Die Basler Universitätsbibliothek (UB) hat ein Problem: Ihre Archive sind voll und sie braucht dringend mehr Platz. «Wir sind an der Grenze unserer Kapazitäten», sagt Daniel Tschirren, Leiter der Benutzungsabteilung/Hausdienst der UB und Ansprechpartner für den Betrieb. Die UB ist die Archivbibliothek für alle Basler Universitätsinstitute. Wenn die keinen Platz mehr haben, bringen sie Zeitschriftenbände und Monografien an die Schönbeinstrasse. «Hätten wir nicht vor drei Jahren das Aussenmagazin im Rosshof übernehmen können, wären unsere Platzreserven bereits erschöpft.»

Luzerner Abstimmung entscheidet

Ob die UB mehr Platz für ihre Archivbestände erhält, entscheidet sich dieses Wochenende. Und das in einem anderen Kanton: Während Basel über den Bau des Claraturms abstimmt, befinden die Stimmberechtigten im Kanton Luzern über einen Sonderkredit von 28,8 Millionen Franken zur Schaffung eines Hochregallagers in Büron. Genau genommen ist dieses Geld nicht für den Bau an sich bestimmt, sondern für den Betrieb. Denn bauen soll das rund 29 Millionen teure Lager eine Aktiengesellschaft, die noch gegründet werden muss und für die institutionelle Anleger gesucht werden. Die Universitätsbibliothek Basel wird rund eine Million in die AG investieren, die ZHB als Sacheinlage das Grundstück.

Beteiligt am Projekt sind sechs Bibliotheken mit einem grösseren Platzproblem: die Universitätsbibliothek Basel, die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB), die Aargauer Kantonsbibliothek Aarau, die Zentralbibliothek Solothurn, die Bibliotheken der Universität Zürich sowie die Zentralbibliothek Zürich. Der Luzerner Kantonsrat hat den Kredit mit 67 zu 12 Stimmen abgesegnet. Dagegen war ein Teil der SVP-Fraktion. Der Parolenspiegel vor der Abstimmung deute in Richtung Ja, sagt Ulrich Niederer, Direktor der ZHB. Alles andere wäre vernichtend: «Wir haben keinen Plan B», sagt Niederer und spricht damit für alle sechs Partner, die seit über 3,5 Jahren am Projekt arbeiten.

Platz für 14 Millionen Bücher

Gebaut werden soll das Hochregallager bis im Frühling 2016. In den Bau selber investieren nur die Bibliotheken, die wollen. Für den Betrieb werden die Bibliotheken einen Verein gründen und anteilsmässig für die jährlichen Kosten von 3,9 Millionen Franken aufkommen. Die ZHB kommt für den Löwenanteil von 2,4 Millionen auf, weil sie die meisten Bücher einlagern will.

Die Kapazität des Neubaus übersteigt das Vorstellungsvermögen: Im ersten Modul sollen 3,1 Millionen Bücher und Zeitschriftenbände eingelagert werden. Aus Basel werden es insbesondere Zeitschriftenbände aus dem 20. und 21. Jahrhundert sein. Die maximale Kapazität der möglichen Module liegt bei 14 Millionen. Das Lager wird unter Schutzatmosphäre vollautomatisch betrieben. Das heisst: Damit keine Brände ausbrechen können, wird der Sauerstoffgehalt der Luft im Lager reduziert. Zudem werden die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit konstant tief gehalten. Im Lager selber wird kein Personal arbeiten, die Bücher und Bände werden durch modernste Fördertechnik aus den Regalen geholt.

Digitalisierung wäre viel teurer

Warum in der Zeit der Digitalisierung sämtlicher Medien ein neues Archiv gebaut wird, erstaunt den Laien. Doch der Profi erklärt: «Ich bin überzeugt, dass das massiv teurer wäre», sagt Ulrich Niederer. Digitale Daten herzustellen, sei nicht billig. Zudem sei der Zugriff in der langfristigen Perspektive alles andere als gesichert, weil sich die Technologien dauernd verändern. «Auch ist vieles urheberrechtlich geschützt, das dürften wir gar nicht einfach so digitalisieren.» Obwohl immer mehr Publikationen auch digital angeboten werden, würden die Bibliotheken immer noch viel Gedrucktes neu kaufen. : «Das ist keine komplementäre Bewegung. Es nehmen beide Arten von Publikationen zu.» Alleine die ZHB hat jährlich einen Zuwachs von 30 000 gedruckten Bänden. Das entspricht einem Zuwachs von einem Laufkilometer pro Jahr. In der Universitätsbibliothek Basel sind es jedes Jahr über 90 000 Druckschriften, die rund drei Kilometer Regale belegen.