Lehre

Die beiden Basel stehen bei der Lehrlings-WM im Abseits

Die bewährte Berufsschau in Pratteln bietet vom 26. bis zum 30. Oktober Jugendlichen die Möglichkeit, mit den verschiedensten Berufen, wie hier dem des Strassenbauers, in Kontakt zu kommen.   Walter Schwager

Die bewährte Berufsschau in Pratteln bietet vom 26. bis zum 30. Oktober Jugendlichen die Möglichkeit, mit den verschiedensten Berufen, wie hier dem des Strassenbauers, in Kontakt zu kommen. Walter Schwager

An den «World Skills» im Oktober in London ist weder Baselland noch Basel-Stadt vertreten. In Baselland wird gleichwohl von einem starken Jahrgang gesprochen, der eben die Berufslehre abgeschlossen hat.

Noch dauert es exakt ein Jahr und drei Tage, bis in London die olympische Flamme entzündet wird. In der einmarschierenden Schweizer Delegation dürfte dann auch das eine oder andere Baselbieter oder Basler Gesicht auszumachen sein – darüber wurde an dieser Stelle auch schon spekuliert.

Bei anderen Welttitelkämpfen, die vorher ebenfalls in der gleichen Weltstadt abgehalten werden, werden diese garantiert fehlen: Am 5. Oktober dieses Jahres treffen sich dort junge Berufsleute aus insgesamt 54 Ländern zu den «World Skills», eine Art Weltmeisterschaften der Lehrlinge. Doch zumindest unter den insgesamt 38 jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Schweiz sind die beiden Basel nicht vertreten.

Das befremdet, wurde doch erst im vergangenen September der Sissacher Benjamin Wüthrich am europäischen Berufswettbewerb für Landmaschinenmechaniker in Walibi in Holland Zweiter. Neben Benjamin Wüthrich haben vor einem Jahr noch Sanitärinstallateur Matthias Graf aus Maisprach und Bodenleger Michael Heid aus Biel an den Schweizer Meisterschaften erste Ränge belegt.

Internationale Muskelschau

Der direkte Vergleich mit Vertretern anderer Länder ist zwar nur bedingt statthaft, da schon nur in Frankreich die Berufsbildung stark vom Schweizer Weg, dem viel gelobten dualen Bildungssystem mit der parallelen Ausbildung in der Schule und in der Lehrfirma, abweicht. Gleichwohl besitzt diese internationale Muskelschau der Berufsbildung ein grosses Gewicht, wie nicht nur die Medienberichte nach der letzten Lehrlings-WM, sondern auch der Blick auf die Vorbereitung für die vier Wettkampftage in London verraten: Ein «über Monate dauerndes und intensives Training» hätten alle Schweizer Teilnehmer, vom Anlageelektriker aus Graubünden bis über die Appenzeller Köchin bis hin zum Zimmermann aus Schaffhausen, bereits hinter sich.

Urs Berger, der Cheforganisator der grossen Berufsschau in Pratteln, kantonaler Lehrstellenförderer und bei der Baselbieter Wirtschaftskammer für die Berufsbildung zuständig, weigert sich, darüber zu jammern, dass weder Baselland noch Basel-Stadt in London vertreten sind. «Nur ausserordentliche Talente schaffen es an solche Titelkämpfe oder bringen, wie zuletzt Benjamin Wüthrich, sogar eine Medaille von internationalen Titelkämpfen nach Hause», sagt Urs Berger, «auch wenn niemand nach London mitfahren kann, so blicken wir doch auf einen starken Abschlussjahrgang zurück.»

Dabei denkt er an die 186 jungen Berufsleute, die vor zwei Wochen in Münchenstein dafür geehrt wurden, dass sie «im Rang» abgeschlossen haben. Das sind 12,8 Prozent aller fast 1500 Kandidatinnen und Kandidaten. Obschon die Rangquote im Vorjahr leicht höher, nämlich bei 13,4 Prozent, ausfiel, spricht Berger von einem ausserordentlich starken Jahrgang. «Im Allgemeinen sind die jungen Leute hoch motiviert, ehrgeizig und legen einen grossen Berufsstolz an den Tag», stellt er fest.

Er zeigt sich überzeugt, dass diese Eigenschaften nun nicht plötzlich verschwinden, wenn sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt spürbar entspannt und junge Leute nicht mehr so sehr um ihre Stelle besorgt sein müssen. Denn: «Im kaufmännischen Bereich etwa wird es nie zu viele Stellen geben. Wer dort eine Lehrstelle erhält, wird, ja muss sich weiterhin voll anstrengen.»

Füntägiger Grossanlass

Wie ehrgeizig die jungenBerufsleute zur Sache gehen, wird diesen Herbst an der Berufsschau in Pratteln neben vielem anderen zu sehen sein. Den fünftägigen Grossanlass führen die Wirtschaftskammer und die Bildungsdirektion alle zwei Jahre gemeinsam, man könnte auch «dual» sagen, durch.

Dabei werden die Schweizer Lehrlingsmeister in der Gebäudetechnik und in der Informatik ermittelt. Vielleicht kann ja eine Medaille an einen Einheimischen darüber hinwegtrösten, dass wenige Tage zuvor in London ausserordentlich talentierte Lehrlinge aus der Region fehlten.

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