Basler Polizei

Die Basler Polizeileitung ist heillos zerstritten

Sein Abgang soll den Druck mindern: Gerhard Lips ist nicht mehr Basler Polizeikommandand.

Sein Abgang soll den Druck mindern: Gerhard Lips ist nicht mehr Basler Polizeikommandand.

Auch ein Mediator konnte der Basler Polizeileitung nicht helfen. Jetzt muss Kommandant Gerhard Lips gehen. Interimistische Leitung übernimmt die bisherige Nummer drei im Polizei-Korps, Martin Roth.

Es war nicht der eine Skandal zu viel. Nicht jener Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sicher, durch die Fülle der negativen Schlagzeilen hat die Basler Polizeileitung Schlagseite erhalten. Was aber wirklich zum Zerwürfnis mit Polizeikommandant Gerhard Lips führte, waren die unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie mit den Fehlern zu verfahren sei.

Der Begriff «Kultur» fiel am Freitag vor den Medien auffallend oft. Von «Führungskultur» war die Rede, «Fehlerkultur» auch, und «Korpsgeist». Das Atmosphärische habe innerhalb des Kaders nicht gestimmt, war eine der Grundaussagen der gestrigen Medienkonferenz. Dies zu korrigieren war die Aufgabe eines eigens einberufenen Mediators, der die Polizeileitung in den vergangenen Monaten gecoacht hat.

Vergebens: Lips muss gehen, einvernehmlich, so die offizielle Sprachregelung. Im persönlichen Gespräch wird schnell deutlich: Lips hätte gerne weitergemacht. Der Abtretende ist enttäuscht. Enttäuscht über sich selbst, keine Lösung gefunden zu haben. Enttäuscht aber auch darüber, den Schwarzen Peter gezogen zu haben und nun gehen zu müssen.

Schliesslich seien an solchen Differenzen immer mehrere Seiten beteiligt. So wären auch andere personelle Wechsel denkbar gewesen. Namen nennt Lips keine. Dafür ist er zu professionell. «Ich mache Platz für eine neue Lösung», erklärte er. «Es ist nötig, dass das Vertrauen der Mitarbeiter wieder hergestellt werden kann, das in letzter Zeit verloren gegangen ist.»

Auch FDP-Regierungsrat Baschi Dürr ist sich bewusst, dass mit dem Abgang von Lips nun aber nicht alles gelöst ist. Gemeinsam seien sie zum Schluss gekommen, dass es im Polizeikommando einen Wechsel brauche, erklärte der Chef des Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD). Dafür sei er Lips dankbar. In dieser Konstellation aber sei eine Zusammenarbeit nicht weiter möglich gewesen.

Grund seien die erwähnten «führungskulturellen Differenzen» im oberen Kader, welche die Leitung der Polizei erschwert hätten. «Dass heute und morgen alle Probleme bereinigt sind, wäre illusorisch.» Der Wechsel bringe nun aber Bewegung in den Prozess. «Jetzt sind alle ‹ghaue oder gstoche› in der Pflicht, eine Lösung zu finden», betonte Dürr. «Ich habe da eine klare Erwartungshaltung. Ich will Fortschritte sehen.»

Stellvertreter wird übergangen

Nun soll ein Doktor der Chemie das Rezept für die richtige Führung austüfteln: Dürr hat Oberstleutnant Martin Roth zum interimistischen Kommandanten bestimmt. Roth war bislang die interne Nummer drei. Seine Ernennung ist eine Überraschung und bedeutet gleichzeitig, dass Vize Rolf Meyer übergangen wird. Ausgerechnet er, der schon einmal die Polizeileitung zwischenzeitlich innehatte: vor acht Jahren, als der damalige Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass «seinen» Polizeichef Roberto Zalunardo absägte. Meyer stand dem Korps damals fast ein Jahr vor und hatte sich Chancen auf die definitive Leitung ausgerechnet.

Roth hingegen ist die grosse Unbekannte. Auch er kennt den Betrieb: Seit 17 Jahren ist er Mitglied der Polizeileitung. Vor den Medien liess er sich kaum in die Karten blicken, wie er für den zukünftigen Kommandanten den Weg ebnen will. «Ich stamme aus der Privatwirtschaft, aus der Industrie. Ich habe andere Ansätze», sagt er. Und er gibt einen Einblick darin, worüber die Polizeichefs gestritten haben dürften: «Zentral in den Meinungsverschiedenheiten war die Auffassung, wie die Vorbild-Funktion wahrgenommen werden soll: Man wird an den Taten gemessen, nicht nur an den Worten.» Künftig wolle er nun «offensiver kommunizieren», sofern das Gesetz dies denn auch zulasse.

Beamtenverband bedauert Abgang

Der Polizeibeamtenverband hat erst am Freitag erfahren, dass ihr Chef den Hut nimmt und interimistisch durch die bisherige Nummer drei ersetzt wird. «Wir haben uns schon gefragt, wieso nicht Stellvertreter Rolf Meyer übernimmt», sagt Vizepräsident Harald Zsedényi auf Anfrage. Lips’ Abgang bedaure er sehr, «die Zusammenarbeit mit dem Kommandanten und der Polizeileitung hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert.»

Weitere personelle Konsequenzen erwartet Zsedényi aktuell nicht. «So wie ich Martin Roth einschätze, wird er nun alles daransetzen, dass Ruhe einkehrt.» Dass sich der bisherige Vize übergangen fühlen könnte, sei unwahrscheinlich.

«Es passiert auch auf unteren Stufen immer wieder, dass jemand beispielsweise bei einem Abteilungswechsel mehrere Positionen überspringt und vom Untergebenen zum Vorgesetzten wird – damit haben wir gelernt, umzugehen.»

Meistgesehen

Artboard 1