In der Region Basel scheint Donald Trump keine Anhänger zu haben oder sie trauen sich nicht aus der Deckung. Auf jeden Fall hat sich in der nicht repräsentativen Umfrage der bz bei den US-amerikanischen Exppats niemand als Trump-Wähler geoutet.

Kathryn Edson, die für die «Democrats Abroad Switzerland» im Basler O' Neills Pub beim Birsig-Parkplatz von Dienstag auf Mittwoch eine Wahlnacht organisiert hat, überrascht das wenig. «Im September gab es in der amerikanischen Botschaft in Bern bei einer Veranstaltung eine Probeabstimmung. Von 100 Anwesenden hat nur einer für Trump gestimmt.»

An der Wahlparty haben ursprünglich 70 Personen teilgenommen. Morgens um 5 Uhr, als sich die Niederlage von Hillary Clynton klar abzeichnete, waren die meisten gegangen. Weitere demokratische Wahlpartys gab es in der Schweiz in Zürich und Genf – zu letzterer kamen 400 Personen.

Die Konkurrenzorganisation der Republikaner «Republicans Overseas» organisierte lediglich in Genf eine Wahlparty und war nicht in der Lage, der bz Trump-Wähler im Raum Basel als Ansprechpartner zu nennen.

Edson bringt die Gefühlslage der Expats auf den Punkt: «Für Amerika ist das ein Desaster. Ich bin schockiert.» Sie rechnet damit, dass Obamas Gesundheitsreform rückgängig gemacht wird, der Klimawandel kein Thema mehr ist und die USA sich isolieren.

Viele der zum US-Wahlausgang befragten amerikanischen Expats in der Region Basel dürften Kathy Hartmann-Campbell beneiden. Sie arbeitet als Coach in Binningen, lebt seit 1982 in der Region, und war gerade im fernen Myanmar, umgangssprachlich Birma oder Burma, angekommen, als sie die bz-Anfrage erreichte. Hartmann-Campbell mailte zurück: «Ein guter Ort um zu versuchen, mich von meinem Schock und Horror abzulenken.»

Ihre Tochter Julia Hartmann, die die doppelte Staatsangehörigkeit besitzt und in Basel Medizin studiert, hat diese Möglichkeit nicht. Ihr setzte der Trump-Erfolg dermassen zu, dass sie weinend aus der Uni lief, weil sie es dort nicht mehr aushielt: «Dass so viele Leute Trump gewählt haben, ist verstörend. Das ist kein schöner Tag», gibt sie zu Protokoll.

Ähnlich äussert sich Cathy Sharp, Choreographin und Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste, die seit Jahrzehnten in Basel lebt und seit gut zehn Jahren schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin ist: «Ich bin enttäuscht. Das wird eine harte Zeit.»

Kendra Walsh stammt aus New York und hat unter anderem im «Cathy Sharp Dance Ensemble» getanzt. Ihr macht am meisten ein populistischer Kartenhauseffekt Sorgen, bei dem weitere rechtsgerichtete und nationalistische Politiker wie Marine Le Pen an die Macht kommen könnten. «Ich würde mir viele kreative, lang anhaltende, friedliche Protestaktionen wünschen.»

Anthony Thomas, Gitarrist und Kopf der Basler Rockgruppe Lombego Surfers, trauert der Niederlage von Bernie Sanders in den Vorwahlen der Demokraten nach und ist überzeugt, dass dieser bessere Chancen gegen Trump gehabt hätte als Clinton. Thomas kommt aus Boston. Den Sieg von Trump hatte er befürchtet. «Er ist unberechenbar. Ich hoffe, dass er nicht alles macht, was er erzählt hat.» Auf Sanders kommt auch Edson zu sprechen: «Es ist eine Protestwahl gegen das Establishment.» Dabei hätten die Anhänger von Sanders nicht für Clinton gestimmt.

Vivian Beetle wohnt seit zehn Jahren in Basel, ist pensioniert und hat bei Hoffmann-La Roche gearbeitet. «Das ist die zwölfte Wahl, an der ich teilnehme und die grösste Überraschung.»

Rylla Resler, die in Bettingen unter anderem Yoga unterrichtet und seit acht Jahren hier wohnt, empfindet es vor allem als wichtig, sich auf die eigenen Werte zu besinnen, um auf Trumps Politik reagieren zu können. Überrascht ist auch sie: «Ich bin sehr, sehr traurig, dabei aber nicht wütend – ich respektiere das Ergebnis.» Zu schaffen macht ihr, was Trump alles gesagt habe und dass dieser Tonfall ihm geholfen habe, die Wahlen zu gewinnen. «Traurig bin ich auch für meine Tochter, die mit 18 Jahren das erste Mal wählen durfte.»