp Degen (Magen-Darm-Probleme) zur Verfügung stehen.

«Das 1:1 in St. Gallen war nicht schlecht», sagt Heitz, weiss aber, dass der FCB morgen Abend gut daran tut, die Konzentrationsfehler abzustellen, die er sich in der Ostschweiz geleistet hat.

Ist das aufgebauschte Thema «Spielen die Ägypter Salah und Elneny in Israel?» seit Samstag definitiv vom Tisch (ja, sie spielen), so harrt das Problem «Bobadilla» weiter einer Lösung.

Auch in St. Gallen konnte der Argentinier nicht verbergen, wie sehr er ausser Form ist. Dass ihm die Rasergeschichte auch nicht hilft, zu alter Stärke zu finden, versteht sich von selbst. «Wir versuchen, viel mit ihm zu reden», sagt Heitz, «die beste Medizin in solchen Fällen wäre aber spielen, spielen, spielen. Der Trainer muss nun von Partie zu Partie entscheiden, ob Raul mental bereit ist.»

Delgados Comeback geglückt

Bedeutend erfreulicher präsentiert sich die Personalie «Delgado». Eben erst in der Schweiz angekommen, gab der Südamerikaner in der AFG Arena mit einem 25-minütigen Einsatz überraschend schnell sein Comeback in der Super League.

«Man konnte sehen, wie aussergewöhnlich gut er am Ball ist», sagt Heitz, «darf jedoch nicht vergessen, dass er noch den Jetlag verspürt.» Somit ist eher nicht davon auszugehen, dass Delgado in Tel Aviv Titular sein wird. Doch allein seine Präsenz könnte sich in Israel beflügelnd auf das Basler Ensemble auswirken.

Welches nach dem Abgang von Aleksandar Dragovic zu Dynamo Kiew seit drei Partien ohne den Österreicher auskommen muss. Allerdings haben die jungen Innenverteidiger Fabian Schär und Arlind Ajeti ihre Sache ordentlich gemacht.

Auch der an Servette ausgeliehene und nun zurückgekommene Genséric Kusunga soll gute Trainingsleistungen zeigen. «Wir schauen ihn ohne Vorurteile an, er soll seine Chance bekommen», sagt Heitz. Dessen ungeachtet, arbeiten die Basler weiter am Transfer eines bestandenen Innenverteidigers. «Wir wollen Dragovic ersetzen, ganz klar», sagt der Sportdirektor.

Der Bulgare Ivan Ivanov ist in diesem Bestreben weiterhin ein Thema. «Weil sein Klub Partizan Belgrad aber ebenfalls um den Einzug in die Champions League kämpft, ist die Situation nicht einfach», sagt Heitz. Nach der 1:2-Niederlage beim bulgarischen Meister Ludogorets sind die Chancen für die Serben intakt.

Und weil der FCB Ivanov nach einer allfälligen Playoffqualifikation in Tel Aviv (Dienstag, 19 Uhr, SRF 2) in der Vorschlussrunde ohnehin nicht einsetzen könnte, sondern erst in der Gruppenphase, prüfen die Basler weitere Optionen.

Aber erst wenn der neue Mann verpflichtet ist, wird auch darüber befunden, wie es mit Gaston Sauro weitergeht. Ob der Argentinier, der sich beim FCB offensichtlich nicht durchsetzen kann, verkauft oder ausgeliehen wird.