Schulanfang
Die Basler Schulen steuern mit einem neuen Kompass – dem Lehrplan 21

Der Kanton Basel-Stadt hat ein neues Schulsystem. Seit heute Montag unterrichten die Lehrerinnen und Lehrer auf der Basis des Lehrplan 21. Zudem startet die erste Sekundarschule mit 1269 Schülern in zehn Schulhäusern.

Fabio Vonarburg und Annika Bangerter (Text)
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Im Theobald Baerwart-Schulhaus beziehen die Sek-Schüler erstmals ihren Arbeitsplatz.

Im Theobald Baerwart-Schulhaus beziehen die Sek-Schüler erstmals ihren Arbeitsplatz.

Juri Junkov/Fotograf

Sommerferien ade, Schulbank ahoi: Für 19 128 Basler Schüler heisst es wieder Vokabeln büffeln, schriftlich rechnen, Prüfungen schreiben. Das Schrillen der Schulglocken bedeutete weit mehr als der Beginn eines neuen Schuljahrs - sie läutete eine neue Schulepoche ein. Mit der Einführung des Lehrplan 21 und der Sekundarschule verändert sich das Basler Schulsystem grundlegend. Christoph Eymann, Vorsteher des Erziehungsdepartements Basel-Stadt, spricht gar vom «schweizweit grössten Umbruch im Schulsystem».

1269 Sek-Schüler, in 69 Klassen, verteilt auf zehn Schulhäuser, machten den Anfang. «Ich bin überzeugt, dass sie alles Notwendige für ihre Zukunft mitbekommen», sagt Eymann, «auch mit dem neuen Kompass, den die Lehrerinnen und Lehrer bekommen haben.» In anderen Kantonen ist die Einführung des Lehrplans 21 politisch umstritten, in Basel-Stadt blieben die Diskussionen aus. «Möglicherweise weil wir die Lehrer in die Entwicklung einbezogen haben oder weil wir dem Lehrplan eine relativ lange Einführungsdauer zugestehen», sagt Eymann. Gemäss dem Fahrplan des Erziehungsdepartements soll dieser in sechs Jahren definitiv umgesetzt sein.

Alt bewährtes verbunden mit neuen Ideen

Das Theobald Baerwart-Schulhaus am unteren Rheinweg ist eines der zehn neuen Sekundarschulhäuser, das mit dem «neuen Kompass» ins Schuljahr steuert. Es wurde im letzten Jahr für 21,4 Millionen Franken renoviert. Mit dem Resultat ist Schuldirektorin Tove Specker zufrieden. Vor allem ist sie aber erleichtert: «Vor zwei Monaten war das Schulhaus eine einzige Baustelle. Dass es rechtzeitig fertig wurde, grenzt an ein Wunder.» Specker gefällt am renovierten Schulhaus das Zusammenspiel zwischen alt und neu. Die über hundertjährigen Dachbalken des Schulhauses blieben erhalten, bei der Einrichtung wählte die Schule hingegen einen modernen Ansatz. «Dieses Zusammenspiel widerspiegelt unser Schulkonzept», sagt Specker. Bewährte Unterrichtsmethoden werden ergänzt mit neuen Methoden – beispielsweise mit Lernateliers.

Unterschiedliche Unterrichtskonzepte

Die Lehrer des Theobald Baerwart-Schulhaus haben sich gemeinsam und «aus Überzeugung» dafür entschieden, sagt die Schuldirektorin. In einem Lernatelier haben 60 Kinder ihren Arbeitsplatz. Sind Lärm und Unruhe damit nicht programmiert? Specker verneint: «Es gibt nur zwei Lektionen, wo alle zusammen sind.» Ansonsten kommen die Schüler aneinander vorbei, weil sie für den Sport in die Turnhalle oder für naturwissenschaftliche Fächer in speziell eingerichtete Zimmer gehen. Zudem gibt es zu Gruppen- und Inputräume. Der Vorteil der Lernateliers sieht Tove Specker im individuellen Lernen: «Im Klassenverband ist das nur beschränkt möglich. Hiermit können wir näher auf die einzelnen Kinder eingehen.» Jeder Schüler hat zwar seinen hauptverantwortlichen Lehrer, aber das Modell mit einem Klassenlehrer ist verschwunden: «Wer im hundert Prozent Pensum arbeitet, betreut maximal zehn Kinder», sagt Tove Specker. Die Zeiten von 25 Elterngespräch innert wenigen Wochen sind somit vorbei.

Nicht in allen Sekundarschulen ist das Konzept der Lernateliers eingezogen. «Der Weg zum Ziel ist unterschiedlich», sagt Dieter Baur, kantonaler Leiter der Volksschulen. Beim Ansatz der didaktischen Mittel hätten die zehn Sekundarschulen viele Freiheiten. Einzig das Ziel sei den Schulen vorgegeben: «Die Schüler optimal darauf vorzubereiten, was nach der Sekundarschule kommt», sagt Baur. Egal, ob Berufslehre oder Gymnasium. Aber bis dahin dauert es für die ersten Basler Sek-Schüler noch mindestens drei Jahre. Die neue Epoche hat eben erst begonnen.