Stadtbild

Die Basler Pergola des Anstosses: Heimatschutz erleidet Niederlage am Münsterberg

Umstrittene Stahlkonstruktion: die Pergola in der Altstadtwohnung «Zum Rappenfels». Bild: Kenneth Nars (Basel, 23. August 2019)

Umstrittene Stahlkonstruktion: die Pergola in der Altstadtwohnung «Zum Rappenfels». Bild: Kenneth Nars (Basel, 23. August 2019)

Niederlage für den Basler Heimatschutz: Das oberste Basler Gericht lässt die Hauseigentümer am Münsterberg ihre Pergola behalten. Dies nach einer langen Auseinandersetzung über das Stadtbild am Rhein.

Der Streit um eine Pergola hat gestern im Saal des Appellationsgerichts sein sehnlichst erwartetes Ende gefunden. Das oberste Basler Gericht musste darüber befinden, ob der Sonnenschutz am Münsterberg rechtmässig gebaut wurde.

Die Eigentümer des altehrwürdigen Hauses «Zum Rappenfels» an der Augustinergasse legten Rekurs ein, nachdem der Basler Heimatschutz den Abriss der Sonnenstoren gefordert hatte. Um Klarheit zu schaffen, lud das Gericht gestern zur öffentlichen Verhandlung – inklusive Besichtigung der umstrittenen Stahlkonstruktion.

«Ein Einschnitt in die historische Häuserfront»

Bereits auf der Dachterrasse breitete der für die Konstruktion zuständige Architekt seine Pläne aus, um zu belegen, dass die Pergola schon seit der ersten Planung 2014 vorgesehen war. Im Hintergrund der Rhein und ganz Basel, enervierte er sich, er müsse «doch nicht für jeden Furz ein Baugesuch einreichen». Eine Meinung, die vor zwei Jahren auch vom Bau- und Gastgewerbeinspektorat gestützt wurde, als es eine Abweichung zu den ursprünglichen Plänen feststellte, aber «aufgrund der Verhältnismässigkeit» ein Auge zudrückte.

Damit war der Zorn des Basler Heimatschutzes geweckt, schliesslich befindet sich das betroffene Haus in einer Schutzzone. Er zog den Fall vor die Baurekurskommission. «Das Bauvorhaben führt zu einem wesentlichen Einschnitt in die historische Häuserfront», argumentierte die Vertreterin der Kommission, Martina Hartmann-Felber, an der gestrigen Verhandlung. Es betreffe die «bedeutende Rheinsilhouette» und die Pergola sei von Pfalz, Kleinbasler Uferseite und gar von der Fähre aus gut sichtbar. Auch das testete Gerichtspräsident Claudius Gelzer mitsamt Entourage gleich selbst. Der prüfende Blick erfolgte von der Mittleren Brücke aus, wo die Pergola auf einigen Metern teilweise auch die Silhouette des Münsters durchbrach – ein Affront für den Heimatschutz.

Verspätete Intervention

Trotz der zahlreichen Argumente gegen die Sonnenstoren – «zu wenig filigran» oder «kein abgeändertes Baugesuch eingereicht» – entschied das Gericht, dass das Paar seine Pergola nicht demontieren muss. Die zuständigen Richter hätten sich mit dem Entscheid schwer getan, sagte Gelzer, nachdem er die Urteilsverkündung mit rund zwanzig Minuten Verspätung eröffnet hatte. Es sei aber offensichtlich zu gröberen Fehlern im Verfahren gekommen, was für das Urteil ausschlaggebend gewesen sei.

So seien nach der ersten Kenntnis der Baute ganze fünf Monate verstrichen, bis der Heimatschutz beim Bauinspektorat intervenierte. Das sei problematisch: «Wir denken, es ging zu lange, bis es zur ersten formellen Intervention beim Bauinspektorats kam», so Gelzer. Nach Ansicht des Gerichts gab es aber auch während der Bauphase Kommunikationsprobleme.  «In der Kommunikation zwischen Denkmalpflege und der Bauherrschaft ist wohl einiges schiefgelaufen», so Gelzer.

Besonders schmerzhaft für den Heimatschutz: Auch das Appellationsgericht erachtet die Pergola als heikel. «Wir würden als Gericht die Konstruktion auf diesem Dach als nicht zulässig erachten», betonte Gelzer. Das Bauinspektorat hatte aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf die Anordnung eines Rückbaus verzichtet. Aufgrund der verspäteten Intervention des Heimatschutzes wird diese Verfügung gemäss dem Beschluss des Gerichts nun nicht mehr in Frage gestellt. Der Fall wird vor allem das zuständige Departement belasten: Der Grossteil der Verfahrenskosten – rund 4000 Franken – gehen ans BVD.

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