An ambitionierten Politikern fehlt es den Basler Sozialdemokraten nicht. Gut so, wird sich Parteipräsident Pascal Pfister sagen. Denn nicht nur steht die Vakanz des Sitzes von Finanzdirektorin Eva Herzog anfangs nächstes Jahr ins Haus; auch ist unklar, ob die beiden altgedienten Regierungsmitglieder Christoph Brutschin und Hans-Peter Wessels 2020 nochmals antreten werden.

Langweilig scheint die Frage nach der Herzog-Nachfolge. Grossrätin Tanja Soland hat bisher als einzige Kandidatin Interesse angemeldet. Lang hingegen ist die Liste jener, die als Kandidaten für die Gesamterneuerungswahlen in eineinhalb Jahren gehandelt werden: Kaspar Sutter, Kerstin Wenk, Beatriz Greuter.

Auf der sogenannten Shortlist des Parteipräsidenten Pascal Pfister taucht aber noch ein Name auf, den bisher niemand auf der Rechnung hatte: Pascale Baeriswyl. Die Diplomatin ist Staatssekretärin im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), also die höchste Beamtin im Departement von Bundesrat Ignazio Cassis – und Mitglied der Basler SP. Pfister sagt: «Pascale Baeriswyl ist natürlich eine valable Option. Sie hat in Bern einen wichtigen Job inne und kennt die Politik von A bis Z.»

Baeriswyl intern herabgestuft

Die Staatssekretärin kann in der Tat auf eine bemerkenswerte Laufbahn zurückblicken. Die 50-jährige Mutter von zwei Kindern ist die erste Frau auf dem Posten der Staatssekretärin im EDA. Sie hat während 16 Jahren verschiedenste Stationen im Departement durchlaufen, war stellvertretende Chefin der Sektion Menschenrechtspolitik für die Region Asien/Pazifik und Chefin des politischen Teams an der Schweizer Mission bei der Uno.

Nach der Wahl von Ignazio Cassis in den Bundesrat hat sie aber an Einfluss verloren. Der Freisinnige entzog ihr das prestigeträchtige Dossier der Beziehungen zur EU. Auf Anfrage nach den Ambitionen auf das Basler Regierungsamt sagt Baeriswyl dennoch, ganz die Diplomatin: «Die Arbeit im Interesse der Schweiz fasziniert mich ebenso jeden Tag wie die Vielfalt der Themen, für die ich zuständig bin.» Zumindest fürs Erste hat sie Pfister einen Korb gegeben – und dies Soland auch telefonisch mitgeteilt. Damit steht deren Solo für die Herzog-Nachfolge nichts mehr im Weg.

Soland, die gestern ihre Bewerbung für die Regierungskandidatur abgeschickt hat, lässt das kalt. Sie wolle keine anderen Kandidaturen beurteilen. Aber: «Ich ging immer davon aus, dass es sicher noch andere Kandidaten als mich gibt.» Solo-Kandidaturen seien nicht per se einfacher, sagt Soland. «Man will ja nicht eine Verlegenheitskandidatin sein, über die die Leute sagen: ‹Wir nehmen die, denn sonst haben wir ja niemanden›.»

SP-intern wird es schwierig

Ein solches Szenario droht Soland nach der Absage von Baeriswyl. Vom Tisch ist ihre Regierungskandidatur mit dem Nein allerdings nicht – sondern womöglich nur vertagt bis zu den Wahlen 2020. Denn Baeriswyl schliesst eine Kandidatur nicht generell aus. Alt Grossrat Tobit Schäfer jedenfalls begrüsst die Tatsache, dass der Parteipräsident «umsichtig in alle Richtungen» sondiert, wenn es um geeignete Kandidaten geht.

Klar ist aber auch, dass es trotz des beachtlichen Leistungsausweises nicht einfach wäre für Pascale Baeriswyl, Akzeptanz zu erlangen. Zwei Jahrzehnte ist es her, dass sie als Parteivorstandsmitglied ihre Sporen abverdiente. Der Stallgeruch ist ihr abhandengekommen in der Zwischenzeit. Etwas, das bei den internen Ausmarchungen der SP eine entscheidende Rolle spielen kann.