Polizei
Die Basler Polizei ist im «Auslandseinsatz»

Stadtbasler Polizisten helfen den dünn besetzten Baselbieter Kollegen öfter aus. So sind im Nachbarkanton an einem Sonntagabend auf den 37 Quadratkilometern Stadtkanton vier Streifenwagen mit je drei Polizisten im Einsatz.

Nicolas Drechsler
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Glaubt man der Basler SVP, braucht Basel-Stadt dringend mehr Polizisten. Glaubt man den Basler Polizisten, müssen sie aber immer öfter den Baselbieter Kollegen aushelfen. Denn die sind wesentlich dünner gesät. So sind an einem Sonntagabend auf den 37 Quadratkilometern Stadtkanton vier Streifenwagen mit je drei Polizisten im Einsatz.

Jenseits der Grenze patrouillieren zwei Fahrzeuge mit je zwei Beamten. Vier Mann, also ein Drittel der städtischen Mannschaft, für ein Kantonsgebiet, das 14 Mal so gross ist wie das von Basel-Stadt. Das sei allerdings bloss die Sicherheitspolizei, so der Sprecher der Baselbieter Polizei, Meinrad Stöcklin. Dazu kämen weitere Bereitschaftselemente und die Patrouillen von Fahndung und Verkehrspolizei. Es bleibt aber dabei: Im Einzelfall kann es vorkommen, dass die Basler die Baselbieter auf deren Kantonsgebiet zahlenmässig übertreffen.

Extremfall in Allschwil

So etwa bei den Ausschreitungen zwischen Fussballfans in Allschwil nach dem Spiel FC Allschwil gegen Neuchâtel Xamax Anfang Juni. Damals, so ein Basler Kantonspolizist, seien die zwölf angerückten Basler auf gerade mal zwei Baselbieter Kollegen gestossen. In der Folge kamen dann noch Beamte der Grenzwache hinzu und weitere Baselbieter. «Die konnte man aber an einer Hand abzählen», so ein Basler Polizist, der am Einsatz teilnahm.

Dem offiziellen Communiqué der Baselbieter Polizei ist dies aber nur schwer zu entnehmen. Dort stand: «Die Polizei Basel-Landschaft, unterstützt durch die Kantonspolizei Basel-Stadt und das Grenzwachtkorps Basel, reagierte auf die Auseinandersetzungen mit einem grösseren Einsatz (total rund 25 Personen).» Generell scheint Allschwil eine der Gemeinden zu sein, in der Basler Polizisten des Öfteren unterwegs sind. Das ist auch kaum verwunderlich.

Eine Patrouille der Baselbieter Polizei braucht beispielsweise von Reinach aus mindestens doppelt so lang, wie die Städter. Der Basler SVP-Grossrat Eduard Rutschmann übt dennoch Kritik an Einsätzen, die über das Nordwestschweizer Polizeikonkordat hinaus gehen. Dieses sieht solche nur in Notlagen und bei Grossereignissen vor: «Es kann wohl nicht sein, dass wir Polizisten anstellen, die dann im Baselbiet aushelfen müssen», so der ehemalige Grenzwächter.

Offizielle Seite wiegelt ab

Sowohl Meinrad Stöcklin als auch sein Städter Kollege wollen auf Anfrage nicht bestätigen, dass die Einsätze der Basler im Landkanton zugenommen hätten. Das sei wohl eine Frage der Perspektive, meint Klaus Mannhart: «Grenzüberschreitende Einsätze haben Tradition. Ich konnte nicht erhärten, ob diese objektiv öfter vorkommen als früher.» Sein Kollege Stöcklin stösst ins gleiche Horn: «In den letzten Wochen gab es einige Fälle von Hilfe durch die Stadtbasler. Das wird sich aber auch wieder in die andere Richtung drehen. Hauptsache ist: Es funktioniert.»

Dem stimmt auch der Allschwiler Gemeindepräsident und Präsident des Baselbieter Polizeibeamtenverbandes, Anton Lauber, zu. Er ortet das Problem klar bei der Reorganisation der Sicherheitskräfte: «Im Rahmen der Uniformpolizei 2012 müssen wir im Bereich der Sicherheitspolizei 25 bis 30 Stellen mehr haben.» 15 wurden von der zuständigen Landratskommission bewilligt. Es wird sich zeigen, ob diese zusätzlichen Polizisten auf dem Land auch die Kollegen in der Stadt entlasten und diese sich wieder ganz den heimischen Ganoven widmen können.