Die Gurken des Basler Gemüseproduzenten Hans Bürki stehen kurz vor der Ernte. Bald endet das Schweizer Gemüse auf Schweizer Tellern. Doch herangewachsen sind die Gurken in Grenzach-Wyhlen, Deutschland, rund 500 Meter von der Schweizer Grenze entfernt. Trotzdem werden sie unter dem «Suisse Garantie» Label verkauft.

Damit soll bald Schluss sein. Dies beschloss die Mehrheit der Schweizer Gemüseproduzenten an der Generalversammlung ihres Verbandes. Der entsprechende Antrag reichte die Gemüseproduzenten-Vereinigung des Kantons Zürich (GVZ) ein. Begründung: Die jetzige Regelung täusche die Konsumenten. «Wo Suisse Garantie draufsteht, müssen auch Schweizer Produkte drin sein», zitiert die «BauernZeitung» GVZ-Präsident Walter Leuzinger.

«Was für uns Basler normal ist, ist den Zürchern ein Dorn im Auge», sagt Hans Bürki, der in Deutschland neben Gurken auch verschiedene Salate, Lauch und Erdbeeren produziert. Er ist unglücklich über den Entscheid seiner Berufskollegen. «In Basel-Stadt gibt es kein Hinterland. Will man landwirtschaftliche Fläche bewirtschaften, ist man gezwungen, ins nahe Grenzland auszuweichen.» Das tat seine Familie bereits vor 57 Jahren. Mittlerweile umfasst der Betrieb in Grenzach-Wyhlen 40 Hektaren und beschäftigt zu Spitzenzeiten 30 Mitarbeiter.

Standortvorteil Deutschland

Seine Konkurrenz beklagt die günstigeren Produktionsbedingungen in Deutschland. «Rechnet man die deutsche Sollarbeitszeit mit ein, ist der Vorteil nicht mehr so gross», entgegnet Bürki. In Deutschland dürfen Arbeitskräfte weniger Stunden pro Woche arbeiten und haben mehr Ferientage als in der Schweiz. Das auf deutschem Boden geerntete Gemüse kann der Riehener Produzent zollfrei in die Schweiz importieren. Möglich macht es ein beinahe hundertjähriger Staatsvertrag, nach dem sich auch die Vergabe des Suisse Garantie Labels richtet. Voraussetzung: Die Anbaufläche darf nicht mehr als 10 Kilometer von der Grenze entfernt liegen. Das Gleiche gilt für den Geschäftssitz in der Schweiz. Beides erfüllt die Bürki Gemüse AG mit Sitz in Riehen. Der Staatsvertrag ist durch den Entscheid der Gemüseproduzenten nicht gefährdet. Es droht einzig der Entzug des Suisse Garantie Labels.

Ob dieser Fall aber je eintritt, ist offen, denn: Umsetzen müsste den Entscheid Agromarketing Suisse (AMS), die Inhaberin des Labels, unter dem eine Vielzahl Schweizer Landwirtschaftsprodukte vermarktet werden. Wie man mit dem Antrag der Gemüseproduzenten umgeht, hat AMS noch nicht entschieden. Man will die Verabschiedung der Swissness-Verordnung abwarten. In dieser wird der Bund regeln, was es dazu braucht, um als Schweizer Produkt zu gelten. AMS-Präsident Urs Schneider: «Es wäre paradox, wenn wir bei Suisse Garantie und Swissness unterschiedliche Lösungen hätten.»

Migros mit eigenem Label

Auch Hans Bürki blickt gespannt nach Bern. Er hofft, dass der Bundesrat dem Vorschlag des Schweizer Bauernverbandes folgt. Dessen Forderung: Produkte aus grenznahen Gebieten sollen weiterhin als schweizerisch verkauft werden, sofern die Anbauflächen bereits vor dem 1. Januar 2014 im Besitz waren. Allzu grosse Sorgen macht er sich wegen des möglichen Entzugs des Labels nicht. Grund: Er produziert zu drei Viertel für die Migros Basel, die im Gegensatz zu Coop, Aldi oder Lidl ein eigenes Label hat – «Aus der Region. Für die Region.»

Es gehe den Zürchern nicht um den Schutz der Konsumenten vor einer Täuschung, so Bürki. «Sondern sie wollen uns verdrängen und Marktanteile gewinnen.» Nicht nur die betroffenen Produzenten sind unglücklich über den Entscheid. Auch die Verbandsspitze der Schweizer Gemüseproduzenten ist darüber unglücklich. Direktor Pascal Toffel spricht von einem Machtkampf zwischen den Regionen. Einzig das Gemüse lässt der Streit kalt: Ob schweizerisch oder deutsch, am Geschmack ändert sich nichts.