Diese Woche teilte die Basler Kantonalbank (BKB) überraschend mit, dass sie sich von ihrem Handelschef Thomas Greminger trenne. «In gegenseitigem Einvernehmen» und aufgrund «unterschiedlicher Auffassungen». Vorangegangen sei eine Untersuchung des Konzernbereichs Handel, sagt BKB-Chef Guy Lachapelle gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Die Revisionsgesellschaft KPMG habe im Herbst den Auftrag dazu erhalten, der Bericht liege jetzt vor. Er gebe der Bank «gute Noten».

Greminger dürfte allein die Untersuchung als Demütigung empfunden haben. Seit 1999 führte er den Handel und baute diesen deutlich aus: Im vergangenen Jahr verbuchte die BKB einen Handelserfolg von 124 Millionen Franken. 2,9 Milliarden betrugen die Handelsbestände Ende 2011 (aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor), entsprechend angestiegen war auch das Risiko. Das statistische Risiko eines Jahrhundertverlusts («Value at Risk») stieg zwischen 2009 und 2011 von 46 auf 71 Millionen Franken an. Die BKB gehört zu den aktiven Schweizer Anbietern von Derivaten.

Lachapelle macht keinGeheimnis daraus, dass er die Strategie der BKB gründlich hinterfragen will. «Es wird über alles gesprochen, über die Grundphilosophie der Bank», sagt er. «Wir wollen uns klar darauf rückbesinnen, wo wir stark sind.» Im Zentrum stehe künftig das Geschäft mit KMU und Schweizer Privatkunden. Gut möglich, dass es daher zu einem Abbau im Handel kommt. Und dass dies der Kern der Differenzen zwischen Greminger und Lachappelle war.

Bis im Sommer eine neue Strategie

Angang April beginnt ein Strategiefindungsprozess. Bis Ende des zweiten Quartals solle dieser abgeschlossen sein, sodass er im dritten Quartal kommuniziert werden könne, sagt Lachappelle.

Die Bank lässt sich nicht gross davon beeindrucken, dass sich gleichzeitig auch die Basler Regierung mit der Ausrichtung der Bank beschäftigt. Diese arbeitet an einem neuen Kantonalbanken-Gesetz, das nach Ostern in die Vernehmlassung gehen soll. «Wir können nicht abwarten, bis das neue Gesetz da ist», sagt Lachapelle. In den letzten beiden Jahren seien zu viele Unsicherheiten entstanden. Natürlich werde man neue Vorschriften berücksichtigen.

Die BKB kämpft derzeit an zwei Fronten: im Aargau wegen der mutmasslichen Betrügereien um die ASE Finanz und in den USA wegen amerikanischen Schwarzgeldes, das auf der Zürcher Niederlassung der BKB deponiert wurde.

Die Bank brauche nun neue Leitlinien, sagt Lachappelle. «Dazu gehört auch das Überprüfen zentraler Steuerungskennzahlen.» In der Vergangenheit richtete sich die Bank – auch bei der Bonusberechnung – an Bruttogewinn und Kosten-Schaden-Satz aus.