230 Berufe gibt es in der Schweiz. Samantha Stähli hat sich für den der Systemgastronomiefachfrau entschieden. «Es ist mein absoluter Traumjob», sagt die 21-Jährige. «Ich liebe meine Ausbildung, und ich denke, das hat man gespürt.» Genau das habe wohl den Unterschied gemacht, dass ausgerechnet Stähli am Montagabend zum Lehrling des Jahres der Region Basel gekürt wurde.

Gegen mehr als 50 Lernende mit Lehrvertrag in Basel hat Stähli sich durchgesetzt. Ihr Arbeitsort ist die McDonald’s-Filiale am Badischen Bahnhof. McDonald’s? Ja, richtig gelesen. Der Fast-Food-Riese bietet in Basel-Stadt und Baselland seit 2011 Lehrstellen an; erst in Form der Restaurationsfachfrau/mann und seit 2013 national als Systemgastronomiefachfrau/mann. «Es ist aber nicht, wie sich das viele vorstellen, nur Hamburger braten, es ist viel mehr», räumt die Baslerin umgehend mit dem gängigen Klischee auf. «Der Job ist sehr vielfältig und ausserdem sehr zukunftsträchtig.»

Doch was genau macht eine Systemgastronomiefachfrau? «Einfach gesagt, ein Mix aus einer KV-Lehre, einer Ausbildung als Koch und jener zur Restaurationsfachfrau.» Daneben, dass sie tatsächlich Burger braten und Pommes frittieren muss, erstellt sie Dienstpläne, erwirbt Produktkenntnisse und muss sich Gedanken über den Auftritt machen, sprich, wie man die Produkte am besten verkaufen kann. «Nach den drei Lehrjahren ist Samantha in der Lage, Schichten zu leiten», so ihr Lehrlingsbetreuer Daniel Benedetti. Schichten leiten, das reicht der im Gellert aufgewachsenen Stähli jedoch nicht. «Ich will Restaurantleiterin werden», so ihr Ziel. «Natürlich in einem McDonald’s.»

Praxis statt Theorie

Dass Stähli aber überhaupt eine Lehre gemacht hat, war nicht immer absehbar. Bevor sie den Schritt in die Arbeitswelt wagte, besuchte sie das Gymnasium. Trotz abgeschlossener Matur war ein Studium für sie nie ein Thema: «Studieren macht in diesem Bildungssystem für mich keinen Sinn. Ausserdem wollte ich mir nicht den Kopf noch mehr füllen, sondern viel lieber etwas Praktisches machen», begründet sie ihren Wechsel weg von der Schulbank in einen Lehrbetrieb.

Ihr Umfeld war zu Beginn etwas erstaunt darüber, dass sie im McDonald’s eine Ausbildung absolvieren kann, «als ich ihnen aber alles erklärt hatte, haben sie nichts mehr gesagt». Die «Sechser-Schülerin», wie Benedetti sie bezeichnet, sieht in dieser Ausbildung sogar eine ganz grosse Chance: «Man hat sehr gute Chancen zum Aufsteigen, und die Betreuer kümmern sich unglaublich gut um einen. Man merkt, wie viel wir ihnen wert sind.»

Neben dem Titel Lehrling des Jahres hat Stähli auch ein Preisgeld von 2014 Franken erhalten. «Ich habe meiner Klasse versprochen, dass ich im Ausgang eine Runde zahle. Und ich gehe mit dem Geld in die Ferien.» Wohin, weiss sie noch nicht. Irgendwann wolle sie aber mal eine Weltreise machen. «Aber dafür muss ich wohl noch 20 bis 30 Jahre arbeiten», sagt sie und lacht. Kein Problem für jemanden, der seinen Beruf so liebt wie Stähli.