Wahlen 2011 - BS
Die Basler Grünen haben einen Vogel

Das Grüne Bündnis präsentiert seine Nationalratskandidatinnen. Zwar versuchen sie es mit einem frechen Slogan: «Wir Grünen haben einen Vogel.» Für die Verteidigung von Anita Lachenmeiers Sitz treten diese relativ zahm auf.

Andreas Maurer
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Anita Lachenmeier ist gegen ein Helmobligatorium für Kinder.

Anita Lachenmeier ist gegen ein Helmobligatorium für Kinder.

Nicole Nars-Zimmer

Im Tropenhaus der Universität Basel präsentiert das Grüne Bündnis seine vier Kandidatinnen und den einen Kandidaten für die Nationalratswahlen. Doch so richtig heiss wird es nicht. Nicht nur, weil der Medienanlass im Foyer bei nicht-tropischen Temperaturen stattfindet, sondern auch weil die Kandidierenden relativ zahm auftreten.

Zwar versuchen sie es mit einem frechen Slogan: «Wir Grünen haben einen Vogel.» Doch von sich aus würden sie sich selber nicht von der Konkurrenz abgrenzen. Statt angriffig zeigen sie sich harmonisch. Jeder Kandidat wird als Vogel präsentiert, der auch dessen Plakat ziert. Nationalrätin Anita Lachenmeier etwa ist ein Rotkehlchen, weil sie gerne singt.

Grüne grenzen sich von GLP ab

Präsident Jörg Stöcklin beginnt zwar mit einer provokativen Aussage: «Grüne Parteien spriessen vor den Wahlen wie Pilze im Herbst - nicht alle sind geniessbar.» Auf die Nachfrage, bei welchen Pilzen Stöcklin, der von Beruf Botanik-Professor an der Uni ist, vom Verzehr abraten würde, gibt er sich zurückhaltend: «Wir möchten niemanden diffamieren.»

Auf weiteres Nachbohren der drei anwesenden Journalisten äussert er sich dann aber doch noch zur neuen politischen Konkurrenz: «Was die Grünliberalen aufführen, ist grenzenloser Opportunismus.» Sie seien nicht konsequent grün, sondern würden mal die Linke, mal die Rechte unterstützen, gerade so, wie sie am meisten davon profitieren könnten. Besonders ärgert sich Stöcklin über ein aktuelles Beispiel: Bei der Wahl des Statthalters der Bürgergemeinde unterstützten die Grünliberalen die SVP statt der SP.

Ein wenig Distanz zur SP

Auch auf Distanz zur SP gehen die Grünen erst, wenn sie danach gefragt werden. Zuvor präsentieren sie Schwerpunkte, die auch jene der SP sein könnten: Atomausstieg, saubere Umwelt, erneuerbare Energien und Ressourcen schonende Wirtschaft. Lachenmeier sieht den Unterschied beim Staatsverständnis. «Und die SP geht in der Umwelt- und Friedenspolitik mehr Kompromisse ein.» Stöcklin ergänzt: Wir nagen nicht an einem 100-jährigen Parteiprogramm.»

Dennoch sind sich die Grünen der Gefahr bewusst, ihren einst der SP abgeworbenen Nationalratssitz wieder zu verlieren. Lachenmeier gibt sich vorsichtig optimistisch: «Unsere Chancen sind intakt.»

Tiefe Männerquote bei den Grünen

Bei den Nationalratswahlen vor vier Jahren haben die Grünen einen Stimmenanteil von 10,3 Prozent erreicht. Diesmal strebt Stöcklin 13 Prozent an. Lachenmeier reagiert mit einem irritierten Blick. Sie sieht das Ziel bei 15 Prozent.

Besonders angesprochen werden dieses Jahr die Frauen: Während der Frauenanteil bei den anderen Parteien sinkt, steigt er beim Grünen Bündnis. Vier Frauen - Anita Lachenmeier, Sibel Arslan, Mirjam Ballmer, Brigitta Gerber - stehen einem Mann gegenüber, Michael Wüthrich. Fehlt es den Grünen an Männern? Wüthrich: «Nein, wir haben sackstarke Frauen.» Lachenmeier: «Wir müssen korrigieren, was die anderen Parteien verbrochen haben.» Stöcklin: «Wir fördern Frauen seit Jahrzehnten. Unsere Themen interessieren viele Frauen.»