Podiumsdiskussion
«Die beste Massnahme zur Beschränkung des Bevölkerungswachstums»

Ecopop-Geschäftsführer Andreas Thommen verteidigte seine Initiative an einer Podiumsdiskussion mit Inbrunst gegen drei Gegner. Doch letztlich hatte er keine Chance.

Tobias Gfeller
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Ecopop-Geschäftsführer Andreas Thommen wurde gestern bei der Podiumsdiskussion mit Gegen-Argumenten eingedeckt.

Ecopop-Geschäftsführer Andreas Thommen wurde gestern bei der Podiumsdiskussion mit Gegen-Argumenten eingedeckt.

Keystone

Ein Mann, begleitet von zwei als Engel verkleideten Damen, präsentierte am Ende der Podiumsdiskussion das sogenannte «AntiPop-Kit». Dieses sollten die Ecopop-Initianten benutzen, sagte der Mann, wenn möglich noch vor der Abstimmung. Der Inhalt dieser kleinen, weissen Schachtel hatte es in sich: ein Kondom und eine Anleitung zur Mitgliedschaft bei der Sterbehilfeorganisation «Exit». Mit viel Pathos sagte der Mann: «Das ist die effizienteste und beste Massnahme zur Beschränkung des Bevölkerungswachstums in der Schweiz.»

Ist die Zuwanderung schuld?

Der Auftritt dieses Mannes war eine einzige Spitze gegen Andreas Thommen, Ecopop-Geschäftsführer und Mitglied der Grünen. Thommen schüttelte ob der Darbietung nur noch ungläubig den Kopf, wie so oft am gestrigen Abend im Hotel Merian.

Zugegeben, Thommen hatte schon zahlenmässig einen schweren Stand. Alleine und mit viel Engagement setzte er sich für seine Ecopop-Initiative ein, über die am 30. November abgestimmt wird. «Wir wollen den Nachhaltigkeitsartikel in der Bundesverfassung ergänzen und die Bevölkerungszahl der natürlichen Ressourcen anpassen», sagte der Fricktaler, der sich als Landwirt und teilweise Selbstversorger präsentierte. Schon bald wurde er von den drei Ecopop-Gegnern, die sich ihm an der gestrigen von bz-Chefredaktor Matthias Zehnder geleiteten Podiumsdiskussion entgegenstellten, mit Gegen-Argumenten eingedeckt.

Thommen am Ende entnervt

Ihm wurde vorgeworfen, die verschiedensten Probleme der Schweiz auf das Bevölkerungswachstum und somit auf die Zuwanderung zu schieben. «Migration folgt den erfolgreichen Wirtschaftsstandorten. Man kann sie nicht auf- und zudrehen wie einen Wasserhahn», warnte Pierre-Alain Niklaus, Autor verschiedenster Publikationen über Sans-Papiers. «Sie kommen nicht, um uns zu ärgern. Wir müssen in jedem einzelnen Problembereich aktiv sein», betonte Niklaus. Thommen vermochte den Vorwurf, die hiesigen Probleme der Zersiedelung, des zunehmenden Energieverbrauchs und der Umweltzerstörung der Zuwanderung in die Schuhe zu schieben, nie ganz ausräumen, was ihn am Ende sichtlich entnervte, als er sich nach der Podiumsdiskussion einen heftigen verbalen Streit mit Inés Mateos lieferte. Letztere verwies als selbstständige Expertin für Bildung und Diversität auf die Wichtigkeit der Migranten für den Schweizer Arbeitsmarkt. Damit widersprach sie Thommen, der vor allem Fachkräfte in die Schweiz lassen will – und dies erst noch zahlenmässig nach oben beschränkt. Für Matthias Leuenberger, Delegierter von Novartis Schweiz, ist dieser starre Mechanismus nicht umsetzbar.

Von allen am liebsten weniger

Lange blieb die Frage im Raum, wen die Ecopop-Befürworter ins Land lassen würden, wenn nur noch ein Platz für einen Einwanderer frei wäre: den CEO für die Pharmaindustrie oder den Erntehelfer für den Landwirt. Erst als eine Zuhörerin Andreas Thommen nochmals vehement um die Beantwortung der Frage bat, nahm dieser Stellung: «Ich bin dafür, dass alle kommen sollen – von allen aber weniger», so Thommen. Notfalls würde er aber schon den CEO bevorzugen, da dieser mehr Nutzen und Wertschöpfung bringe.