Herr Barell, was ist das Thema?

Gabriel Barell: «Hauptrolle». Die haben in meinem Beruf die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die KMU. Ihnen die besten Rahmenbedingungen zu bieten, damit sie sich gut entwickeln können.

Das ist ein wenig unkonkret. Was treibt Sie derzeit am meisten um?

Ich habe das bewusst so formuliert. Dass es der Wirtschaft gut geht, wird von der Öffentlichkeit und Politik meist als selbstverständlich angesehen. Es wird vergessen, dass die Schweiz vor 200 Jahren noch das Armenhaus Europas war. Wir kämpfen dafür, dass die Wirtschaft weiter prosperiert. Aber leider wurden und werden ihr viel zu viele Steine in den Weg gelegt. Die Rahmenbedingungen stimmen nicht.

Welche Rahmenbedingungen?

Um gut wirtschaften zu können, braucht es zum Beispiel genug Fläche. Regierung und Stadtplanung wollen nun aber in Wirtschaftszonen wie dem Lysbüchel-Areal Geschäfts- und Wohnraum vermischen. Das ist eine ungute Entwicklung.

Weshalb?

Gewerbe kann laut sein, auch riechen, hell erleuchtet sein. In einem Wohngebiet wird das nicht akzeptiert. Emissionsstarkes Gewerbe wird deshalb zunehmend aufs Land verdrängt, wie etwa die Produktion des Sutter Begg vom Rosental- aufs Dreispitzareal. Reine Wirtschaftszonen machen noch knapp vier Prozent der Stadtfläche aus, das ist sehr wenig.

Auch der motorisierte Verkehr ist in dieser Stadt im Nachteil. Und damit das Gewerbe. Sie haben vor einigen Monaten gesagt, dass Ihr Verband diesbezüglich eine Umkehr einleiten will...

..das braucht seine Zeit. Im März 2017 haben wir der Staatskanzlei zwei Initiativen übergeben, welche die Situation verbessern würden; «Zämme fahre mir besser» einerseits und «Parkieren für alle Verkehrsteilnehmer». Es ist Zeit für eine Trendwende. Auch wenn die Gegner dies mit allen Mitteln und einer Verfassungsklage zu verhindern versuchen.

Wie gross sind die Chancen auf Erfolg?

Ich glaube, das Volk realisiert langsam, dass das Gewerbe gewisse verkehrsgünstigen Bedingungen braucht. Beim Parlament spüre ich diese Einsicht zu wenig, das Gewerbe spielt eine zu kleine Rolle.

Im Vergleich zu anderen Schweizer Wirtschaftsregionen geht es Basel gut.

Den grösseren Konzernen sicher, ja. Aber es gibt viele KMU, die kämpfen müssen.

Welche Branche bereitet Ihnen die grössten Sorgen?

Trotz des Frankenschocks ist die Hotellerie gut über die Runden gekommen. Gastronomie und Detailhandel aber haben Mühe, der Einkaufstourismus nagt an den Zahlen.

Es gibt genug Läden in Basel, die mit einer klarer Positionierung gut wirtschaften – trotz Grenznähe. Und der Euro ist ja wieder stärker geworden.

Fakt ist, dass 15 Milliarden wegen des Einkaufs- und Gastrotourismus ins Ausland abfliessen. Es ist längst nicht alles wunderbar, nur weil der Euro ein bisschen gestiegen ist!

Nun steht die wichtigste Zeit für die Geschäfte an: Am Donnerstag findet die Ouvertüre der Basler Weihnacht auf dem Münsterplatz mit dem Erstrahlen der Weihnachtsbeleuchtung statt. Würde die Zeremonie auf dem Marktplatz nicht mehr Sinn machen?

Das wurde im Verein Basler Weihnacht diskutiert, weil der Platz näher bei den Geschäften ist. Wir sind zum Schluss gekommen: Die Ouvertüre soll auf dem Münsterplatz bleiben. Dort herrscht eine besinnliche Stimmung, losgelöst vom Kommerz.

Wie wollen Sie den Marktplatz mehr in die Basler Weihnacht miteinbeziehen?

Bereits im 2016 bekamen der Platz und damit die Geschäfte ringsherum mit dem Nightshopping während der Ouvertüre eine wichtigere Rolle. In diesem Jahr werden solche Events ausgebaut: Neu finden an den drei Freitagen vor Weihnachten von jeweils 17 bis 20 Uhr Abendshoppings statt. Dann wird der Marktplatz mit Konzerten bespielt, und in den Gassen rund um den Spalenberg sind verschiedene künstlerische Darbietungen zu sehen, inklusive einem Krippenweg. Das wird noch zusätzlich für festliche Stimmung sorgen.

Von daher hatte die Eurokrise ja etwas Gutes; Not macht erfinderisch.

Ja. Und der Verein Basler Weihnacht bleibt am Ball, da ist für die weiteren Jahre sicher noch Einiges möglich, in Richtung noch mehr Vielfalt. Ganz wichtig ist auch Licht in dieser dunklen Jahreszeit. Diesbezüglich sind wir einen Schritt weiter.

Inwiefern?

Der Verein empfiehlt den verschiedenen Betreibern der Weihnachtsbeleuchtung, diese bis am 6. anstatt wie bis anhin 3. Januar brennen zu lassen. Und diese durchgehend einzuschalten, das heisst ab 6.30 Uhr morgens bis um Mitternacht. Bis anhin gab es ja einen Unterbruch zwischen 8.30 Uhr und 14 Uhr.

Oha. Das wird die Gegner der Lichtverschmutzung und des übermässigen Stromverbrauchs auf den Plan rufen.

Die Lampen brennen mit LED. Der Stromverbrauch nimmt damit also massiv ab.

Macht es Sinn, die Lampen den ganzen Tag brennen zu lassen?

Ja, die Basler Weihnacht braucht Licht. Das sorgt für eine heimeligere Stimmung, so kommen die Menschen gerne in die Stadt.

Ist es am Tag nicht genug hell?

Gewiss gibt es sonnige Tage, aber in dieser Jahreszeit eher selten. «Basler Weihnacht» und die Geschäfte sind überzeugt, dass dies einen positiven Effekt haben wird.

Sie haben vor vier Jahren das Amt des Gewerbedirektors angetreten. Davor waren Sie Geschäftsführer des Sutter Begg, bei der Valiant Bank tätig; noch früher traten Sie als DJ auf.Viele Rollen! Da fehlt irgendwie der rote Faden.

Im Gegenteil! Alle Tätigkeiten haben unternehmerische Züge.

Haben Sie Ihre Rolle in der Stadt eigentlich gefunden?

Ja, sicher. Wir haben in den vergangenen vier Jahren viel erreicht. Zum Beispiel beim Zufahrtsregime in die Innenstadt oder bei neuen Berufsbildungsprojekten. Es sind viele einzelne Puzzleteile, kleine Schritte, die schliesslich zum Erfolg führen. Das weiss jeder Unternehmer.