Spalenberg
Die Baustelle am Spalenberg ist bald Geschichte

Auf dem Gipfel des Spalenbergs angekommen: Nach zwei Jahren Bauzeit gehen am 28. Juli die letzten Arbeiter nach Hause. Die geduldigen Anrainer freuen sich auf die Ruhe und die Ladenbesitzer auf mehr Kunden.

Nicolas Drechsler
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Beim Spalenberg-Eingang auf der Lyss ist im Boden der Grundriss des Spalenschwibbogens eingelegt, des Stadttors, das hier einst stand.
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Zwei Jahre dauerte die Umgestaltung des Spalenbergs.
Während dieser Zeit mussten sich die Shops einiges einfallen lassen, um die Passanten über die Baugrube hinweg trotzdem in ihre Shops einzuladen.
Mit viel Dekor an den Geländern der Stege zu den Läden lockten die Besitzer ihre Kunden hinein. Dazu verwendeten sie vor allem Blumen, wie hier beim Blumenladen Sprecher.
Andere beschilderten den Eingang zum Laden genau, wie hier die Wegweiser und Ständer bei der Goldschmiede.
Oder sie stellten gleich ihre Ware draussen aus, wie das Petite Sacoche.
Baustelle Spalenberg kurz vor dem Ziel

Beim Spalenberg-Eingang auf der Lyss ist im Boden der Grundriss des Spalenschwibbogens eingelegt, des Stadttors, das hier einst stand.

Juri Junkov

Franz Bonetti ist glücklich: «Der Spalenberg machte Spass, war aber stressig, nun kommen die Leute und bedanken sich, jetzt fällt mir eine Last von den Schultern.»

Am 28. Juli kann der Projektleiter des Tiefbauamtes den Gewerblern, Anwohnern und allen Innenstadt-Nutzern den Spalenberg zurückgeben. Es ist das Ende eines zweijährigen Projekts, das eine noch viel längere Vorgeschichte hat.

Schwer vorbelastetes Projekt

Im Jahr 2003 platzte der damaligen Baudirektorin Barbara Schneider der Kragen. «Wir werden den Spalenberg dann sanieren, wenn es eine Wasserleitung verjagt», blaffte sie in die Mikrofone der Journalisten. Die SP-Politikerin hatte die Nase voll von den Gewerbetreibenden, Anwohnern und Politikern, die sich nicht einig wurden, wie die Strasse in Zukunft aussehen sollte. Diese Art der Bürgerbeteiligung scheiterte komplett.

Ganz anders das jetzige Kommunikationskonzept, das Bonetti in den höchsten Tönen lobt: «Das ist für mich ein Paradebeispiel, wie es laufen sollte, besser kann es fast nicht mehr gehen.» Und der planende Architekt Gaetano Castiello ist auch begeistert davon, was die Kommunikation am Spalenberg leistete, denn «an der ersten Anwohnerveranstaltung hatte ich schon noch ein mulmiges Gefühl, aber es kam dann rasch gut».

Das war im August 2009. Auf Wunsch der Anwohner arbeitete das Tiefbauamt damals rasch einen detaillierten Bauplan aus, eigentlich ungewöhnlich in dieser Projektphase. So konnten die Betroffenen früh abschätzen, was wann auf sie zukommen würde – und Änderungswünsche einbringen. «Wir versuchten natürlich vor Johann Wanners Weihnachtsladen nicht gerade in der Vorweihnachtszeit zu bauen», nennt Castiello als Beispiel.

Franz Bonetti plante zwei Jahre lang. Und dann war er während zweier Jahre für den Bau verantwortlich und die zentrale Ansprechperson für die Anrainer.

