Nachruf

Die Basler Kritikerlegende Paul Schorno ist gestorben

Paul Schorno ist im Alter von 89 Jahren verstorben. (Archivbild)

Paul Schorno ist im Alter von 89 Jahren verstorben. (Archivbild)

Am 4. November 2019 ist Paul Schorno im Alter von 89 Jahren verstorben.

Konzerte oder Theateraufführungen in Basel und der Region möchte ich mir eigentlich nicht vorstellen ohne diesen kräftigen Mann im Publikum, der aufmerksam zuhört und zusieht, sich Notizen macht und dann seine Meinung niederschreibt. Nun aber ist es traurige Tatsache: Der Platz von Paul Schorno wird leer bleiben. Er ist, wie seine Frau Ruth gestern mitteilte, vergangenen Montag im Beisein seiner Familie friedlich eingeschlafen.

Damit geht ein Leben zu Ende, das sich ganz der kritischen Reflexion von Musik und Theater verschrieben hat. Schorno, der aus dem Kanton Schwyz stammte, arbeitete zunächst als Lehrer. Anfang der 70er-Jahre machte er sich in seiner Wahlheimat Basel einen Namen mit den zeitkritischen Montag-Abenden am Basler Stadttheater, das damals von Werner Düggelin geleitet wurde. Als ich ihn in den 90er-Jahren bei der «Nordschweiz» und später der «Basler Woche» kennenlernte, war er bereits eine Kritikerlegende (später auch bei dieser Zeitung). Er war absolut stilsicher in der Beurteilung von Orchestern, Chören oder Schauspielensembles und nie um eine klare Meinung verlegen.

Paul Schorno war aber kein «Grosskritiker», vor dem man sich als junger Journalist fürchten musste. Seine Fähigkeit zuzuhören und auch sich selbst kritisch zu hinterfragen, machte jedes Gespräch mit ihm zur Bereicherung. Er war ein kluger, geistreicher Mensch, der nicht für sich in Anspruch nahm, die Wahrheit gepachtet zu haben. Mir – und sicher auch allen seinen Leserinnen und Lesern – bleibt er gerade auch deshalb in bester Erinnerung.

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Autor

Patrick Marcolli

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