«Politisch unbeschriebene Blätter» ist der mit Abstand häufigste Ausdruck, der einem begegnet, wenn man rückblickend die Artikel über die Anfangstage der Basler Grünliberalen Ende Februar 2008 liest. Zumindest dieser Punkt hat sich geändert. Während etwa die BDP – im November 2008 gegründet – eine Randnotiz blieb, holten die Grünliberalen bereits ein halbes Jahr nach ihrer Gründung fünf Sitze im Grossen Rat und erreichten damit auf Anhieb Fraktionsstärke – ein politischer Coup.

Der damalige Spitzenkandidat und Gründungspräsident David Wüest-Rudin gehört auch zehn Jahre später noch dem Parlament an, ebenso wie die damals gewählten Aeneas Wanner und Martina Bernasconi. Letztere politisiert mittlerweile bei der FDP, nachdem die GLP bei den letzten Wahlen ihre Fraktionsstärke einbüsste. Die 5,1 Prozent, welche die Basler GLP ein halbes Jahr nach ihrer Gründung schaffte, blieben bisher das höchste der Gefühle.

Da sich im Parlament das bürgerliche und das linke Lager seit Jahren faktisch gleichstark gegenüber stehen, fand sich die GLP als Zünglein an der Waage wieder. So kommt der Partei oft eine entscheidende Rolle zu, trotz ihrer gerade mal drei verbliebenen Sitze. Selber Akzente zu setzen, konnten die Grünliberalen im vergangenen Jahrzehnt allerdings nur selten.

Ein Grund dafür ist auch, dass es die Partei bisher nicht schaffte, sich ein klares Profil zu geben. Grün und liberal sind Attribute, die sich mittlerweile praktischer jeder Politiker auf die Fahne schreibt. Aus dem Label, das den Zeitgeist trifft, eine politische Partei mit einer klaren Haltung zu formen, gelang der GLP aber national wie auch regional nur bedingt. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist noch immer kaum greifbar.

Finanzpolitisch stimmen die Basler GLP-Parlamentarier meist mit den Bürgerlichen. Die vom 2016 abgewählten Dieter Werthemann geforderte Senkung des Steuersatzes um ein Prozent steht aktuell gegen die Pläne der Linken. Auch der Budgetdeckel, den das Parlament in seiner letzten Sitzung Finanzministerin Eva Herzog vorschrieb, ging auf einen Vorstoss der Grünliberalen zurück. Gleichzeitig forderten die Grünliberalen im Parlament mehr Parkplätze für Elektroautos und die Schaffung von öffentlichen Velopumpstationen.

Zu diesem ambivalenten Bild passt auch die Initiative gegen die jetzige Ruhegehälterregelung für Alt-Regierungsräte, über die nächstes Wochenende abgestimmt wird. Die populistische Forderung gegen die «goldenen Fallschirme» könnte genauso gut von einer anderen bürgerlichen Partei eingebracht worden sein. Insofern könnte selbst ein Ja an der Urne nur sehr bedingt als Erfolg der GLP interpretiert werden. Dass die Partei in irgendeiner Form von dieser Initiative profitieren kann, ist unwahrscheinlich. Im Gegensatz dazu wagte die nationale GLP vor drei Jahren mit dem Vorschlag einer neuen Energiesteuer zumindest einen eigenen Ansatz. Die Ironie: Von brutalen Ohrfeige an der Urne (über 91 Prozent Nein-Stimmen) haben sich die Grünliberalen bis heute nicht erholt.

Ähnlich erfolglos verliefen die Kandidaturen der Basler GLP bei Majorzwahlen in den letzten Jahren. Obwohl jeweils komplett chancenlos, traten die Grünliberalen sowohl bei Regierungsrats- wie auch Ständeratswahlen an. Auch damit schadet man der politischen Glaubwürdigkeit einer Partei. Dazu passt, dass die bisherigen Allianzen vor allem Zweckbündnisse waren. Die CVP vollzog bei den nationalen Wahlen zweimal den Schulterschluss, um die Chancen für ihren Kandidaten zu verbessern.

Und als es vor eineinhalb Jahren darum ging, welche Fraktion im Grossen Rat den verbliebenen GLP-Parlamentariern politisches Asyl bieten würde, winkten allesamt ab. Schon bei der Gründung wurde in Frage gestellt, ob es in Basel eine grünliberale Partei braucht. In der SP gibt es einen durchaus wirtschaftsliberalen Flügel und das ökologische Gewissen der Basler Bürgerlichen ist deutlich ausgeprägter als in vielen anderen Kantonen. Viele bezweifelten von Anfang an, dass dazwischen eine GLP Sinn macht. Den Gegenbeweis ist die Partei bisher schuldig geblieben.