Befestigung

Die Basler Stadtmauer fällt zum zweiten Mal

Das Tor in den Plänen von Melchior Berri.

Das Tor in den Plänen von Melchior Berri.

Bei den Bauarbeiten rund um das Schällemätteli in Basel dokumentieren die Archäologen das neuste und kurzlebigste Stück der Stadtmauern.

Wo dereinst das neue Gebäude BSS der ETH stehen soll, klafft derzeit ein Loch. Und in diesem Loch sieht man eine alte Mauer. Es handelt sich dabei um ein Stück der Basler Stadtmauern, das eine spezielle Geschichte hat. In den 1840er Jahren bekam Basel seine erste internationale Bahnlinie.

Nach intensiven Debatten entschloss sich die damalige Regierung, den Bahnhof innerhalb der Stadtmauern zu bauen. Doch es fehlte die Fläche. Also wurde der Bahnhof vor der mittelalterlichen Stadtmauer im St. Johann errichtet. Rund um den Bahnhof kam eine Erweiterung der Stadtmauer zu stehen, inklusive einem speziellen Eisenbahntor, das nachts geschlossen wurde. Der Architekt des Staffeltors aus rotem Sandstein ist Melchior Berri, der auch das Naturhistorische Museum entwarf.

Die Stadt baute also in einer Zeit noch Mauern, als die napoleonischen Kriege längst gezeigt hatten, dass mittelalterliche Befestigungen gegen moderne Kanonen keine Chance hatten. Das erklärt sich Norbert Spichtig von der archäologischen Bodenforschung unter anderem mit den Trennungswirren der beiden Basel von 1833. «Es ging hier nicht darum, eine Befestigung zu bauen, die einer langen Belagerung widerstehen konnte.

Vielmehr ging es um Schutz vor handstreichartigen Überfällen und vor allem um die Kontrolle nach innen und nach aussen.» Die Mauer stand nicht lange: Bereits in den 1860er-Jahren begann die generelle Entfestigung der Stadt. Basel brauchte Platz, um sich zu entwickeln.

Die Archäologen nutzen nun baubegleitend die Gelegenheit, das Bollwerk zu dokumentieren. «Bis anhin haben wir nichts gefunden, das irgendwie erhaltenswert wäre», sagt Spichtig. Aber es sei eine gute Gelegenheit, Verlauf und Beschaffenheit des historischen Bauwerks zu untersuchen. Bereits beim Bau des Biozentrums in den 1960er-Jahren war man auf Teile der gleichen Befestigung gestossen. «Damals steckte die Basler Archäologie als Institution aber noch in den Kinderschuhen», sagt Spichtig. Man habe sich darauf beschränkt, die Mauer zu vermessen. Nun ist man um einiges gründlicher.

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Autor

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

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