Die Industriellen Werke Basel (IWB) wollen die Betriebstemperatur des Basler Fernwärmenetzes deutlich absenken. Bereits seit zwei Jahren läuft ein entsprechendes Pilotprojekt, wie Edwin Van Velzen, Leiter Vertrieb, gegenüber dem «Sonntag» erklärt. Demnach soll das Wasser statt mit heute 190 Grad Celsius nur noch mit 120 Grad durch die Leitungen fliessen. Als erstes Gebiet soll Kleinhüningen 2014 umgestellt werden.

Die Abkühlung hat zwei Gründe: Wegen der niedrigeren Temperatur gehe weniger Energie verloren, erklärt Van Velzen. Die IWB schätzen den Effizienzgewinn auf 3 bis 5 Prozent der ausgelieferten Energiemenge.

Kosten sinken um 40 Prozent

Gleichzeitig sparen die IWB Geld ein bei Bau und Unterhalt des Leitungsnetzes, wie IWB-Sprecher Erik Rummer erklärt. Künftig könnten einfachere und damit billigere Rohre verwendet werden. Diese müssten nicht mehr – wie heute – in einen separaten Betonkanal verlegt werden. Die Arbeiter müssten zudem weniger lange in den Umgang mit Fernwärmeleitungen eingearbeitet werden. Insgesamt sinken die Kosten im Tiefbau laut IWB um 40 Prozent.

Die Umstellung ist nicht gratis. Kritischer Punkt sind die Wärmetauscher zwischen dem Netz der IWB und der Zentralheizung einer angeschlossenen Liegenschaft. Diese müssen künftig mit der tieferen Temperatur umgehen können. «In der Regel haben die Wärmetauscher genug Reserven», sagt Rummer. Doch das sei nicht überall so. Die Vorabklärungen in Kleinhüningen hätten ergeben, dass bei 74 von insgesamt 180 Anschlüssen die Reserven nicht ausreichten. Anpassungen seien nötig.

Fernwärmekunden sehen sich dann mit zwei Optionen konfrontiert: Sie können den Wärmetauscher durch einen neuen ersetzen und so dafür sorgen, dass wieder genug Energie fliesst. Oder sie versuchen, den Energiebedarf der Liegenschaft zu senken.

Ganze Stadt soll umgestellt werden

Im ersten Fall beteiligen sich die IWB an den Anschaffungskosten, falls der bisherige Wärmetauscher das – von den IWB auf 30 Jahre festgelegte – Ablaufdatum noch nicht erreicht hat. Im zweiten Fall sponsern die IWB eine Energieberatung. Umsetzung und Finanzierung müsse aber der Kunde übernehmen, sagt Rummer. Und verweist auf Förderprogramme andere kantonaler Stellen, die das unterstützen.

Insgesamt haben die IWB Projektkosten von sechs Millionen Franken budgetiert. Darin inbegriffen seien auch Kostenbeteiligungen bei der Neuanschaffung von Wärmetauschern.

Langfristig solle die ganze Stadt umgestellt werden, sagt Van Velzen. Dies jedoch mit Ausnahmen. Denn einige Abnehmer von Fernwärme, etwa die Spitäler, seien auf die heutige hohe Temperatur angewiesen. Man werde diese mit einem separaten Netz versorgen müssen.