Wichtige Begleitgruppe

Dabei standen ihm Anwohner und Gewerbler zur Seite: «Die Begleitgruppe war mir eine Riesenhilfe, sie hielt mir oft den Rücken frei.» Dennoch, Bonetti war der Mann, der koordinieren musste, wenn Umzüge, Öllieferungen, Umbauten, Fasnachtsbetrieb, Herbstmesse und anderes mit den Arbeiten kollidierten. «In meinen dreissig Jahren auf diesem Beruf war das logistisch gesehen eine der happigsten Aufgaben.» Der Projektleiter gibt, nach seinen schwierigsten Momenten gefragt, aber etwas anderes an: «Es hat mich tief bewegt, dass ich den Leuten die finanziellen Einbussen für ihre Geschäfte nicht ganz ersparen konnte. Ich hoffe der neue Spalenberg lockt jetzt mehr Kunden an.» Das werden die Ladenbesitzer auch brauchen, einige von ihnen sprechen von Umsatzeinbussen von bis zu 50 Prozent. Das Rezept für die Zusammenarbeit ist laut Bonetti einfach: «Ehrlich sein, offen sein, immer da sein.» Und in der Tat, auch die kritischsten Spalenberglemer loben die Mühe, die er sich gegeben habe, auf ihre Wünsche einzugehen.

Ein sehenswerter Berg

Die Grundidee bei der Neugestaltung war laut Castiello, die Strasse zu einer Fussgängerzone, einer Gasse zu machen. Also, weg mit den Randsteinen und den Trottoirs. Heute sind die Ränder mit geschliffenen Wackensteinen gepflastert, die auf ihre Rutschfestigkeit geprüft wurden. «So, dass es auch für Velos und Rollstuhlfahrer sicher ist.»

Drei zentrale Punkte gibt es im neu gestalteten Dreieck Spalenberg-Gemsberg-Heuberg: Die Tafeln der Ehrenspaalebärglemer, den neu eingebetteten Gemsbergbrunnen und den Eingang oben auf der Lyss. Dort ist im Boden der Grundriss des Spalenschwibbogens eingelegt, des Stadttors, das hier einst stand. Gleich dahinter, auf Höhe der Rosshofgasse versteckt sich ein weiteres Novum im Boden: Ausfahrbare Poller sind im Asphalt eingelassen, um den Verkehr auszusperren.

«Auf ausdrücklichen Wunsch des Gewerbes testen wir hier die Poller, die wir für die Fussgängerzonen in der ganzen Stadt benutzen wollen», erklärt Castiello. Hinter den Pollern gefällt der neu gestaltete Berg den Passanten: «Jetzt ist das ein richtig schönes Stück Altstadt», meint eine Touristin aus Freiburg und ungefragt ruft ein junger Mann dazwischen: «Super ist es geworden!»

Ladenbesitzer kritischer

Bei den Gewerblern ist der Tenor eindeutig: Sie sind vor allen Dingen froh, dass die Baustelle in zwei Wochen weg ist. Den meisten gefällt auch die Neugestaltung des Spalenbergs, mit einer Einschränkung: An den Konturen des Spalenschwibbogens scheiden sich die Geister. Christine Brunner von der «Boutique Gelatine» findet, der Grundriss «sieht aus wie ein abgeschabter Tennisplatz».

Mit solchen Detailfragen mag sich Tanja Buess von «Tarzan Streetfashion» gar nicht erst aufhalten: «Ich bin einfach froh, dass es nun bald vorbei ist». Das Einzige, was sie ein wenig bedauert, ist, dass es nun bald auch vorbei ist mit den organisierten Events am Spalenberg.

Neues Wir-Gefühl am Berg

Die Kommunikationsfirma «Stadtluft» hatte Nachteinkäufe, einen Catwalk und andere Anlässe veranstaltet, den Spalenberg-Läden ein gemeinsames Logo und Auftreten gegeben. «Der Zusammenhalt wird wohl teilweise bleiben», meint Buess optimistisch. Und auch andere der jüngeren Unternehmer am Berg sehen das ähnlich.

Die älteren sind auch hier skeptischer. Wer recht hat, wird sich in den nächsten Monaten zeigen, genauso wie sich herausstellen muss, ob die Neugestaltung ihre Kosten an Zeit, Geld und Nerven wert war.