Es ist eine jener sanften Massnahmen, welche Justizdirektor Baschi Dürr (FDP) nach den Fan-Krawallen vom 10. April vorstellte: die Gefährderansprache. Deutschland kennt dieses Instrument bereits seit einigen Jahren. Hinter dem sperrigen Behördentitel verbirgt sich ein erzieherisches Gespräch. Ein Polizist redet einem mutmasslichen Straftäter ins Gewissen und macht ihm deutlich, dass man ihn im Auge behalte. Gemeinsam mit dem FC Basel wollte Dürr so den Dialog mit Fans intensivieren. Dieser ist ein Bestandteil jenes «Basler Wegs», der den hiesigen Umgang mit Fangewalt umreisst.

Inzwischen ist dieses Unterfangen angelaufen. In den vergangenen Tagen und Wochen haben FCB und Polizei «mehr als ein Dutzend Personen, deren Rayon- oder Stadionverbote ablaufen», kontaktiert. Dies geht aus einer Mitteilung des Justizdepartements vom Mittwoch hervor. Die Teilnahme sei freiwillig, heisst es.

Aus dem Schreiben, das der bz vorliegt, geht dies jedoch kaum hervor: «Wir bitten Sie, sich zu diesem Zeitpunkt (...) einzufinden», steht da. «Sollte Ihnen dieser Termin nicht möglich sein, so bitten wir Sie, sich baldmöglichst mit dem Rechtsunterzeichnenden in Verbindung zu setzen.» In Fankreisen sorgt dieses Vorgehen seit mehreren Tagen für Unruhe, wie zuletzt auch «Barfi» berichtete.

Wie die bz erfuhr, werden Fans grossflächig angeschrieben und nicht nur jene, welche sich Gewalttaten zuschulden kommen liessen. Manche wurden zu einem Gespräch geladen, weil sie eine Fackel gezündet hatten.

«Rate von Teilnahme ab»

Nun regt sich auch die Politik. Tanja Soland (SP) präsidiert die grossrätliche Justizkommission (JSSK). Sie sagt: «Ich vertrete einen Klienten, der angeschrieben wurde. Ich habe ihm geraten, diesem Gespräch fernzubleiben.» Sie findet diese Massnahme «unüberlegt und heikel». Das Strafverfahren gegen die Angeschriebenen sei nicht abgeschlossen.

«Was ein Klient in einem solchen Gespräch aussagt, könnte später von der Staatsanwaltschaft gegen ihn verwendet werden», sagt sie. Ausserdem sei die Rechtsmittelbelehrung nicht sichergestellt. Darüber hinaus berufe sich diese Massnahme auf einen Pilotversuch im Bereich der häuslichen Gewalt. «Diese Resultate liegen nicht vor.»

Polizeisprecher Toprak Yerguz kontert Solands Kritik. «Bei der Gefährderansprache durch den Fahndungsdienst handelt es sich um eine präventive Ansprache auf rein freiwilliger Basis. Auch erfolgt keine Meldung von persönlichen Daten der eingeladenen Personen im Nachgang zum Gespräch an irgendeine Stelle», sagt er. Im Gegensatz zu besagtem Pilotversuch wechselten in diesem Fall die Daten die Hand nicht. Das Thema wird wohl im Herbst auch im Grossen Rat noch behandelt, ist aus SP-Kreisen zu erfahren.

Plattform Bar wohl ab Herbst

Währenddessen nimmt eine weitere Ankündigung von vergangenem Juni Form an – wenn auch mit zeitlicher Verzögerung. Für die neue Plattform Bar hat die Muttenzerkurve Geld gesammelt. Demnächst soll das Baubegehren eingereicht werden. Der Betrieb würde, läuft alles nach Plan, im Herbst aufgenommen. Die Muttenzerkurve wird dort, so ist vorgesehen, einen eigenen Getränke- und Wurststand betreiben. Ursprünglich war diese Massnahme zur Beruhigung der Situation auf der Plattform auf vergangenen Februar angekündigt worden.