Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) kommen nicht zur Ruhe: Nach dem turbulenten Abgang der BVB-Leitung Ende 2013 (siehe Box) kriselt es nun zwischen den Tram- und Buschauffeuren und der Führungsebene.

Konkret sind die Mitarbeiter des Fahrdienstes unzufrieden mit der Diensteinteilung, die unter dem Motto «alle fahren alles» funktioniert. Die Schichteinteilung ist im Vergleich zu früher unregelmässiger. Frühschichten folgen direkt auf Spätschichten, ein geregelter Tagesablauf besteht kaum noch. «Die Diensteinteilung ist belastend», sagt ein Chauffeur zur bz. Matthias Scheurer vom Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) bestätigt: «Die Diensteinteilung ist für die Mitarbeiter im Fahrdienst belastender als früher. Der Personalbestand ist eher knapp.»

Dienstältere bevorzugt

Früher existierte ein Turnus-System, in dem die Arbeitseinsätze auf ein ganzes Jahr hinaus geplant wurden. Die Einteilung berücksichtigte primär die Wünsche der dienstälteren Chauffeure, die jüngeren arbeiteten sich im Turnus nach vorne. «Da hatte man die Aussicht, mit der Zeit häufiger attraktive Dienste fahren zu können», sagt der Chauffeur. Das aktuelle Regime lässt praktisch alle unglücklich zurück.

Die BVB gaben das alte System auf, um auch besser auf die Wünsche ihrer Chauffeure eingehen zu können. Dazu setzten sie auf den Wunschdienstplan, eine Software, die eine Erfolgsquote von 80 Prozent bringen sollte. Doch das System überstand die Testphase nicht, man ging stattdessen über zu «alle fahren alles». «Die BVB wollten zu schnell zu viel erreichen – das war zum Scheitern verurteilt», sagt Scheurer. Die BVB schreiben: «Der Ansatz des individuellen Dienstplans wurde, nicht zuletzt aufgrund von Rückmeldungen aus dem Personal und der Personalkommission, nicht weitergeführt.»

Hohe Erfolgsquote

Der Blick von Grün zu Gelb zeigt: Was bei den BVB nicht funktionierte, ist bei der Baselland Transport AG (BLT) eine Erfolgsgeschichte. Seit etwas mehr als einem Jahr setzt die BLT auf die Dienstplansoftware Profahr, wie sie auch die Kantone Luzern und Bern verwenden. Genau dasselbe Programm hatten auch die BVB getestet. Und auch das jetzige System läuft über Profahr. Gleichwohl haben BVB-Chauffeure nicht die gleichen Wahlmöglichkeiten wie jene der BLT.

BLT-Direktor Andreas Büttiker ist von der Software überzeugt: «Damit können wir besser auf die Wünsche unseres Fahrdienstes eingehen.» Er spricht von einer Erfolgsquote von mindestens 85 Prozent. Die Software wurde speziell auf die Bedürfnisse der BLT abgestimmt, auch die Erfahrungen aus Luzern und Bern flossen mit ein. Eine Fachgruppe von Chauffeuren begleitete die Entwicklung. Um auf das Dienstplanprogramm zugreifen zu können, erhielt der gesamte Fahrdienst Tablets. «Ich war anfangs skeptisch. Es ist uns aber gelungen, das Programm an die Bedürfnisse der Wagenführerinnen und Chauffeure anzupassen», sagt Büttiker, weist aber darauf hin, dass es weiterhin unbeliebte Dienste gebe.

Aufgrund der Querelen bei den BVB haben sich Führung und Personalvertreter zusammengesetzt. Die Interessen der Chauffeure vertreten unter anderem der VPOD und Feme, der Verband des BVB-Personals. Doch die Verhandlungen harzen, was Feme Mitte Mai zu einem offenen Brief veranlasste. Der Tenor lautete: Die Chauffeure erwarten endlich Verbesserungen.

Drei Monate später beurteilen die Personalvertreter die Situation positiver. «Wir haben Signale erhalten, dass Anfang nächstes Jahr Verbesserungen inkraft treten», sagt ein Vorstandsmitglied der Feme, das anonym bleiben will. «Das stimmt uns sehr positiv.»

Regierung in der Pflicht

Die Unzufriedenheit des BVB-Personals hat auch die Politik erreicht. SVP-Grossrat Patrick Hafner hat eine Interpellation eingereicht. Der Ex-Verwaltungsrat der BVB will von der Regierung wissen, was sie aufgrund ihrer gesetzlichen Fürsorgepflicht zu unternehmen gedenkt. Hafner bemängelt überdies die Unternehmenskultur der BVB. Das beurteilt Scheurer anders: «Es liegt nicht alles im Argen bei der BVB.» Die Führungsriege sei sehr bemüht, sozialpartnerschaftlich zu handeln. Man habe bereits Verbesserungen zugunsten der Chauffeure erreicht. So werden nun Wegzeiten ordentlich entschädigt und es ist nach wie vor möglich, Dienste untereinander abzutauschen. Auch gibt es mehr Kurzpausendienste und somit weniger Dienste mit langen Unterbrüchen. Das kommt jenen Chauffeuren entgegen, die weit weg wohnen und auch in einer langen Pause nicht nach Hause gehen können. Davon gibt es laut Scheurer immer mehr, namentlich aus Süddeutschland.

Die BVB schreiben, die Diensteinteilung werde in Absprache mit der Personalkommission laufend optimiert. Anpassungen nähmen eine gewisse Zeit in Anspruch. Dem Motto «alle fahren alles» bleibt man «im Sinn der Gleichberechtigung aller Mitarbeitenden» treu.