Theater Basel

Die Brücke zwischen Nicht-Akademikern und Wissenschaftlern: Science Slam

Die «Science Slammer» vermitteln ihr Forschungsgebiet eingehüllt in eine unterhaltsame Performance. Weg mit den trockenen Vorträgen, die mehr Schlaftablette als Wissensvermittlung sind, weg von blosser Fachsimpelei und langweiliger Faktenauflistung. Mit diesen Zielen wurde die Doktorandin Natalie Rose vor rund zwei Jahren Präsidentin des Science Slam Club Basel.

Die Vereinigung organisiert seit 2011 jedes Jahr den Basler Science Slam. Ziel der Veranstaltung ist es, eine Brücke zwischen Nicht-Akademikern und Wissenschaftlern zu schlagen, um beide Gruppen aus ihrer Bubble zu locken. Wissenschaftliche Themen aus den verschiedensten Fachgebieten sollen anschaulich und ohne Fachvokabular innerhalb von acht Minuten vermittelt werden. «Dabei stösst man durchaus auch mal auf einen rappenden Chemiker», so Rose. Bei der Themenwahl sind die vortragenden Wissenschaftler völlig frei. So werden heute Freitag beispielsweise künstliche Laborgehirne, die psychologischen Gründe des Verliebens oder eine hundertjährige Geschichte der Airline-Werbungen präsentiert. Mit Letzterem befasst sich der freie Historiker und Autor Dr. Benedikt Meyer, mit welchem die bz im Vorfeld ein Gespräch führen durfte.

Herr Meyer, seit fünf Jahren sind Sie als Science Slammer tätig. Wie ist es dazu gekommen?

Benedikt Meyer: Am Anfang war es für mich mehr eine Mutprobe. Bei meinem ersten Slam präsentierte ich mein Fachgebiet gleich vor 300 Leuten. Ich finde es spannend, komplizierte Inhalte so zu vermitteln, dass sie für alle Leute im Publikum verständlich sind. Das ist nicht immer ganz einfach. Ich persönlich versuche, es mit Humor und witzigen Bildern unterhaltsam zu gestalten und Fachausdrücke zu vermeiden.

Ihr diesjähriges Programm in Basel befasst sich mit der Geschichte der Airline-Werbungen. Wie kommt man auf die Idee, sich mit so etwas zu befassen?

Ich habe meine Doktorarbeit zur Luftfahrt in der Schweiz verfasst und bin dabei unter anderem auf skurrile Werbungen gestossen. Oftmals werden darin Dinge gezeigt oder behauptet, die einfach nicht der Realität entsprechen. Und diese Werbungen kann man nur schon visuell natürlich bestens ausschlachten.

Beobachten Sie solche Widersprüche zwischen medialer Darstellung und Realität vor allem bei älteren oder auch bei aktuellen Reklamen?

Definitiv auch bei aktuellen. Werbung funktioniert grundsätzlich immer noch gleich wie damals. Beispielsweise hat die Edelweiss Air in der jüngeren Vergangenheit mit Bildern von Surfern an malerischen Stränden geworben. Die Juso hat die Reklame mit Bildern von Müllbergen auf angeblichen Traumstränden überklebt, um auf die Probleme des übermässigen Tourismus hinzuweisen. Es wird heute geflogen, als gäbe es kein Morgen. Welche Folgen das hat, wird völlig ausgeblendet. Das Thema ist also brandaktuell. Vorstellen werde ich aber eine Art Tour d’Horizon der letzten hundert Jahre.

 

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