Kriminalität

Die blitzschnelle Basler Polizei: Mit digitaler Analyse dem Verbrechen einen Schritt voraus

Mit automatischen Lageanalysen präziser planen: Die Basler Kantonspolizei digitalisiert jetzt.

Mit automatischen Lageanalysen präziser planen: Die Basler Kantonspolizei digitalisiert jetzt.

Die Kantonspolizei Basel-Stadt baut die Datenanalyse aus. Fasst sie bald Täter, bevor es zur Straftat kommt?

Das Wort lautet «Predictive Policing», kommt aus dem Englischen und heisst so viel wie «vorausschauende Polizeiarbeit». Das ist auf Deutsch deutlich weniger knackig, beschreibt aber, was in dessen letzten Schluss der Film-Thriller «Minority Report» mit Tom Cruise aus dem Jahr 2002 befürchtet: Die Polizei der Zukunft soll aufgrund umfassender Datenanalysen Täter stellen können, bevor sie die Tat überhaupt begehen.

Jetzt, 18 Jahre nach dem Thriller, digitalisiert die Basler Kantonspolizei ihre Prozesse erstmals umfassend. Den Zuschlag für die Umsetzung hat die Swisscom erhalten – das Unternehmen war die einzige Bewerberin. Im Projekt geht es unter anderem darum, eine automatisierte Analyse von Lagedaten vornehmen zu können. Zum Beispiel, wann und wo eine Einbruchsserie geschehen ist. Aufgrund dieser Informationen liessen sich quasi «massgeschneiderte» Schlüsse für die Polizeiarbeit ziehen, wie Polizeisprecher Martin Schütz sagt. «Nicht nur rückblickend, sondern eben auch vorausschauend», wie Schütz sagt. Im Jargon heisst dies «Advanced Analytics».

Lagedaten ja, aber keine Personendaten

Von einer Einlösung der im Film «Minority Report» geschilderten Dystopie ist Basel indes weit entfernt. Schütz betont, dass es nicht darum geht, Personendaten automatisiert zu analysieren, sondern allein Lagedaten. Dieses personenunabhängige Vorgehen ist in nachrichtendienstlichen Kreisen schon lange üblich und wird auch von einigen Polizeien seit einer Weile eingesetzt. Insbesondere in den USA, aber auch in vielen europäischen Ländern sind entsprechende Lösungen bekannt.

Kritik am «Predictive Policing» regt sich vor allem aus Kreisen der Menschenrechtsorganisationen, die dadurch die Unschuldsvermutung gefährdet sehen. Die dahingehende Befürchtung ist, dass die Polizei allein auf datenbasierenden Verdacht hin bereits präventiv einschreiten könne. Zudem geht es auch darum, dass nackte Datenerfassungen die Analysen in die Irre führen können, was die Coronafallzahlen weltweit bestens illustriert haben: Wo gemessen wird, kommt mehr vor, als dort, wo nicht gemessen wird.  So entsteht das Phänomen einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Zuerst muss das Projekt umgesetzt werden

Auch wenn mit dem neuen System die Grundlagen für «Predictive Policing» erst ermöglicht werden: Die Basler Kantonspolizei befindet sich noch deutlich am Anfang der umfassenden Digitalisierung. Seinen Ursprung hat das Projekt bereits Mitte der 2010er-Jahre. Damals war es unter dem Namen «Kapo 16» bekannt, 2016 segnete es der Grosse Rat entsprechend ab.

Die neue Software als solche brauche keine neue gesetzliche Grundlage, sagt Schütz. Der kantonale Datenschutzbeauftragte sei bei «Kapo2016» einbezogen. Grundsätzlich geht es laut Projektbeschrieb erst einmal um die Einführung trockener Datenverarbeitungsprozesse, dank derer viel Papierarbeit an verschiedenen Stellen von Behörden und Institutionen wegfallen soll.

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