Es ist kein Job für jedermann. Dominique Christen hängt in schwindelerregender Höhe in den Ästen eines Ahornbaums neben dem Giraffenhaus. Aus dem Halter am Klettergurt zieht er eine Säge und setzt diese über einem Ast an. Er müsse einen Entlastungsschnitt machen, sagt er. Sprich: Er entfernt Äste und Kronenteile, die zu stark aus der Kronenperipherie herauswachsen. Christen fühlt sich wohl in etwa 15 Meter Höhe: «Der schönste Moment ist für mich als Gärtner, wenn ich auf die Bäume kann. Umso höher ich bin, desto freier fühle ich mich.»

Christen ist Baumpflegespezialist und kümmert sich im Zolli um rund 1100 Bäume. Die Linde beim Affenhaus ist eines seiner nächsten Projekte. Deren Äste seien mittlerweile sehr dicht gewachsen, der Baum müsse ausgelichtet werden. Ein Thema, mit dem er sich immer wieder befassen muss, sind die vielen alten und kranken Bäume. «Schuld daran ist unter anderem, dass Bäume immer wieder mal Gehegeumbauten zum Opfer fallen.» Früher habe man bei Anlageerweiterungen einfach die Baumwurzeln gekürzt, wenn diese zu viel Platz beanspruchten. Die Bäume leiden heute häufig an Folgeschäden.

Umbau fordert Baumfällungen

Sie zu fällen tut Christen weh, denn sein Herz schlägt für die mächtigen Riesen. Der Umbau des Zollirestaurants zum Beispiel, das erst vor wenigen Wochen wieder eröffnet wurde, hatte zur Folge, dass ein paar Bäume weg mussten. Grund: Damit die Zollibesucher auch ohne Restaurant etwas essen oder trinken konnten, wurde ein Zelt aufgebaut. «Es ist schade, wenn Bäume für zwei Jahre Provisorium verschwinden müssen», sagt Christen.

Auch für die neue Elefantenanlage, die derzeit gebaut wird, wurden Bäume gefällt. «Klar, es werden Jungbäume gepflanzt. Aber bis diese wieder das Bild eines Parkes wiedergeben, das den Zolli ausmacht, dauert es ein paar Jahre.»

Die Pflege der Bäume sind jedoch längst nicht alles, was bei Christen und seinen fünf Gärtnerkollegen auf dem Tagesplan steht. Sie sorgen vor allem für Futternachschub. Jede Woche werden mehrere Tonnen Heu geliefert. Rund 180 sind es im Jahr. Dazu kommen jährlich rund 80 Tonnen Heu und 20 Tonnen Klee. Die Zolli-Gärtner werfen die Ballen vom Laster und stapeln sie im Heulager auf. «Andere gehen ins Fitnessstudio und wir werden bezahlt dafür», sagt der 56-Jährige.

Regionale Förster bieten Äste an

Zwei Mal in der Woche fahren Christen und seine Kollegen mit dem Lastwagen in den Wald – auf den Gempen, nach Riehen oder in den Allschwiler Wald. Förster stellen dort Äste zur Verfügung. «Wir benutzen sie als Futter oder als Beschäftigungsmaterial für die Zebras, Affen oder Elefanten», erklärt Christen. Im Winter stellen Bauern Holz von Kirschbäumen zur Verfügung. Und für die Wintermonate werden Blattsilagen hergestellt. Über eine Tonne Laub wird eingestampft und in Fässer gepackt für zum Beispiel die Giraffen, die sonst nichts mehr zu essen hätten.

Christens Arbeitspalette ist breit und abwechslungsreich. Aber eben: Am liebsten klettert der gelernte Landwirt auf Bäume. Vor allem die Bruchsicheren mag er: «Auf einer Eiche kann ich auf dem Ast bis fast ganz raus klettern.» Sein Lieblingsbaum im Zolli ist die Blutbuche, die neben der Elefantenanlage steht. Es seien mal zwei gewesen, erzählt er. Die zweite musste gefällt werden. Deswegen wurde der Stamm der noch stehenden mit einer Art Sonnencreme eingestrichen. Die Buche sei sehr empfindlich auf Sonnenlicht, die zweite habe sie vor ihr geschützt.

Dominique Christen hätte zwar gerne einmal in einem Nationalpark gearbeitet. Aber er ist glücklich im Zolli. «Es klingt blöd. Aber wenn ich auf einem Baum bin, zeigt er mir, was ich machen muss.»