Herr Rühl, Sie haben gesagt, die Wirtschaft werde durch Grenzen gebremst. Aber welche Grenze könnte Basel sonst abbauen als die Grenze zwischen Stadt und Land?

Thomas Rühl: Zum Beispiel die zwischen Deutschland und Frankreich und den beiden Basel.

Hatten wir da nicht kürzlich eine Volksabstimmung, welche eine gegenteilige Wirkung hat?

Das ist im Moment nicht das Thema, klar. Die Grenze zwischen den beiden Basel zeigt sich wirtschaftlich zwar längst nicht mehr, sie ist weitgehen abgebaut, aber es gibt immer noch Bereiche, wo sie spürbar ist.

Das heisst: Die Landesgrenze ist das grössere Risiko für die Wirtschaft als die Grenze zwischen Stadt und Land?

Im Moment ja, weil die Landesgrenze viel grössere Konsequenzen hat. Wenn wir an die Regulierung der Grenzgänger denken, die möglicherweise im Rahmen der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative kommt, dann kann eine Landesgrenze einen sehr grossen Einfluss haben auf einen Wirtschaftsraum. Innerhalb der Schweiz haben wir Binnenmarktgesetze, die uns zwingen, den Markt offen zu haben.

Sie haben gesagt, dass sich das Waldenburgertal und die Stadt Basel stark unterscheiden und es in einem gemeinsamen Kanton zu grossen Unterschieden käme. Was ist daran anders als im Kanton Zürich oder Bern?

Zürich hat die Situation etwas weniger, aber der Kanton Bern hat das Problem, dass der Kanton Schwierigkeiten hat, eine gemeinsame Standortpolitik zu finden für die Stadt Bern und das Berner Oberland. Kleine, homogene Kantone können gerade in der Steuerpolitik pointierter handeln als ein so grosser Kanton wie der Kanton Bern. Das Berner Oberland steht stärker in Konkurrenz zu Obwalden und Nidwalden, die Stadt Bern steht in Konkurrenz zu Zürich oder Basel. Das sind ganz verschiedene Regionen.

Sie haben immer wieder betont, das Resultat einer Fusion hänge von der Umsetzung ab. Heisst das, die Idee wäre sicher prüfenswert?

Darüber nachdenken lohnt sich. Die Frage ist, wie hoch sind die Kosten und die Risiken, wenn man darüber nachdenkt und zum Schluss kommt, dass man nichts ändern will. Der Prozess des Erschaffens einer Verfassung kostet und es besteht die Gefahr, dass man von aktuellen Problemen ablenkt.

Man könnte umgekehrt fragen: Können die beiden Kantone unabhängiger voneinander existieren?

Aus wirtschaftlicher Sicht haben die beiden Kantone die Wahl nicht, ob sie miteinander kooperieren wollen oder nicht, es sei denn, sie nehmen gravierende Konsequenzen in Kauf. Wenn man die Pendlerströme anschaut, wenn man die Schülerströme anschaut, die Zügelbewegungen und wie sich die Wirtschaft organisiert, würde man sich massiv ins eigene Fleisch schneiden, wenn man die Grenzen wieder zu bremsenden Grenzen machen würde.

Resultiert aus der gegenseitigen Verflochtenheit eine gegenseitige Abhängigkeit?

Das ist wirtschaftlich eindeutig so.

Ist das beiden Basel bewusst?

Ich glaube schon. Deshalb arbeiten sie ja eng zusammen. Bei jedem einzelnen Thema stellt sich jedoch die Frage der jeweiligen Interessen. Doch der Grundkonsens, dass beide Kantone an einem Strick ziehen müssen, der besteht.