Alles könnte gut sein. Die Adventsgasse zog 2016 mehr Publikum an als bei der Premiere. Anwohner, die sich einst über Veränderungen beklagten, besuchten die Adventsbetriebe diesmal selber – womit deren Widerstand Geschichte wäre. Und für die meisten Standbetreiber lief das Geschäft so gut, dass sie gern wiederkommen wollen.

Aber Tino Krattiger, Initiator der Begegnungszone in der Rheingasse, ist verärgert. Die Politik mache ihm das Leben schwer, die Verwaltung behindere ihn, die Bemühungen um Belebung seien gescheitert.

Ernüchterung nach Aufbruchgeist

Zwei Jahre ist es her, seit die Strasse offiziell zur Begegnungszone erklärt wurde. Autos wurden bis auf Zulieferer verbannt, Beizern wurden Boulevardbewilligungen erteilt, es herrschte Aufbruchstimmung. Die Wirte konnten gar auf Unterstützung von oben zählen: «Die Rheingasse hat viel Potenzial. Mir schwebt eine belebte Strasse nach Vorbild des Spalenbergs vor», hatte Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels bereits lange vor dem Verkehrskonzept geschwärmt. Es sah eine Zeit lang sogar aus, als könnten die Boulevardzeiten verlängert werden. Von einem Marktplatz war die Rede, einem Ort der Begegnung. Tino Krattiger wollte genau das in der Rheingasse erreichen. Zuerst mit dem Boulevard im Sommer und, damit auch im Winter was läuft, mit der Adventsgasse im Dezember.

Bald aber merkte er: «Die Vorgaben, um die Strasse als Adventsmarkt zu bespielen, gleichen einem aussichtslosen Strategiespiel.» Es fing bei den Ständen an. Diese dürfen nur auf ehemaligen Parkfeldern stehen. Doch fixe Häuschen dieser Grösse gibt es nicht. Krattiger und sein Team mussten für 25 000 Franken welche bauen lassen.

Der Adventsmarkt erhält, anders als sein grosser Bruder im Grossbasel, keinen Rappen vom Staat. Er muss im Gegenteil über 2000 Franken an Bewilligungen abliefern. Ohne Sponsoren wäre der Event nicht möglich. Hinzu kommen Bussgelder für «Vergehen», bei denen Krattiger nur den Kopf schüttelt. So wurde etwa ein Wurstverkäufer gebüsst, weil sein mobiler Stand in die falsche Richtung stand. Die Verkaufsfläche wäre sonst zur Hausmauer gerichtet gewesen. Das Argument überzeugte die Polizei nicht. «Der Fahrer muss verbotenerweise in die Einbahnstrasse gefahren sein, um seinen Wagen so parkieren zu können», sagt Polizeisprecher Martin Schütz.

Laut Krattiger wurde dieser Stand 2015 jedoch genauso bewilligt. Für ihn ist jeder Standbetreiber, der nicht mehr kommt, ein grosser Verlust. Mit den rund 20 Plätzen, die der Markt zur Verfügung hat, könne man unmöglich Gewinn machen. Und dass die Behörden Verwarnungen aussprächen, wenn eine Viertelstunde nach Ablauf der Boulevardöffnungszeiten noch Menschen auf der Strasse stehen, erschwere die Belebung der Strasse zusätzlich.

«Visionen enden bei Bodenbelägen»

«Nahezu alle Auflagen orientieren sich am Strassenverkehr. So kann keine Begegnungszone entstehen!», sagt Krattiger. Er spricht die Tempo-20-Zone in der Rheingasse an, die bedeutet: Fussgänger haben Vortritt – auch gegenüber Velofahrern. Bloss wisse das offenbar kaum jemand. «Ausser während der Adventsgasse, wenn die Strasse für Velos gesperrt ist, traut sich kaum ein Fussgänger auf die Fahrbahn.» Ein «Fussgänger Vortritt»-Schild wäre eine einfache Lösung, sagt Krattiger. Die Polizei winkt ab. «Wir gehen davon aus, dass die Velofahrer die Regel kennen», sagt Schütz.

Für Krattiger ist klar, wo das wahre Problem liegt: «Es mangelt am politischen Willen, das Potenzial der Begegnungszonen auszuschöpfen. Das sieht man am Beispiel der Rheingasse und insbesondere an der Adventsgasse deutlich.» Die Aufwertungsvisionen der Regierung endeten bei Bodenbelägen und teuren Stühlen auf Allmend. «Wenn sich am politischen Willen nichts ändert, müssen wir mit der Adventsgasse aufhören», sagt er. «Und die Strasse wieder zu einer tristen Gasse verkommen lassen.»